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| 02:34 Uhr

Linie 1 geht von der Schiene

Cottbus. Nach dem grünen Licht für den Ausbau des Hauptbahnhofs zum Verkehrsknoten, zeigt sich Cottbusverkehr zufrieden. Dadurch verspricht sich das Unternehmen mehr Fahrgäste für den öffentlichen Nahverkehr in Cottbus. Die Fahrgastvertreter von ProTram sehen das freilich anders. Sie kritisieren das damit besiegelte Ende der Straßenbahnlinie 1. Peggy Kompalla

Knackpunkt sind rund 800 Meter Schiene vom Hauptbahnhof bis zur Wendeschleife an der Jessener Straße. Darauf war jahrelang die Linie 1 unterwegs. Derzeit macht die Straßenbahn aufgrund der Großbaustelle Bahnhofstraße eine Pause. Die Linie ist im Schienenersatzverkehr mit dem Bus unterwegs.

Genau das wird nach dem beschlossenen Ausbau des Bahnhofsvorplatzes zum Verkehrsknoten zur Dauereinrichtung. Denn eine notwendige Weiche für den Streckenast zur Jessener Straße wird zwar geplant, aber zunächst nicht eingebaut. Die soll erst kommen, wenn die Streckenerweiterung zum Carl-Thiem-Klinikum umgesetzt wird. Doch bis dahin können Jahrzehnte vergehen.

Das Kappen des Streckenabschnitts ist ein Frevel, wie Dieter Schuster von ProTram betont. "Dafür hat es unserer Ansicht nach keine Wirtschaftlichkeitsprüfung gegeben. Das ist verantwortungslos." Noch jede Stadt habe die Stilllegung einer Straßenbahnlinie später bereut. Sie wären der jeweiligen Kommune teuer zu stehen gekommen. Denn beim Wechsel von Tram auf Bus gingen den Verkehrsbetrieben Fahrgäste verloren, das Angebot verliere an Attraktivität. Das bedeutet weniger Zuschüsse vom Land - eine Abwärtsspirale.

So sieht das auch Peter Taube. Der Cottbuser erklärt: "Da wird überall von Klimaschutz geredet und dann so etwas." Generell sei der Ausbau des Bahnhofs zum Verkehrsknoten zu begrüßen, betont er. Aber das müsse doch nicht das Aus der Linie 1 sein.

Cottbusverkehr verteidigt die nun vorliegende Variante. Dabei wird der Busbahnhof und die Straßenbahnhaltestelle direkt vor das Bahnhofsgebäude verlegt. "Wir entwickeln unsere Infrastruktur zum Drei-Linien-Netz, genau so wie es externe Verkehrsexperten als Vorzugsvariante ermittelt haben", erklärt Geschäftsführer Jörg Reincke. "Das haben die Stadtverordneten im Jahr 2009 mit einem Beschluss bekräftigt."

Damit sei bereits vor drei Jahren das Ende der Streckenabschnitte Schmellwitz-Anger und Jessener Straße besiegelt gewesen. Denn die Linie 1 sei die unrentabelste Straßenbahnroute. Gerade einmal 500 Fahrgäste zählte die Linie 1 nach Auskunft von Aufsichtsratsmitglied Denis Kettlitz (SPD) am Tag. "Und die Fördermittelbindung auf der Strecke ist so gering, dass sie kein Thema mehr ist", so Reincke.

Angesichts der geringen Auslastung der Linie 1 und der Entscheidung für das Drei-Linien-Netz seien die Umbaupläne für den Verkehrsknoten ohne Anbindung der Jessener Straße nur folgerichtig. "Es wäre im Gegenteil wirtschaftsschädigend, die Weiche schon jetzt einzubauen, obwohl wir nicht wissen, ob die Streckenerweiterung zum Klinikum kommt", betont Reincke. Immerhin kostet die mehr als eine halbe Million Euro.

ProTram erwägt indes ein Bürgerbegehren gegen diese Entscheidung anzustrengen. Damit waren die Fahrgastvertreter im Jahr 2009 bereits erfolgreich gewesen. Damals setzten sie sich für den Erhalt und Ausbau der Straßenbahn in Cottbus ein.