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Leuchtturm am Ufer des Cottbuser Ostsees

Die Wettbewerbsjury schaute sich am Schlichower Ostseeufer das Modell einer künftigen Dammöffnung an.
Die Wettbewerbsjury schaute sich am Schlichower Ostseeufer das Modell einer künftigen Dammöffnung an. FOTO: Elsner
Cottbus. "Wenn dieses Dorf keine Zukunft hat, dann weiß ich nicht, welches sonst." Mit diesem Satz schickte Bürgervereinsvorsitzender Frank Sidon die Jury des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" auf Besichtigungstour durch den Cottbuser Ortsteil. Ulrike Elsner

Und tatsächlich stießen die Gäste auf zahlreiche Belege dafür, dass die Schlichower eine Vision haben und in die Realität umsetzen. "Willkommen im Ostseedorf ", war auf einem Transparent vor einem Bauernhof zu lesen. Dessen Bewohner bereiten sich darauf vor, im Jahr 2025 Feriengäste aufzunehmen.

Wie kaum ein zweites Dorf hat Schlichow die Licht- und Schattenseiten des Kohlebergbaus in der Lausitz er- und durchlebt. In den 80er-Jahren fielen ganze Ortsteile dem näher rückenden Bergbau zum Opfer. Während der heutige Cottbuser Ortsteil 1971 noch 309 Einwohner zählte, waren es 1989 nur noch 81. Bis heute ist die Einwohnerzahl wieder auf 226 gestiegen. Die meisten Wohnhäuser präsentieren sich schmuck und gepflegt. Das Bürgerhaus ist mit viel Eigenleistung der Schlichower umgebaut worden, auch die wendischen Bräuche wurden wiederbelebt.

Nach dem Stopp der Kohlebagger habe das Dorfleben reaktiviert werden müssen, berichtete Petra Hoffmann der Jury. Im Jahr 2000 fand der erste Trachtenumzug statt. An der zehnten Fastnacht im Jahr 2009 mit 36 Paaren war immerhin jeder dritte Bewohner beteiligt. Für Zusammenhalt und Leben im Ortsteil sorgen außerdem die Feuerwehr, die im Feuerwehrsport sehr aktiv ist und 2001 ein neues Gerätehaus bezogen hat, sowie der Sportverein Eintracht Schlichow mit einer Fußball- und zwei Billardmannschaften.

Das halb verfallene, doch nicht zuletzt wegen seiner Geschichte erhaltenswerte Gutshaus hat den Schlichowern lange Zeit Sorgen bereitet. "Wir sind glücklich, dass sich jetzt ein Investor gefunden hat", berichtete Ortsbeiratsvorsitzender Roland Hoffmann. Das frühere Rittergut hatte einst dem Diplomaten Oskar Trautmann gehört, der Botschafter in China war und 1938 von den Nazis abberufen wurde.

Mit einem neuen Wegesystem und originellen Wegweisern bereitet sich das Dorf auf die erwarteten Besucherströme vor. "Auf dem Aussichtspunkt ist in diesem Jahr das Grüne Klassenzimmer wieder entstanden", berichtete Christine Sidon vom Bürgerverein. Der Aussichtspunkt solle "ein Leuchtturm am Ufer des Ostsees" werden.

"Unsere Vision für 2025 ist die Öffnung des Dammes", warb Frank Sidon für ein Vorhaben, das nach dem Wunsch der Schlichower auch sportliche Aktivitäten möglich machen soll. Freizeit-Kapitän Jürgen Schökel in zünftiger Seemannskluft richtete den Blick auf den künftigen Ostsee. "Hier wird einmal mein Segelboot liegen", sagte er. "Das wird ein ideales Freizeitgewässer."