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| 15:31 Uhr

Aus dem Ludwig-Leichhardt-Arbeitskreis
Was verbindet Leichhardt mit dem Manchester des Ostens?

Elke Roick, Vorsitzende des Leichhardt-Arbeitskreises Cottbus (l.), und Ingrid Klauka betrachten das Forster Musterbuch von 1885/86.
Elke Roick, Vorsitzende des Leichhardt-Arbeitskreises Cottbus (l.), und Ingrid Klauka betrachten das Forster Musterbuch von 1885/86. FOTO: LR / Elsner
Cottbus. Beschäftigung mit dem Australienforscher aus der Lausitz wirft immer neue Fragen auf.

Die Beschäftigung mit dem in Trebatsch geborenen und im australischen Outback verschollenen großen Entdecker Ludwig Leichhardt fördert immer wieder Erstaunliches aus Geologie, Botanik und Zoologie zutage. Allerdings beschränken sich die Themen des rührigen Cottbuser Leichhardt-Arbeitskreises nicht auf diese Themen. So widmete sich die jüngste öffentliche Versammlung der Leichhardt-Freunde frühen Zeugnissen der industriellen Textilproduktion sowie den Handelsbeziehungen hiesiger Fabrikanten mit dem Fünften Kontinent.

Kristian Schmidt vom Museumsverein Forst hatte das erstaunlich gut erhaltene Musterbuch von Benjamin John mitgebracht, das in den Jahren 1885/1886 in der Muster-, Web- und Fabrikantenschule Forst angefertigt wurde. Ein vergleichbares Musterbuch gebe es in Cottbus nicht, sagte Dagmar Pfeifer. Die Mitarbeiterin des Cottbuser Stadtmuseums steuerte Tuchmusterproben aus dem Jahr 1807 bei. Zwischen beiden Objekten liegt ein entscheidender Umbruch in der Fertigung. Die industrielle Revolution veränderte auch die Niederlausitz. „Forst galt als Manchester des Ostens“, erläuterte Kristian Schmidt. Die Stadt habe sich zu einer der führenden Tuchstädte entwickelt, allerdings ohne Manchester von seiner Position zu verdrängen.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts trieben Tuchfabrikanten der Niederlausitz Handel mit Übersee. So ist dank Ludwig Leichhardt eine Tuchsendung des von C. Weber an den Tuchhändler Thomas Holt im Jahr 1847 nach Sydney verbürgt. Weber hatte dem Maler Friedrich August Schmalfuß angeboten, den freien Raum in einer Warenkiste mit einer Gabe an seinen Schwager Ludwig Leichhardt zu füllen. So wurde eine Mappe an den Lausitzer auf den Weg gebracht, die neben einem siebenseitigen Brief von Schmalfuß an Leichhardt mehrere Druckschriften zu aktuellen Themen enthielt.

Dass sowohl Weber als auch Holt sich so für Leichhardt engagiert haben, sieht Vereinsmitglied Werner Pfeil als ein Indiz dafür, dass der Forscher schon damals sowohl in Deutschland als auch in Australien ziemlich bekannt war. Noch bleiben für die Leichhardt-Freunde allerdings Fragen zur Person C. Weber offen. „Nach Recherchen von Dora Liersch“, so Werner Pfeil, „wurde 1829 von J. F. Weber eine damals bedeutende Tuchfabrik am Priorfließ noch mit Wasserkraft angelegt.“ Im Zusammenhang mit der Priorfabrik in Sachsendorf werden neben Johann Friedrich Weber (1829) Ernst und Gottlieb Weber (1849) genannt. Ein C. Weber allerdings nicht.

Hintergründiges und Kurioses versprechen die kürzlich als Taschenbuch und als E-Book erschienenen „Australien-Geschichten“ von Klaus Kilian. Der Australienkenner, der im Alten Land vor den Toren Hamburgs zu Hause ist, war schon mehrmals gern gesehener Gast in Cottbus.

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