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| 02:33 Uhr

Liebe, Hass, Boxhandschuhe und ganz viel Cottbus

Christian (Lukas Steltner) und Laura (Laura Maria Hänsel) in einer Szene aus "Die Kunst des Verlierens".
Christian (Lukas Steltner) und Laura (Laura Maria Hänsel) in einer Szene aus "Die Kunst des Verlierens". FOTO: H. Bergmann
Cottbus. Ein kranker Vater, zwei starrköpfige Brüder, eine hübsche Krankenpflegerin und ganz viel Cottbus – David Voss' Kurzfilm "Die Kunst des Verlierens" läuft zum ersten Mal auf der großen Leinwand – im Weltspiegel-Kino. dsf

"Zu kurz" - David Voss' Kritik an seinem eigenen Kurzfilm fällt knapp aus. Zu kurz sei er vielleicht gewesen für die Geschichte, die der Filmstudent von der Filmakademie Baden-Württemberg erzählen wollte. 30 Minuten lang dauert der Kurzfilm um zwei Brüder, einen kranken Vater und eine hübsche Krankenschwester, die sich in einem alten Haus in Kolkwitz nach langer Zeit noch einmal treffen - zwischen ihnen mischen sich Gefühle von Hass, Trauer und Liebe, aber auch die Sorge um den Vater, der nach einem Schlaganfall ans Bett gefesselt und auf die Hilfe seiner erwachsenen Söhne angewiesen ist. Einer der beiden Brüder ist Boxer, steht kurz vor einem großen Kampf. Er sieht sich den Aufgaben allein nicht mehr gewachsen und bittet so seinen älteren Bruder um Hilfe.

Im Cottbuser Weltspiegel-Kino haben sich am Sonntagnachmittag gut 100 Zuschauer versammelt, um den Film, der vor allem in Cottbus und Kolkwitz, aber auch in Hoyerswerda entstanden ist, das erste Mal auf der großen Leinwand zu sehen. Keine Premiere sei das, sagt Holger Bergmann, Produzent des Kurzfilms und - wie Regisseur David Voss - Student an der Filmakademie im Süden von Deutschland. Premieren würden auf Festivals gezeigt, das hier im Weltspiegel sei ein "exklusives Vorab-Screening", eine Art Sondervorstellung für alle, die Bergmann und Voss beim Dreh des Films unterstützt haben.

"Die Geschichte wäre eine andere gewesen, hätten wir nicht in Cottbus gedreht", sagt David Voss, für den der 30-Minüter die Abschlussarbeit an der Akademie ist. Die Großmutter seiner Frau kommt aus Cottbus, er kennt die Stadt von vielen Besuchen. Und Produzent Holger Bergmann stammt von hier, hat früher an der Cottbuser Bühne acht in der Filmgruppe mitgewirkt, bevor es ihn in Richtung Stuttgart verschlagen hat. Als er das Drehbuch zum ersten Mal gelesen hatte, habe er gleich Cottbus als Drehort vor Augen gehabt, erzählt er.

Von hier stammen auch viele der Schauspieler, die Voss und Bergmann verpflichten konnten. Laura Maria Hänsel etwa, die lange auf der Bühne des Cottbuser Staatstheaters gestanden hat, oder Kai Börner, bereits seit mehr als 14 Jahren Mitglied des Staatstheater-Ensembles.

Die Schauspieler Lukas Steltner ("Kriegerin") und Antonio Wannek ("Unsere Mütter, unsere Väter") haben die Hauptrollen übernommen. Auch sie haben den fertigen Film im Weltspielgel zum ersten Mal gesehen. "Es fällt mir noch ein bisschen schwer, etwas dazu zu sagen", sagt Antonio Wannek. Dass Cottbus als Drehort aber eine gute Wahl war, findet auch er. "Ich habe zwar noch nicht so viel von der Stadt gesehen, aber die Geschichte passt schon hierher", so der 35-jährige Berliner.

Holger Bergmann wird weiterhin an der Filmakademie studieren, sein Abschluss steht ihm noch bevor. David Voss ist jetzt Diplom-Filmemacher. Sein nächstes Projekt sei ein 90-minütiger Spielfilm, sagt er, für den er derzeit die Finanzierung sichern will. "Die Kunst des Verlierens" habe ihm dafür schon einige Türen geöffnet. Irgendwann im kommenden Jahr wird der Kurzfilm im SWR zu sehen sein.