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| 18:12 Uhr

Licht an für die Kammerbühne

Das Foyer der Kammbühne wird bis Ende September neu gestaltet. Alte Wände verschwinden, genauso wie die niedrige Decke. Stattdessen bringen beleuchtete Lamellen Licht und Luftigkeit ins Haus. Eine lange Bar und Lounge-Möbel sollen zum Verweilen einladen.
Das Foyer der Kammbühne wird bis Ende September neu gestaltet. Alte Wände verschwinden, genauso wie die niedrige Decke. Stattdessen bringen beleuchtete Lamellen Licht und Luftigkeit ins Haus. Eine lange Bar und Lounge-Möbel sollen zum Verweilen einladen. FOTO: Hampelkotzur
Cottbus. Von außen ist die radikale Veränderung kaum wahrnehmbar. Doch drinnen ist vom alten Foyer der Kammerbühne kaum mehr übrig als ein Gerippe. Peggy Kompalla

Alles ist ausgebaut. So wirkt der Raum vielmehr wie eine Werkhalle. Das gefällt Martin Roeder. Der Chef der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder) sagt über die Spielstätte des Staatstheaters: "Das Haus der Bauarbeiter ist ein typischer Industriebau und wurde auch genauso errichtet." In neun Wochen verwandelt sich das Foyer nun für 600 000 Euro in eine helle Lobby, die viel mehr sein soll als der Durchgangsraum zur Bühne.

Den Cottbuser Architekten Tobias Keßler vom Büro hampelkotzur faszinieren Gegensätze. Sie durchziehen den Entwurf für die Kammerbühne. Der Architekt zeigt auf der Baustelle nach unten, dann nach oben. "Der Steinboden bleibt unangetastet, auch die Stahlbetondecke wird sichtbar bleiben." Als Gegenpart gibt es edle Oberflächen an den Wänden und für die Bar. Schwarz, Weiß, Grau und Holz werden den neuen Raum dominieren. "Das Licht bringt die Farbe", sagt der Architekt. Das kommt von Lamellen, die in einem Bogen von der Decke hängen und so auch den Besucher führen und gleichzeitig die Raumakustik verbessern.

Der Stiftungsdirektor erklärt: "Wir wollen durch den Umbau eine ganz neue Aufenthaltsqualität erreichen. Das Foyer soll modern werden mit einem ästhetischen Anspruch." Das passe perfekt zum neuen Schauspielchef Jo Fabian, "der formalistisch denkt und arbeitet" und mit der neuen Spielzeit seinen Dienst in Cottbus antritt (siehe Infobox).

In dem neuen Raum sollen kleine Veranstaltungen mit Musik oder szenischem Spiel möglich sein, genauso wie Seminare, schließlich kooperiert die Stiftung mit dem Fachgebiet Kultur und Technik der BTU Cottbus-Senftenberg. "Perspektivisch ist da noch mehr Entwicklung möglich", sagt Martin Roeder und schiebt hinterher. "Ein Café International als Treffpunkt für Menschen, die Deutsch lernen." So werde die Kammerbühne zu dem offenen Haus, als das sich das Theater versteht. Sogar im wahrsten Sinne des Wortes, ergänzt Architekt Keßler. Denn die Außenwand des Foyers wird durch eine sich öffnen lassende Glaswand ersetzt. "So entsteht eine Terrasse." Lounge-Möbel und Sitznischen laden zum Bleiben ein. Durch eine Schallschutzwand zwischen Foyer und Bühne können sogar in beiden Orten gleichzeitige Veranstaltungen stattfinden.

Die Offenheit wird sich auch beim Ticketverkauf widerspiegeln. Der wird aus dem Eingang ins Foyer hineingebracht, direkt neben die Garderobe. "Das wird eine offene Verkaufssituation über die Theke", erklärt Roeder. "Das alte Schaffnerhäuschen ist endlich weg."

Im Zuge des Umbaus der Kammerbühne investiert die Stiftung zudem in Bühnentechnik und Brandschutz. Die Probebühne hat bereits einen neuen Tanzboden erhalten. "Der ist gedämpft und macht auch Spitzentanz möglich", erklärt Stiftungsdirektor Roeder. "Das wird der neue Ballettsaal. Damit verbessern sich die Arbeitsbedingungen für unsere Tänzer gewaltig." Der neue Ballettsaal ist bereits voll funktionsfähig. Damit das mit dem Foyer bis zur neuen Spielzeit auch klappt, darf es auf der Baustelle keine Dramen geben.

Zum Thema:
Die Kammerbühne erfährt am Samstag, 23. September, ihre erste Premiere nach dem Umbau. Gezeigt wird "Wilhelm Tell" - nach Friedrich Schiller in einer Textfassung des neuen Cottbuser Schauspielchefs Jo Fabian und Sven Schlötcke. Das Stück wurde für das Theater an der Ruhr entwickelt und erfährt im September seine Cottbus-Premiere. Jo Fabians "Wilhelm Tell" wurde 2015 beim Westwind-Festival, einem bundesweit renommierten Theaterfestival für junges Publikum, ausgezeichnet.