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| 19:36 Uhr

Preiswucher bei Betäubungsmitteln?
Lokalanästhetika werden knapp

 Ärzte operieren in einem Op-Saal.
Ärzte operieren in einem Op-Saal. FOTO: dpa / Georg Wendt
Cottbus. Bundesweit gibt es geschätzt Tausende unnötige Vollnarkosen. Grund sind fehlende Lokalanästhetika. Auch in Lausitzer Kliniken? Von Lydia Schauff

Mussten auch in Lausitzer Kliniken Eingriffe unter Vollnarkose stattfinden, obwohl eine lokale Betäubung genügt hätte?

Laut Recherchen des ARD-Politmagazins Report Mainz gibt es seit Jahresbeginn massive Lieferengpässe bei lokalen Betäubungsmitteln, im Besonderen von der südafrikanischen Firma Aspen. Dr. Thomas Iber, Chefarzt der Anästhesie am Klinikum Mittelbaden, erklärte gegenüber Report Mainz, dass in der Klinik Mittelbaden eine dreistellige Zahl an Patienten und bundesweit geschätzt einige Tausend Patienten statt einer Teilnarkose eine Vollnarkose erhalten haben.

In der Lausitz Klinik in Forst gibt es keine solchen Fälle, da Lokalanästhetika anderer Firmen eingesetzt werden, informiert Klinik-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Fehlende Lokalanästhetika in Cottbus

In Cottbus sieht das etwas anders aus: „Der Engpass betrifft uns auch. Das Mittel der Firma Aspen ist entweder gar nicht oder nur sehr sporadisch lieferbar“, teilt Pressesprecherin Susann Winter mit. Eingesetzt werde das Mittel etwa bei Linksherzkatheter-Untersuchungen, aber auch bei anderen Eingriffen im OP.

Allerdings: Der Engpass wird für die Patienten der Cottbuser Klinik nicht spürbar sein, denn „es wurde auf andere Mittel umgestellt. Die sind mitunter anders zu handhaben oder haben andere mögliche Nebenwirkungen, aber damit können die Ärzte natürlich umgehen“.

Lübben: Noch keine Eingriffe verschoben

Auch das Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda und das Klinikum Dahme-Spreewald in Lübben, beide werden von derselben Apotheke versorgt, verzeichnen bisher keine Engpässe. „Keine Eingriffe mussten verschoben oder durch Vollnarkosen ersetzt werden“, informiert Lars Markewitz, Kaufmännischer Direktor der Lübbener Klinik. Auch im Naemi-Wilke-Stift in Guben gibt es keine Versorgungsengpässe, wie Verwaltungsdirektor Gottfried Hain mitteilt.

Der Pharmakonzern Aspen wird derzeit von der EU-Kommission unter die Lupe genommen. Grund: Aspen steht im Verdacht, seine Marktposition auszunutzen und unangemessen hohe Preise zu verlangen. 2016 war das für überlebenswichtige Krebsmedikamente der Fall. Aspen hob den Preis um bis zu 1500 Prozent an. Italien verhängte deshalb eine 5,2-Millionen-Euro-Strafe. Eine Berufung läuft.