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Letzte Handgriffe fürs Cottbuser Turnhallen-Denkmal

Wenn im Januar die Sanierung der städtischen Turnhalle in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße abgeschlossen ist, verfügt Cottbus über ein modernisiertes Denkmal, das dem Sport dient. Für den Cottbuser Architekten Ulrich Sasse war gerade dies die Herausforderung – „die Funktionen für einen modernen Nutzungsanspruch in den historischen Raum zu transportieren“ . Von Klaus Alschner


In der Denkmaltopografie wird das Gebäude Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 8 als „eines der frühesten Zeugnisse der Turnhallenarchitektur im Land Brandenburg“ beschrieben. Die Städtische Turnhalle Cottbus sei „von regional- wie sportgeschichtlichem Interesse“ . In der Beschreibung des Baudenkmals heißt es: „Bei der Cottbuser Turnhalle handelt es sich um einen für diese Bauaufgabe besonders anspruchsvollen Ziegelbau, der hinsichtlich seiner Gliederungs- und Schmuckelemente eine repräsentative Wirkung erzielt.“
Der Initiator des Baus war der Direktor der städtischen Knaben-Mittelschule und Turnwart des TVC 1861, Paul Benno Hüttig (1832 - 1887) gewesen. 1873 wurde das Gebäude unter Leitung des Cottbuser Maurermeisters Ackermann und des Ratszimmermeisters Grünenthal errichtet. Der Entwurf entsprach den Vorgaben der damals geltenden preußischen Vorschriften für Schulturnhallen.
Zunächst diente die neue Sporthalle im 19. Jahrhundert „zur Abhaltung der Turnpflichtstunden der Schüler der höheren Lehranstalten“ . Erst 1888 wurde der Turnunterricht an den Volksschulen eingeführt. Wie aus der Denkmaltopografie hervorgeht, trainierten auch die Cottbuser Turnerwehr, der Turnverein TVC 1861 und der Arbeiterturnverein in der Halle. 1889 und 1890 wurde ein spiegelbildlicher Erweiterungsbau errichtet. Nach 1927 folgte ein Anbau für Turngeräte. In der Denkmaltopografie wird als Besonderheit auch die 1899 ebenfalls spiegelbildlich erweiterte Innenraumstruktur hervorgehoben.
Die Sanierung dieses Turnhallen-Denkmals ließ sich die Stadt Cottbus nach Mitteilung der Verwaltung rund 2,2 Millionen Euro kosten. Im September 2003 wurde mit den Arbeiten begonnen. Wie Architekt Ulrich Sasse berichtet, kam es darauf an, die Bauhülle nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten instand zu setzen. So wurde das Dach mit Schiefer gedeckt, wie in früheren Zeiten. Fenster und Türen wurden dem früheren Originalzustand entsprechend erhalten und aufgearbeitet, allerdings nach modernen Anforderungen an den Wärmeschutz. Erscheinungsbild und Struktur der Halle wurden nach den Worten des Architekten erhalten.
Im Nebengebäude wurden Ansprüchen an die zeitgemäße Benutzung entsprechend Umkleide- und Sanitärräume untergebracht, Lehrerzimmer und Gymnastikraum. Bei der Modernisierung wird eine Fußbodenheizung in der Halle installiert. Darauf wird das Sportparkett gelegt. Außerdem wurden neue Treppen eingebaut. Zwischen beiden Gebäuden wird es einen geschlossen Verbindungsgang geben.
Architekt Ulrich Sasse meinte, auch wenn sein Büro auf die Sanierung alter Gebäude spezialisiert sei, sei ein derartiges Projekt unter Denkmalschutz „jedesmal eine neue Herausforderung“ .
Auf die künftigen Benutzer wartet ein Gebäude, das nicht nur für Cottbus als Rarität gilt. Die 14. Grundschule, das Oberstufenzentrum I und abends mehrere Sportvereine können in einem mit Millionenaufwand hergerichteten Denkmal an ihrer Fitness arbeiten.