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| 13:35 Uhr

LR vor Ort in Peitz
„Die sind alle weg“

Elvira Hölzner, Jörg Krakow, Daniel Schauff und Marion Melcher (v.l.) im Gespräch mit rund 80 LR vor Ort-Gästen in Peitz.
Elvira Hölzner, Jörg Krakow, Daniel Schauff und Marion Melcher (v.l.) im Gespräch mit rund 80 LR vor Ort-Gästen in Peitz. FOTO: Bettina Friedenberg / LR
Peitz. Rund 80 Gäste diskutierten mit der LR über die Herausforderungen für die Fischerstadt Peitz.

Es dauert nicht lange, da hat Bürgermeister Jörg Krakow (SPD) Licht und Schatten in seiner Stadt umrissen – das vergangene gute Vierteljahrhundert nach der Wende war hart für die Fischerstadt. „Inzwischen ist von der Wirtschaft nicht mehr viel übrig geblieben“, sagt er. Biella-Falken, der Edelfisch und das Kraftwerk seien die einzigen großen, die noch da seien. „Noch, noch“, raunt es aus dem Publikum. Gleichzeitig kämen ehemalige Peitzer wieder zurück in die Heimat, ein Trend, der in Stadt und im ganzen Amt zu spüren sei, bestätigt Amtsdirektorin Elvira Hölzner (parteilos). Das müsse so bleiben, betont Krakow, und dafür müssten Stadt und Amt in die Hände spucken. Nach dem Kita-Brand im Frühjahr und der Steuerrückzahlung nach dem Vattenfall-Rückzug – immerhin 1,7 Millionen Euro – kein leichtes Vorhaben. Das Geld fehlt an allen Ecken.

Rund 80 Gäste hatten am Donnerstagabend den Weg in Schwellas Partyräume am Fischerfestgelände gefunden, um beim Gesprächsforum „LR vor Ort“ über die Zukunft der Fischer- und Festungsstadt zu diskutieren. Die, das machten sowohl der Bürgermeister als auch die Amtsdirektorin und die Jugendkoordinatorin des Amtes, Marion Melcher, deutlich, ist ungewiss. Nachwuchssorgen gibt es schon jetzt in der Stadt – das betreffe derzeit vor allem die Vereine, so Krakow. In allen 33, die es allein in der Stadt Peitz gebe, ringe man um die Jugend. Für die fehlt nach wie vor ein Jugend­treff. Pläne gibt es. „Ein bis zwei neue Jugendzimmer sollen bald in der Oberschule eröffnen“, kündigt die Jugendkoordinatorin an.  

Der fehlende Treffpunkt für junge Peitzer führe auch dazu, dass viele von ihnen nicht wüssten, was sie mit ihrer Freizeit anfangen sollen. Die Folge: Grafittischmierereien im ganzen Stadtgebiet. Auch würden leerstehende Gebäude immer wieder Ziel von Vandalismus. „Die Tip-Kaufhalle wird im Frühjahr 2018 zwangsabgerissen“, kündigt Krakow an. „Dann ist einer der Gefährdungspunkte weg.“ Doch es gibt weitere: die alte Molkerei, das alte Kino, das Merkur-Areal.

Für Letzteres gibt’s Pläne. Wie viel Einfluss die Stadt darauf habe, was auf dem Areal passiere, wollte ein Gast wissen. Krakow: „Ausstattung und Gewerbetreibende sind Sache des Investors.“ Beim Bebauungsplan aber spreche die Stadt mit.

Welche Vorstellungen es im Amt überhaupt gebe, neues Gewerbe anzusiedeln, fragte ein Gast. „Kennen Sie unser Gewerbegebiet?“, konterte Krakow und verwies auf die geringe Anzahl von Unternehmen. „Der Gewerbetreibende muss auch nach Peitz kommen wollen.“

Sowohl für die Amtsdirektorin als auch für den Bürgermeister steht fest: Viele Entwicklungen in Peitz – vom Gewerbe bis zur Jugend – hänge an der Kohle. Ist sie fort, fallen Stadt und Amt in ein Loch. „Sollte in Berlin der schnelle Ausstieg aus der Braunkohle beschlossen werden, dann müssen dort 50 000 Demonstranten aus der Lausitz stehen und nicht nur 15 000 wie beim letzten Mal“, appellierte ein Gast aus dem Publikum. Dafür gab’s Applaus. „Wir sind nicht gegen Umweltschutz“, stellte Krakow klar. Der Kohleausstieg aber müsse sozialverträglich sein. Energie-innovativ will Peitz gleichzeitig auch sein. Derzeit liefen Gespräche mit einem Privatinvestor zu einer Elektroauto-Ladestation im Amtsgebiet, sagte die Amtdirektorin. Schon im kommenden Jahr könnte die Montage erfolgen. Aktuell würden mögliche Standorte geprüft.

Auch der Breitbandausbau soll voranschreiten – mit Fördermitteln könne der Ausbau 2019 und 2020 erfolgen, sagte die Amtsdirektorin. Das, so ein junger Informatikstudent im Publikum, sei ausschlaggebend dafür, ob er auch in Zukunft in Peitz bleibe oder doch nach Düsseldorf gehe. „In Peitz gibt es neben mir keinen in meinem Alter. Die sind alle weg“, betonte er.

LR vor Ort - Logo 4c
LR vor Ort - Logo 4c FOTO: LR