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Letzter Brandenburger Pantoffelhersteller produziert in Cottbus

Erika Hammel betreibt die letzte Cottbuser Pantoffelfirma.
Erika Hammel betreibt die letzte Cottbuser Pantoffelfirma. FOTO: jul1
Cottbus. Detlef Hammel bekennt sich als einer der wenigen Herren der Schöpfung als Pantoffelheld. Er steht voll unter der Fuchtel von Ehefrau Erika. Marion Hirche/jul1

Zusammen stellen sie Pantoffeln her. Sie sind die letzten Produzenten dieser häuslichen Schuhbekleidung im Land Brandenburg.

Erika Hammel ist Näherin und wechselte 1982 vom Cottbuser Textilkombinat zur Cottbuser Produktionsstätte des Kombinats "Rotes Banner" Weißenfels , Schuhfabrik "Granit" Storkow, Werk Guben. "Ich konnte ja nähen und das habe ich dann auch in der Pantoffelproduktion gemacht. Alles andere habe ich dazugelernt", erinnert sich die heute 60-jährige Betriebsinhaberin.

In Cottbus wurden die Pantoffeltraditionen fortgesetzt. Einst gab es hier vier Firmen, die Hausschuhe herstellten. 1972 wurden sie verstaatlicht. 1989 zog es Detlef Hammel auch zu den Hauslatschen. Der Agraringenieur schulte um, leitete am Tag den Cottbuser Betrieb und übte nach Feierabend die Pantoffelherstellung. In dieser Zeit entwickelte sich alles prima, mit den 86 Mitarbeitern wurden 80 000 Paar hergestellt und verkauft. Im Mai und Juni 1990 holte sich der heute 69-jährige Frauen von sowjetischen Offizieren als Arbeitskräfte, um die Produktion zu schaffen. "Viele hatten die Lausitz Richtung Westen verlassen, wir hatten nicht mehr genügend Arbeitskräfte." Im Juli 1990 kam dann der große Einbruch, nur noch 3000 Pantoffelpaare wurden abgesetzt.

Mitarbeiter entlassen

Der heutige Senior kämpfte für die Privatisierung des Betriebes, sorgte für das Überleben des Traditionshandwerks in Cottbus. Nachdem einige BHG-Märkte schlossen, einer der Hauptabnehmer der Cottbuser Schlappen, mussten die Hammels auch die letzten sechs Mitarbeiter entlassen: "Schweren Herzens, denn unsere Mitarbeiter haben immer mitgezogen, waren kaum krank, waren da, wenn man sie brauchte." Heute ist Erika Hammel Einzelkämpferin. In der Krennewitzer Straße hat der Betrieb nach vielen Umzügen und Provisorien einen endgültigen Standort gefunden. Jetzt werden im Monat rund 600 Pantoffeln in den Größen 27 bis 49 produziert. "Die Kamelhaarfarbenen sind nach wie vor der Renner, weil sie eben das klassische Muster haben", sagt die Betriebschefin.

Bei der Fertigung wird sie von ihrem inzwischen pensionierten Mann unterstützt. Es sind gefühlte tausend Schritte notwendig, um so einen Pantoffel herzustellen: Blätter ausstanzen und zusammennähen, Brand- und Decksohle ausstanzen, die Laufsohle ausschneiden, alles Schicht für Schicht zusammenkleben . . . jeder Schritt ist Handarbeit. Dazu kommt der Drahtseilakt mit dem Material. Die Hammels holen viel davon jetzt in Italien: "Die kleinen Hersteller im Vogtland gibt es alle nicht mehr. Ständig steigen die Preise und die Pflichtabnahmemengen, das ist fast ein Unding für uns Kleinproduzenten", erklärt Erika Hammel. Das Ehepaar lässt sich dennoch nicht unterkriegen. In einigen BHG-Märkten, Schuhgeschäften und auf Märkten gibt es ihre Schuhe zu kaufen. "Wir selber sind beim Herbstmarkt und beim Weihnachtsmarkt sowie bei der Herbstmesse in Cottbus mit dabei", berichtet Detlef Hammel.

Fertigung nach Wunsch

Neuerdings kann man sich am Betriebssitz in der Krennewitzer Straße 2 auch individuelle Hauslatschen anfertigen lassen - zum Beispiel mit aufgesticktem Namen. Die drei Söhne der Hammels werden die Produktion nicht weiterführen, aber möglicherweise Enkel Florian. Der heute 15-Jährige interessiert sich für den Job der Großeltern.

Auf der Herbstmesse sind die Hammels mit ihren Pantoffeln in Halle 2 am Stand E7 zu finden (Telefon: 0355 861367).

www.herbstmesse-cottbus.de