Von René Wappler

Drei Sätze, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben:

Im schlimmsten Fall verwandelt sich der Cottbuser Ostsee in eine braungrüne Erbsensuppe.

Die Brache am Blechen Carré ist das Ergebnis der ersten Protestwahl in der Stadt.

Der Umzug eines Landesministeriums nach Cottbus würde sich schon deshalb lohnen, weil die Fachleute aus Potsdam dann täglich erleben, wie kompliziert eine Fahrt nach Cottbus und zurück ist.

Das sind drei Aussagen von Kandidaten für die Cottbuser Kommunalwahl, die am Dienstagabend an der Diskussion im Medienhaus der RUNDSCHAU teilnahmen. Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer begrüßte sie: „Auf dem Podium sitzen nur Männer, was jedoch keine Aussage darüber erlaubt, wie es sonst läuft in der Politik.“

Sorge vor dem Rattenschwanz

Nicht jeder der Kandidaten hält die Ansiedlung eines Landesministeriums in Cottbus für eine gute Idee. Frank Mittag (Unser Cottbus) sagte: „Wir sollten in Cottbus lieber unser Ding machen und nicht nach Potsdam schielen.“ Sonst komme am Ende noch „ein Rattenschwanz hinterher“, und „das Geschacher“ gehe wieder los.

Matthias Loehr (Die Linke) merkte an, er habe für ein Signal aus Potsdam geworben, das sich auf ein Ministerium in Cottbus bezieht. „Unglücklich finde ich nur den Zeitpunkt der Diskussion darum, jetzt kurz vor der Wahl.“

Heiko Selka (Aktive Unabhängige Bürger) sprach von einem solchen Ministerium als „Chance dafür, dass die Potsdamer merken, wie schwierig es ist, nach Cottbus zu kommen“. Die Stadt brauche unbedingt ein besseres Verkehrsnetz.

Beschlüsse vor Gericht

Die Gäste im Publikum stellten Zwischenfragen. Ein Besucher wollte erfahren: „Wie können Beschlüsse der Stadtverordneten so vorbereitet werden, dass sie auch funktionieren?“

Felix Sicker (FDP) sieht nach eigener Aussage „auch ein Defizit zwischen dem, was erst gesagt wird, und dem, was dann folgt“. Als Beispiele betrachtet er die Beiträge der Altanschließer und für Kindertagesstätten. Es sei nicht akzeptabel, „dass Betroffene erst den Rechtsweg beschreiten müssen“.

Der AfD-Kandidat Georg Simonek sagte: „Ich habe inzwischen das Gefühl, dass man im Rechtsamt bei einer vermeintlich sicheren Sache lieber noch mal nachfragen sollte.“ Denn an den Beiträgen der Altanschließer zeige sich, dass sie so sicher gar nicht seien.

Gunnar Kurth (SPD) ermunterte das Publikum, „alle Möglichkeiten zu nutzen“. Dazu gehöre auch der Rechtsweg, mit dem sich strittige Beschlüsse klären ließen. „Ich finde es gut, dass es dieses Mittel gibt“, sagte er.

Wolfgang Bialas (CDU) gab zu bedenken: „Wir Abgeordnete haben natürlich laut Kommunalverfassung auch eine Kontrollfunktion.“ Allerdings sei das Fachwissen vieler Kommunalpolitiker „bis auf ein paar Spezialisten eher durchschnittlich“.

Problem der Brachfläche

Viele Einwohner von Cottbus bezweifeln dieses Fachwissen auch aufgrund der Brachfläche am Blechen Carré, wo sich immer noch nicht der Beginn eines neuen Bauabschnitts abzeichnet. Hans-Joachim Weißflog (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerte allerdings daran, dass dieses Problem aus der einstigen Wahl der parteilosen Karin Rätzel zur Oberbürgermeisterin resultiert. „Die Brache am Blechen Carré ist das Ergebnis der ersten Cottbuser Protestwahl“, sagte er. „Das Unternehmen ECE hatte damals konkrete Pläne, die von Karin Rätzel eindeutig verhindert wurden.“ Das sei im Auftrag ihrer Wähler passiert.

Nun bietet sich nach Ansicht der Kandidaten jedoch die Chance, mit dem Ostsee ein erfolgreiches Projekt anzuschieben. Zwar fürchtet Frank Mittag von Unser Cottbus, das Gewässer werde sich wegen seiner geringen Tiefe im Sommer in „eine braungrüne Erbsensuppe“ verwandeln. Trotzdem plädiert er für ein Festivalzentrum am See, das auch junge Leute begeistern könne.