Die Reaktionen auf einen Artikel in der LAUSITZER RUNDSCHAU, in dem Anfang März die aktuellen Pläne für die Neubebauung der Brache an der Sandower Straße vorgestellt wurden, zeigen, wie wichtig den Cottbusern der historische Standort und sein zukünftiges Gesicht sind. Der Denkmalbeirat der Stadt kam zu einer Sondersitzung zusammen. In der Redaktion gingen gleich mehrere kritische Leserbriefe zu dem Vorhaben ein. Und auch dem Bürgerverein Stadtmitte lieferten die vorgestellten Pläne Diskussionsstoff.

Scharfe Kritik

Der Cottbuser Architekt Peter Kittel ist der schärfste Kritiker der geplanten Neubebauung. In einem Brief, den er unter anderem an die Stadtverwaltung und den Investor schickte, bezeichnet er die Entwürfe als "Müll". Mit deutlichen Worten attackiert er auch die zuständigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die in seinen Augen zu wenig tun, um sicherzustellen, dass in der Cottbuser Altstadt nur Architektur entsteht, die in ihrer Qualität dem historischen Bestand gerecht wird. "Ich habe meinen Ton absichtlich so scharf gewählt, um den Grad meiner Empörung deutlich zu machen", erklärt Kittel gegenüber der RUNDSCHAU.

Die Cottbuser Stadtverwaltung hält ihre Stellungnahme zu dem Thema knapp: Baudezernentin Marietta Tzschoppe verweist auf den Bebauungsplan, der im Jahr 2008 für den Standort Sandower Straße/Magazinstraße beschlossen wurde. In die Festlegungen des B-Plans seien auch die Empfehlungen eines Expertengremiums eingeflossen, dem unter anderem Vertreter des Denkmalamts, des Denkmalbeirats, des Bürgervereins Stadtmitte, der Hochschulen, des Sanierungsträgers und der Cottbuser Stadtverwaltung angehört haben. "Der Entwurf zu diesem B-Plan lag öffentlich aus. Lediglich eine kritische Zuschrift ist damals in der Verwaltung eingegangen", erinnert sich die Dezernentin. Nachdem sich zu wenige Interessenten für ein Bauherrenmodell zur Bebauung der Brache am Schlossberg gefunden hatten, habe 2010 ein privater Projektentwickler den Zuschlag bekommen. Wenn sich ein Bauherr an die Vorgaben des B-Plans halte, habe die Verwaltung keinen Grund, sein Vorhaben abzulehnen, so Marietta Tzschoppe. Noch ist in der Verwaltung aber kein Bauantrag für die in der Kritik stehende Planung eingegangen.

Steffen Raum von der Firma Isahr-Immobilien, die die Neubebauung vermarktet, betont, dass sich die Planer an die Vorgaben des B-Plans gehalten haben. Auch bei ihm sei ein Brief eingegangen, dessen Absender sich sehr kritisch zu dem im April vorgestellten Bauvorhaben äußert. "Wir haben nicht reagiert. Wir wollen keine Stellungnahme dazu abgeben", sagt Steffen Raum. Er verweist auf das Genehmigungsverfahren, bei dem geprüft werde, ob die vorgesehene Neubebauung B-Plan-konform sei. Wann der Bauantrag gestellt wird, könne er noch nicht absehen. "Es laufen bereits Gespräche mit Interessenten", sagt Raum. Zunächst war von einem Baustart in diesem Sommer die Rede.

Gottfried Lindner, der Vorsitzende des Bürgervereins Stadtmitte, hofft, dass in Sachen Neubebauung der Schlossberg-Brache noch nicht das letzte Wort gesprochen ist: "Bei dem Standort am Rande der historischen Cottbuser Altstadt handelt es sich um ein sensibles Gebiet. Wir sind sehr daran interessiert, dass die Brache neu bebaut wird. Aber es darf nicht auf Teufel komm raus im Schnellverfahren eine Bebauung aus dem Boden gestampft werden. Wir als Bürgerverein wünschen uns, dass die aktuellen Pläne öffentlich vorgestellt und diskutiert und dass wir in das Projekt involviert werden."

Auch der Denkmalbeirat der Stadt, der nach der Veröffentlichung der aktuellen Bebauungsentwürfe zu einer Sondersitzung zusammenkam, setzt auf Kommunikation. "Wir bieten an, mit dem Investor und den Planern ins Gespräch zu kommen, um zu einer Lösung zu kommen, die dem Standort gerecht wird", sagt der Beiratsvorsitzende Ulrich Sasse. "Der B-Plan lässt Spielraum und schließt die aktuellen Pläne nicht aus. Innerhalb des B-Plans kann Gutes aber auch sehr Schlechtes entstehen", so Sasse.

Gefragt ist Qualität

Dietmar Kraußer, der für Cottbus zuständige Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege, erklärt, wie die heutige Brache früher aussah: "Die ursprüngliche Bebauung war ein- bis zweigeschossig und mit drei- bis viergeschossigen Bauten des späten 19. Jahrhunderts durchsetzt." Um eine Kopie der vormaligen Fassaden könne es nach seiner Auffassung nicht gehen. "Ich finde diese Vielfalt sehr spannend, es wird sie aber wohl niemand nachbauen wollen und können. Also bauen wir nicht nach, sondern Neues", sagt Kraußer. Sowohl eine historisierende, als auch eine moderne Neubebauung sind für ihn vorstellbar: "Beides ist aus denkmalpflegerischer Sicht möglich, wenn die städtebauliche Struktur repariert wird, Baufluchten, Kleinteiligkeit und Höhen sich einpassen. Wenn gleichzeitig der städtische Organismus durch neue bauliche Qualität bereichert wird, wäre das wunderbar. Letztlich kommt es darauf an, dass Architekturqualität im historischen Kontext entsteht. Dies kann denkmalpflegerisch jedoch nicht beauflagt werden", sagt Dietmar Kraußer.

Zum Thema:
Im B-Plan für die Sandower Straße/Magazinstraße sind Planungsziele formuliert. Dort heißt es zum Beispiel: "Ein Planungsziel ist es, im Rahmen der Entwicklung des Standortes aufgrund der städtebaulich hochwertigen Situation eine möglichst hohe bauliche Qualität bei der Umsetzung zu sichern, die der ehemals vorhandenen Bebauung im Plangebiet entspricht. (…) Die Wiederbebauung sollte in einer zeitgemäßen Architektursprache im respektierenden Kontext zur bauhistorischen Umgebung geplant werden. (…) Die städtebauliche Einfügung des Vorhabens sollte sowohl aus Richtung des ehemaligen Sandower Tors, aus des Richtung Oberkirchplatzes sowie vom Schlossberg gewährleistet sein."