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Lore Koal - Ein Leben für die Cottbuser Kunst

Lore Koal. Das Foto entstand im Jahr 1958.
Lore Koal. Das Foto entstand im Jahr 1958. FOTO: Archiv
Cottbus. An diesem Freitag wäre Lore Koal 100 Jahre alt geworden. Die Entwicklung der Sammlung Carl Blechen in Branitz ist eng mit ihrer Person verbunden. Für die RUNDSCHAU erinnert Beate Schneider von der Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz an Lore Koal.

Lore Koal wurde am 24. April 1915 in Cottbus geboren. Ihr Vater, Dr. Curt Möbius, war zwischen 1934 und 1945 Stadtkämmerer und Bürgermeister. Ihre Mutter Charlotte, war eine geborene Friedland, die Familie des "Cottbuser Korns". Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte sie in Dresden und München bildende und angewandte Kunst und arbeitete bis 1954 als freischaffende Grafikerin in ihrer Heimatstadt sowie als Porzellanmalerin in der Firma Stein.

Im Juni 1954 bot sich für Lore Koal die Möglichkeit, im damaligen Städtischen Museum in Branitz als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Kunst- und Volkskundesammlung zu arbeiten. Um dieser anspruchsvollen Tätigkeit auch gerecht zu werden, nahm sie das Fernstudium der Museologie in Weißenfels auf. Zu ihren Aufgaben gehörten neben den wissenschaftlichen Forschungen, Inventarisierung und konservatorischen Betreuung der musealen Objekte, die Organisation von Ausstellungen, Betreuung von Leihgaben sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Aus dieser vielseitigen beruflichen Tätigkeit entwickelte Lore Koal auch intensive Kontakte zu Künstlerverbänden, zum Kulturbund und anderen Museen.

Nach dem Weggang des damaligen Museumsleiters, Gustav Herrmann, übernahm sie von 1956 bis 1959 die Leitung in Branitz und wurde 1960 stellvertretende Direktorin. In diesem Jahr fand auch die erste Sonderausstellung zu Carl Blechen nach 1945 statt. Anlass war der 120. Todestag des Malers. Bereits seit 1955 war die Cottbuser Sammlung Carl Blechen fester Bestandteil der Ausstellung im Städtischen Museum und erhielt somit endlich eine Heimstadt seit ihrer Begründung 1913. Auf der Sonderausstellung 1960, die vorwiegend unter der Federführung von Lore Koal stand, waren insgesamt 122 Werke Blechens zusehen, unter anderem Leihgaben aus der Nationalgalerie Berlin, der Akademie der Künste und aus Potsdam. Außerdem wurde in den Salons die "Blechen Gedenkstätte" eingerichtet, "als Höhepunkt und endgültige Festlegung einer Bildersammlung", wie der kleine Ausstellungskatalog Auskunft gibt.

Bereits drei Jahre später organisierte Lore Koal die bisher größte Carl-Blechen-Ausstellung in Branitz mit 280 Leihgaben des Künstlers. Es erschien auch ein Katalog als Heft 1 der "Veröffentlichungen des Museums Cottbus", mit Beiträgen von Herbert Scurla und Vera Ruthenberg. Ein weiterer Höhepunkt ihrer Museumsarbeit dürfte der Ankauf des Blechen Gemäldes "Vorfrühling Villa Borghese März 1829" 1967 aus dem Erfurter Kunsthandel gewesen sein. Denn Ankäufe dieser Art waren damals Ausnahmen und äußerst kompliziert. Neben der bildenden Kunst bildete auch die sorbische Kultur eine wichtige Rolle in ihrer Tätigkeit, über die Lore Koal mehrere Aufsätze veröffentlichte, Ausstellungen organisierte und selbst die sorbische Sprache erlernte.

Am 20. Oktober 2002 erfüllte sich das Leben von Lore Koal, einer Künstlerin und Museologin aus Cottbus. Sie hat mit ihrem Engagement wichtige Grundlagen für unsere heutige Museumsarbeit geschaffen.