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Literarische Giftmischerin im Museum

Annette Schiffner (l.) und Yvonne Rinza freuen sich auf Ausstellungsbesucher.
Annette Schiffner (l.) und Yvonne Rinza freuen sich auf Ausstellungsbesucher. FOTO: Elsner
Cottbus. Im Apothekenmuseum wird es ab Dienstag kriminell. Dann öffnet die neue Sonderausstellung "Von Arsen bis Zyankali – Die Geschichten der Agatha Christie". Museumsleiterin Annette Schiffner macht neugierig auf die Begegnung mit Leben und Werk der meistgelesenen Autorin der Welt und den Giften, denen ihre Romanhelden zum Opfer fielen. Ulrike Elsner

Agatha Christie schrieb 66 Romane und 23 Bühnenstücke. Nach ihren literarischen Vorlagen entstanden 22 Kino- und 76 Fernsehfilme. Ihre Bücher sind nach der Bibel die meistverkauften der Welt. Und darin wird meist mit Gift gemordet.

Über Gifte und ihre Wirkung wusste die Grande Dame der Kriminalliteratur auch bestens Bescheid. "Im Ersten Weltkrieg arbeitete Agatha Christie im Hospital als Apothekenhelferin", sagt Annette Schiffner. Wenn sie sich in der Krankenhausapotheke langweilte, hat sie sich Geschichten ausgedacht und sich dabei von ihrer Umgebung inspirieren lassen.

Für die neue Ausstellung hat sich die Museumsleiterin gemeinsam mit Mitarbeitern und Familie durch 43 Krimi-Bände gearbeitet, die das Sächsische Apothekenmuseum Leipzig zur Verfügung gestellt hat. Die Gifte aber stammen aus dem Fundus des Cottbuser Museums. Eine der drei Vitrinen ist der Autorin, zwei weitere ihren weltbekannten Romangestalten Hercule Poirot und Miss Marple gewidmet.

Der Museumsbesucher erreicht den Sonderausstellungsraum durch eine Art Kino-Vorhang. Und tatsächlich soll diese Ausstellung sowohl Menschen ansprechen, die die Bücher der Autorin bevorzugen, als auch jene, die besonders ihre Filme mögen. Und auch jene, die sich bisher für die Britin nicht sonderlich interessiert haben, dürften in der Ausstellung Anregung erhalten.

"Wir haben die Krimiautorin in den Mittelpunkt gestellt, weil sie Pharmazeutin war", stellt Annette Schiffner fest, "und weil sie Substanzen aus der Apotheke verwendet hat."

In der Ausstellung werden die verschiedenen Mordgifte Romanen zugeordnet. Bei "Tod in den Wolken" handelt es sich um das Gift einer südafrikanischen Baumschlange. "Obwohl es erst den Anschein hat, Curare sei im Spiel", sagt die Museumschefin. Dieses südamerikanische Pfeilgift habe Agatha Christie während ihrer Ausbildung kennengelernt.

Ein Apotheker in der Küstenstadt Torquay habe vor ihren Augen einen gelblichen Klumpen aus der Tasche gezogen und erläutert, dass es sich um Curare handelt: ein Gift, das nicht schadet, wenn man es schluckt. Wenn es aber in die Blutbahn gelangt, löst es tödliche Lähmungen aus. Warum er es bei sich trage? "Es gibt mir ein Gefühl der Macht", gestand der Apotheker. Diese Episode hat Agatha Christie später literarisch verarbeitet. In "Die Kleptomanin" kommt Morphium zum Einsatz, in "Das fehlende Glied in der Kette" ist es Strychnin. Die genaue Beschreibung einer Thallium-Vergiftung in "Das fahle Pferd" hat sogar Leben gerettet.

Zugetragen hat sich die Geschichte in einer englischen Klinik. "Eine Nachtschwester hat das Buch gelesen und plötzlich die rätselhaften Symptome bei einem todkranken Kind wiedererkannt", berichtet Annette Schiffner. Das Kind wurde gerettet.

Diese und andere interessante Geschichten vermittelt die Ausstellung, die bis zum Jahresende gezeigt wird. Führungen gibt es dienstags bis freitags, jeweils um 11 und 14 Uhr sowie samstags und sonntags um 14 und 15 Uhr oder nach telefonischer Anmeldung. Auch wer eine Kurzführung zu Agatha Christie ohne nähere Erläuterungen der Gifte bevorzugt, sollte sich anmelden.

Telefon: 0355 23997

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