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Lohnt sich das denn überhaupt?

Das Blechen-Carré ist eins von mehreren Centern, die am Sonntag öffnen. Läden und Gastronomen profitieren vor allem von der Zeit der Kunden.
Das Blechen-Carré ist eins von mehreren Centern, die am Sonntag öffnen. Läden und Gastronomen profitieren vor allem von der Zeit der Kunden. FOTO: mih
Cottbus/Spree-Neiße. Fast die Hälfte aller Kunden setzt wieder auf den Händler vor Ort und lässt beim Einkaufen Maus, Tastatur und Internet links liegen – das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln hervor. Das sind – nach Jahren der Schreckensszenarien für den Einzelhandel vor allem in kleineren Städten – gute Nachrichten für die Läden in der Lausitz. Daniel Schauff

Die allerdings müssen etwas bieten, sagt Gottfried Lindner, Altstadtmanager in Cottbus. Verkaufsoffene Sonntage und Aktionen wie das Mitternachtsshopping gehören dazu.

Für die Kunden, sagt Lindner, sei ein Einkaufsbummel am Sonntag etwas sehr anderes als die schnelle Besorgung nach Feierabend unter der Woche. Wer bummelt, bringt in aller Regel Zeit mit - und Lust, etwas zu erleben. Nicht umsonst setzen Vereine, Händlervertreter und die Einzelhändler selbst in einer Reihe von Kommunen in Spree-Neiße und in Cottbus auf die zusätzlichen Öffnungszeiten und -tage.

In Cottbus etwa haben zahlreiche Läden am Sonntag ihre Türen offen. Anlässlich des Herbstmarktes in der Altstadt kann nicht nur rund um den Altmarkt und die Sprem gebummelt werden, auch außerhalb der Altstadt machen Center und Kaufhäuser mit - der Lausitzpark ebenso wie der Willmersdorfer Möbelriese Höffner. Das macht Sinn, sagt Altstadtmanager Gottfried Lindner. Schließlich kämen zum Herbstmarkt und zum verkaufsoffenen Sonntag nicht nur Cottbuser, sondern auch Spree-Neißler und sogar Besucher aus dem sächsischen Raum. "Man muss sich nur mal die Kennzeichen ansehen", sagt Lindner. Lausitzpark oder Möbelhaus passierten so viele, die sich auf den Heimweg vom Herbstmarkt aus machten.

Für viele Händler und Center sind Sonderöffnungszeiten nicht nur zusätzliche Arbeitsstunden - einige verbinden den Tag mit besonderen Unterhaltungsangeboten. Im Blechen Carré etwa gibt es am Sonntag eine Ompah-Pferdeshow, in der Spree-Galerie eröffnet eine Sandskulpturen-Ausstellung. Im Lausitzpark wird ein Bier- und Erntefest gefeiert, bei Möbel Höffner leitet Comedian Marco Ströhlein ein großes Quiz. Auch in der Region gehören zu besonderen Geschäftsöffnungszeiten besondere Angebote drumherum - ob beim Gubener "Langen Altstadtsamstag", beim Forster "Mitternachtsshopping" oder anlässlich der regelmäßigen Märkte in der Spremberger Innenstadt. So, das weiß auch der Cottbuser Altstadtmanager Lindner, locke man die Kunden. Klar, sagt er, kauften viele noch im Internet, die "Sichtung vor Ort" aber spiele eine immer größere Rolle, laut Zahlen des Bundesverbandes E-Commerce kaufen zum Beispiel knapp 60 Prozent Mode lieber im Laden, bei Möbeln und Deko-Artikeln sind es sogar über 70 Prozent.

Nahe der polnischen Grenze kommt allerdings eine weitere Konkurrenz hinzu - in Polen haben die meisten Läden sonntags auf, in Kürze wird es mit dem gerade entstehenden "Galeria Hosso" in Gubin - gerade einmal eine Dreiviertelstunde entfernt von Cottbus, noch näher an Forst und der Gubener Region - einen nahen Konkurrenten geben, der sonntags Kunden aus Deutschland locken könnte. Schon jetzt fahren einige Lausitzer bis nach Zielona Góra, um dort sonntags einzukaufen.

Zumindest einem kleinen Teil dieser Konkurrenz können verkaufsoffene Sonntage entgegenwirken. Zudem geschehen die meisten Internetkäufe sonntags und montags - zumindest am sonst freien Sonntag können geöffnete Läden einen Teil der Online-Kunden zum Einkaufen vor Ort animieren.

Gastronomen, die ohnehin sonntags ihre Restaurants offenhalten, können profitieren, sei es mit Imbiss-Angeboten für den Stadtbummler, sei es von denjenigen, die sich nach dem Shoppen noch einen Abschluss im Restaurant gönnen.

"Ich kann nur hoffen, dass möglichst viele Läden am Sonntag mitmachen", sagt Gottfried Lindner. Die Erfahrung des Altstadtmanagers sei, dass es sich für die meisten Geschäfte lohne. Selbst Händler, die zunächst skeptisch seien, berichteten später von Erfolgen.

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Am kommenden Samstag lesen Sie, wie Händler ihre Läden barrierefrei für ihre Kunden gestalten. Wie generationenfreundlich sind die Geschäfte?