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| 18:41 Uhr

Ladungsdiebe schlagen immer häufiger zu
Lkw-Fahrer in Sorge vor den Planenschlitzern

 Im Crossmedia-Special zum Thema Planenschlitzer werden die Hintergründe zu den Ladungsdiebstählen genauer beleuchtet.
Im Crossmedia-Special zum Thema Planenschlitzer werden die Hintergründe zu den Ladungsdiebstählen genauer beleuchtet. FOTO: LR / Julian Münz
Cottbus. Planenschlitzer, die nachts Lkw auf Autobahnraststätten ausrauben, sind zu einer Landplage geworden. Lkw-Fahrer machen sich zu Recht Sorgen. Von Bodo Baumert und Julian Münz

„Ich fahre seit 40 Jahren. So extrem wie heute war es noch nie“, sagt Steffen Kreyß, Lkw-Fahrer bei der Cottbuser Spedition Poredda. Dreimal hat er in diesem Jahr schon Besuch der sogenannten „Planenschlitzer“ gehabt.

Die Diebesbanden kommen nachts, schleichen sich an parkende Lkw heran und verschaffen sich mit einem schnellen Schnitt in die Plane einen Überblick der Ware. Gefällt ihnen, was sie sehen, kommt das Abräumkommando. Ein Transporter wird am Lkw geparkt und möglichst rasch möglichst viel Ladung abgestaubt. Noch ehe der Fahrer oder Zeugen etwas bemerken, ist die Bande schon wieder über alle Berge.

„Hier hat fast jeder Lkw so einen Schlitz“, berichtet Steffen Kreyß im RUNDSCHAU-Interview, während er seinen Lkw auf einem Rastplatz für die Nacht abstellt. „Irgendwo muss man ja seine Ruhezeiten einhalten.“

LKA warnt: Lkw-Fahrer sind gefährdet

„LKW-Fahrer sind bei Frachtdiebstählen besonders gefährdet. Bei jedem fünften Vorfall werden Fahrer tätlich angegriffen“, warnt das Landeskriminalamt Niedersachsen. Die dortigen Experten haben Tipps für Fahrer und Speditionen zusammengestellt, wie sie sich gegen die Planenschlitzer schützen können. Denn: „Nicht selten müssen sie um Leib oder Leben bangen.“

A13 ist ein Problembereich

Auch in Brandenburg ist das Phänomen der Planenschlitzer nur allzu bekannt. 911 Fälle zählte die Polizeikriminalstatistik des Landes im vergangenen Jahr. Damit hat sich die Anzahl seit 2013 um mehr als das Achtfache erhöht. Vor allem die A13 stellt laut Polizei einen Schwerpunkt in Brandenburg dar.

Diebe klauen alles, was sich verschwerbeln lässt

Worauf haben es die Banden abgesehen? „Geklaut wird eigentlich alles, was sich gut weiterverkaufen lässt. So sind schon ganze Lkw-Ladungen mit Fahrrädern entwendet worden, Kfz-Ersatzteile, Reifen oder aber Heimelektronik und Haushaltsgeräte“, sagt Tom Bernhardt vom Landeskriminalamt (LKA) in Sachsen.

Um den professionellen Banden das Handwerk zu legen, haben sich Ermittler aus mehreren EU-Staaten 2018 zusammengeschlossen. Die Gruppe „Cargo“ hat ihren Sitz in Magdeburg. „Nach unserer Erkenntnis handelt es sich bundesweit immer um dieselben Gruppen. 90 Prozent der Täter bei uns kommen aus Polen“, sagt Guido Sünnemann, Abteilungsleiter im LKA in Magdeburg und Leiter des Projekts. Brandenburg kümmert sich im Verbund der Ermittler um die Zusammenarbeit mit Polen, Niedersachsen um die Prävention.

Unsichere Parkplätze meiden

Welche Tipps können die Polizisten den Fahrern geben? „Fahren Sie sichere Parkplätze an“, lautet einer dieser Ratschläge – leichter gesagt als getan. Schließlich fehlen genau solche Plätze entlang der vielbefahrenen Lausitzer Autobahnen. „Gut wäre es, wenn Autobahnparkplätze besser beleuchtet würden“, sagt auch Spediteur Eckert.

Kleine Verhaltens-Tipps können aber schon helfen. So sollten Fahrer nicht mit Fremden oder per Funk über Route, Ziel oder Ladung sprechen. „Vermeintlich belanglose Gespräche können für die ‚Gegenseite’ wertvolle Informationen sein“, mahnt das LKA Niedersachsen. Sicherheitssysteme sollten auch bei kleinen Stopps eingeschaltet sein, der Lkw möglichst nicht aus dem Auge gelassen werden und Notrufnummern stets griffbereit eingespeichert sein.

Vorsicht vor Fallen!

Speziell gewarnt werden Lkw-Fahrer auch vor unvorhergesehenen Abweichungen von Fahrtroute oder Lieferadresse. „Häufig werden Fahrer kurz vor der Ablieferungsadresse abgefangen. Ihnen wird erzählt, dass eine Annahme an der vorgeschriebenen Adresse gerade nicht möglich ist. Anschließend wird der LKW an einen anderen Ort gelotst, an dem sie den Kriminellen schutzlos ausgeliefert sind“, berichten Ermittler.

Auch überholende Fahrzeuge, aus denen gestenreich auf eine vermeintliche Panne am Lkw hingewiesen wird und selbst Uniformierte können eine Falle sein. „Auch bei Stopps durch Anweisungen vermeintlicher Polizeibeamter ist deren Dienstausweis stets vorab zu überprüfen. Nachfragen bei den jeweiligen Behörden müssen von den Beamten geduldet werden“, stellt das LKA Niedersachsen klar.

Aber was sollten Lkw-Fahrer tun, wenn sie Planenschlitzer auf frischer Tat ertappen? Von „Heldentaten rät das LKA ab. „Selbst, wenn sie es bemerken, weise ich meine Mitarbeiter an, nicht auszusteigen“, erklärt auch Jürgen Eckert, Spediteur aus Fehrow (Spree-Neiße).

Wie ist die Lage der Lkw-Fahrer? Was tut die Polizei gegen die Planenschlitzer? Lesen Sie mehr dazu in unserem RUNDSCHAU-Special unter www.lr-online.de/planenschlitzer