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Literatour durch Burg will Autoren wie Besucher inspirieren

Auch den drei Autoren John von Düffel, Jan Brandt und Martin Beyer (v.l.) hat die Literatour sehr gut gefallen.
Auch den drei Autoren John von Düffel, Jan Brandt und Martin Beyer (v.l.) hat die Literatour sehr gut gefallen. FOTO: Isabel Damme/ide1
Burg. Ein einzigartiges Zusammenspiel von Wort und Spreewaldzauber hat am Samstagabend die Literatour in Burg geboten. Durch die Welten der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung folgten 30 Literaturfreunde der Tourismuschefin Nicole Schlenger. Isabel Damme / ide1

Bei herrlichem Sonnenschein startet die Literatour, die zum Rahmenprogramm der Aquamediale mit dem Thema "Glaube - Liebe - Hoffnung" gehört, an der Burger Kirche. Mit dem bekannten Klingeln fährt die Rumpelguste entlang der Fließe zum ersten Etappenziel des Abends, der Bleiche. In gemütlicher Atmosphäre liest dort der Schriftsteller John von Düffel einige Seiten aus seinen Werken, in denen die Natur und besonders das Wasser eine große Rolle spielen. "Beim Schwimmen finde ich zum Glauben", so der Schriftsteller.

Nachdem John von Düffel sein Publikum auf einen Tauchgang in die Wasserwelten mitgenommen hat, eröffnet er die Gesprächsrunde. Christine Clausing ist von der Verbindung von Wasser und Glauben fasziniert. "Wir Spreewälder verbinden mit dem Wasser ebenfalls eine große Hoffnung", sagt die Hotelchefin. Wegen der negativen Folgen der Verockerung in ihrem geliebten Spreewald gibt sie den Glauben an die Menschen nicht auf und hofft, dass bald eine Lösung gefunden wird. Auch Pfarrer Michael Heimann verbindet die beiden Worte miteinander und sagt: "Wenn ich mich auf dem Wasser treiben lasse und in den Himmel blicke, danke ich dem Schöpfer, dass er mich trägt."

Nach den "Wassererzählungen" rumpelt die Gruppe weiter durch Burg und wird über die einzigartige Siedlungsstruktur Burgs aufgeklärt. Am Backhaus angekommen, rückt der Autor Martin Beyer die Liebe in den Vordergrund. Er selbst hat im Spreewald geheiratet und beschreibt die Liebe als eine kurvige, zackige und auch kraftvolle Entwicklung. In seiner Vorlesung entführt er die Zuhörer in das Jahr 1917 nach Berlin. Der Schriftsteller erzählt in seinem Roman "Alle Wasser laufen ins Meer" von der außergewöhnlichen Liebesbeziehung der Geschwister Georg und Grete Trakl. Das junge Mädchen fühlt, dass Liebe bunt ist, einen hin und her schüttelt und Traubengeschmack hat. Eine Tomatensuppe, rot wie die Liebe, gibt Zuhörern und Schriftstellern wieder Kraft für die letzte Etappe des Abends in der Burger Kirche.

Michael Heimann leitet die letzte Lesung mit dem Verweis auf die Wand der "Hoffnungsworte" der Gemeinde ein. Eine besondere Rolle spiele dabei die Jugend als Hoffnungsträger. Autor Jan Brandt beginnt mit dem Gedanken, dass Hoffnung dem Leben einen Sinn gebe. Sein erster Text handelt von einer Kahnfahrt der besonderen Art. Die Zuhörer werden mitgenommen und sehen vor ihrem inneren Auge Störche, Felder und Wasserspiegelungen der Bäume.

Während seines Aufenthaltsstipendiums in der Bleiche sammelte er die Ideen zu diesem Buch. "Ich habe die Zeit hier im Spreewald genossen, um runterzukommen und die Kraft der Stille zu nutzen", erzählt Jan Brandt. Vor zwei Jahren lebte er einen Monat in dem Hotel und hielt wöchentlich kleine Vorlesungen. "Dabei war das Verhältnis zu den Zuhörern immer besonders eng, und ehrliche Kritik hat mir sehr geholfen." Der Abend hat dem Schriftsteller sehr gefallen. "Durch die Fahrten mit der Rumpelguste kam Bewegung rein" , erzählt der Berliner begeistert. Während seines Aufenthalts im Spreewald fand er keine Gelegenheit, mit dem Gefährt auf Tour zu gehen. "Durch die Gegend zu rumpeln, war sehr spaßig und eine tolle Abwechslung."

Im Anschluss stellt er sein aktuellstes Werk "Stadt ohne Engel" vor. Von zahlreichen Begebenheiten in Los Angeles bewegte Jan Brandt die Begegnung mit der 14-Jährigen Maja am meisten. Sie ist eine junge begabte Dichterin, die auf dem Flohmarkt individuelle "Zukunftsliteratur" schafft und selbstsicher verkauft. "Wenn ich an Maja denke, erinnere ich mich an meine Jugend zurück, wie ich in meinem Zimmer saß und Gedichte geschrieben habe", so Brandt. Obwohl er am Anfang seines Schriftstellerlebens wenig Hoffnung hatte, habe er niemals aufgegeben und an seinem Traum gearbeitet. Genau das möchte er den Zuhörer mit auf den Weg geben: Man sollte niemals die Hoffnung aufgeben.

Die Gäste der einzigartigen Lesungsrunde waren begeistert von der fünfstündigen Tour durch Burg und die Literatur. "Es war eine sehr gemütliche Atmosphäre", sagte Katrin Allecke. Auch ihrem 14-Jährigen Sohn Cornelius hat der Abend gefallen. Die Spreewälderin Marga Morgenstern war hingerissen, "wie nah am Leben" die Vorlesung von Schriftsteller Jan Brandt verlief. Auch dem 20-jährigen Vincent Tima gefiel der Abend: "Es war eine wunderbare Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen und sich inspirieren zu lassen."