Eine genaue Jahresangabe zur Erbauungszeit dieses Hauses mit dem Krüppelwalmdach zur Ostaue und der Traufseite zur Hauptstraße ist nicht bekannt. Diese Bauart war zum Anfang des 19. Jahrhunderts typisch. In Cottbus erinnert noch in bescheidenerem Maße das "Hotel zur Sonne" in der Taubenstraße 7/8 daran. Als dieses Haus in Sandow errichtet wurde, stand es bereits an der Hauptstraße und östlich der alten Dorfaue. Für Sandow gab es zunächst keine Straßenbezeichnungen, sondern nur eine fortlaufende Nummerierung. Sandow Dorf Nummer 38 war die alte Bezeichnung. Erst nach der Eingemeindung von Sandow nach Cottbus zum Anfang des 20. Jahrhunderts erhielten die vorhandenen Straßen des Dorfes ihre Namen.

Die alteingesessene Familie Löcher, sie waren Landwirte oder auch Mühlenbesitzer, besaß in Sandow verschiedenste Grundstücke. Der 1851 geborene Wilhelm Löcher, Landwirt, Gastwirt, zuletzt Hausbesitzer war Eigentümer der Grundstücke Sandower Hauptstraße 26, 27 und 28, sowie der Ostaue 1. Das markante Eckhaus trug die Nummer 28, das auch nach dem Gastwirt - "Wilhelm Löcher's Gasthof" benannt wurde. Diese Bezeichnung war den Sandowem noch bis in die 1960er Jahre geläufig, obwohl es da schon lange kein Gasthaus mehr war. Zu dem Gasthaus gehörte eine Zimmervermietung und ein schöner großer Veranstaltungssaal, den man noch als Anbau zur Ostaue hin auf dieser Karte sieht.

Wann Wilhelm Löcher das Gasthaus eröffnete, oder auch übernahm, konnte noch nicht festgestellt werden. Es müsste eines der frühesten Gasthäuser gewesen sein. Wilhelm Löcher verstarb 1917, die Grundstücke blieben im Besitz seiner Witwe, bzw, seiner Nachfahren. Die gut florierende Gaststätte hatte Otto Rasch übernommen und führte sie die folgenden Jahrzehnte erfolgreich weiter. Wenn auch sein Name mit an der Gasthauswerbung stand, der Sandower ging weiter zu Löchers.

Ganz rechts auf der Ansichtskarte ist noch ein Stück der gegenüberliegenden Eckbebauung zu sehen, die Sandower Hauptstraße 28 a. Das war die Wilhelmsmühle, deren Eigentümer Carl Hübner war, dem auch die Mühle in der Uferstraße gehörte. Eigentlich war es die Sandower Mühle, aber durch die Besitzverhältnisse waren die Mühlen zu einer GmbH, zusammengelegt worden.

Und das wäre eine neue Geschichte. Die Gebäude hatten das Ende des 2. Weltkrieges überlebt und wurden erst mit der Neubebauung von Sandow und besonders wegen der Anlage der neuen breiten Straße, damals Heinrich-Rau-Straße, heute Willy-Brandt-Straße in den 1970er Jahren abgerissen.

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