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| 19:25 Uhr

LR vor Ort
Cottbuser warten sehnsüchtig auf Ostsee

 Im Januar lief sieben Tage lang Wasser in den Ostsee. Die Erprobung des Einlaufs zog Hunderte Besucher an.
Im Januar lief sieben Tage lang Wasser in den Ostsee. Die Erprobung des Einlaufs zog Hunderte Besucher an. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus. Der Ostsee wird von den Cottbusern herbeigesehnt, obwohl die Flutung noch auf sich warten lässt. LR vor Ort macht Ungeduld deutlich. Besucher erfahren von zwölf Meter hoher Flutwelle und Riviera-Träumen. Von Peggy Kompalla

Die Ungeduld wächst bei den Cottbusern, dabei hat noch nicht einmal die Flutung des Ostsees begonnen. Das ist am Donnerstagabend bei LR vor Ort deutlich geworden. Die Planer bremsten den Enthusiasmus. Nach ihrer Zeitrechnung dauert es noch mindestens 15 bis 25 Jahre, bis die Träume Wirklichkeit sind. Der Förderverein Cottbuser Ostsee will nicht so lange warten. Er holt den See in die Stadt.

 Tilo Biesecke aus Branitz hat seinen Segelschein gemacht. Er will als Bürger beim ÖPNV-Konzept und Stadthafen mitreden.
Tilo Biesecke aus Branitz hat seinen Segelschein gemacht. Er will als Bürger beim ÖPNV-Konzept und Stadthafen mitreden. FOTO: Michael Helbig

Die Neuigkeit brachte Vereinschef Denis Kettlitz in die Diskussionsrunde im Familienhaus mit. Vor den gut 70 Zuhörern betonte er: „Wir wollen die Zwischenzeit nutzen.“ Deshalb wird vom 4. bis 25. März in der Spree Galerie ein Ostsee-Fenster geöffnet, das Informationen und Raum für Meinungen bieten soll. Immer montags ist um 19 Uhr der Ostsee-Talk geplant.

 Denis Kettlitz
Denis Kettlitz FOTO: Michael Helbig

Die Neugier und Begeisterung der Cottbuser müsse geschürt werden. Deshalb plädiert Denis Kettlitz auch dafür, den noch nicht vollständigen Radweg um den See schon jetzt ordentlich auszuschildern. „Der Weg macht in Merzdorf einen Bogen, und dann weiß der Radfahrer nicht, wie es weitergeht“, monierte er. Das ist Wasser auf die Mühlen des Willmersdorfers Hubert Mader. „Der Radweg ist entscheidend“, betonte er und wurde sogar laut, als er eine Zusage zur Fertigstellung des Rundweges verlangte. Ostseemanager Stefan Korb konnte aufklären: „Der Rundweg wird 2021 geschlossen.“ Anders verhalte es sich beim erweiterten Weg, der direkt am Wasser entlangführen und an das überregionale Radwegenetz angebunden werden soll. „Das dauert noch bis zum Ende der Flutung plus fünf Jahre.“ Der Ostseemanager betonte: „Es läuft eine Vielzahl von Planungen, und die brauchen Zeit.“ Dabei denkt er an das neue Stadtquartier, das zwischen Sandow und Ostsee entstehen soll. Auch mit dem Bau des Hafens könne erst nach dem Ende der Flutung begonnen werden. Ingolf Arnold, Chefgeologe bei der Leag, ergänzte: „Um den See nutzen zu können, muss die allgemeine Schiffbarkeit hergestellt werden.“ Das ist eine Art Abnahme und Freigabe des Gewässers durch die Behörden.

 Birgit Schroeckh
Birgit Schroeckh FOTO: Michael Helbig

Wie lange die Flutung selbst dauert, sei nicht genau vorauszusagen – zwischen viereinhalb und sechseinhalb Jahren. „Aber ich wage zu prophezeien, dass 2024 die große Fläche überstaut ist“, sagte der Geologe. Anders als am Senftenberger See werde es am Ostsee keine Rutschungen geben. Das versicherte Birgit Schroeckh von der Leag. Um das zu verhindern, wurden sämtliche Uferbereiche so verdichtet, dass sie sich nicht mehr bewegen. „Die Badewanne ist bereitet“, verkündete sie. „Alle Arbeiten sind in der geplanten Zeit erledigt worden.“

 Ingolf Arnold
Ingolf Arnold FOTO: Michael Helbig

Rutschungen hat es trotzdem gegeben. Die haben die Fachleute allerdings erwartet. Ingolf Arnold berichtete von Setzungsfließen am Randschlauch. Durch das ansteigende Wasser saugt sich der Boden voll und setzt sich in Bewegung. Das habe sogar die Kamera am Einlauf bei Lakoma aufgenommen. „Am 18. Februar sind innerhalb von zwei Sekunden 150 000 Kubikmeter ins Wasser gedonnert und haben eine Flutwelle von zwölf Metern ausgelöst“, berichtete er.

 Stefan Korb
Stefan Korb FOTO: Michael Helbig

Die größten Veränderungen dürften auf die Merzdorfer zukommen. „Genaue Prognosen sind schwer, aber die Einwohnerzahl wird sich mindestens verdoppeln“, schätzte Ostseemanager Korb. Das bereitet manchem Bewohner Unbehagen, aber es verbindet sich auch manche Hoffnung. Ein Merzdorfer sinnierte: „Dann werden wir vielleicht auch besser mit dem ÖPNV angeschlossen. Busmäßig ist derzeit 20 Uhr Ruhe.“ Ein Anknüpfungspunkt für Fördervereinschef Kettlitz: „Wir haben doch schon die Pücklerlinie. Warum nicht künftig eine Ostseelinie schaffen?“ Diese solle Cottbus und den wachsenden See verbinden, bis irgendwann vielleicht auch eine Straßenbahn in den Stadthafen fährt. Für ihn ist klar: „Wir müssen ganz groß denken. Die Großstadt muss man am Hafen spüren.“ Und die ungeliebte Bundesstraße am See könne zu einer Seestraße wie an der Rivieria werden.