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| 15:38 Uhr

Letzte Ausstellung
Noch einmal Treff in der Galerie Haus 23

 Ein Abschied ohne Tränen, aber mit ernstem Hintergrund: Matthias Körner, Jörg Sperling und Manfred Reuter (v.l.) haben gemeinsam die letzte Ausstellung in der Galerie Haus 23 eröffnet.
Ein Abschied ohne Tränen, aber mit ernstem Hintergrund: Matthias Körner, Jörg Sperling und Manfred Reuter (v.l.) haben gemeinsam die letzte Ausstellung in der Galerie Haus 23 eröffnet. FOTO: Ingrid Hoberg
Cottbus. Mit der 180. Ausstellung endet in Cottbus die Geschichte eines Projekts der Kunstszene aus gesellschaftlicher Umbruchzeit. Mitte September finden die Finissage und ein Abschlussfest statt. Von Ingrid Hoberg

Es herrscht Klassentreffen-Stimmung in der Galerie Haus 23 – und das überrascht nicht. Zum einen sind es „30 + XXX“ Künstlerinnen und Künstler, die zum Teil seit drei Jahrzehnte der Galerie verbunden und nun bei der letzten Ausstellung dabei sind. Zum anderen finden zur letzten Vernissage viele Freunde ins Haus. „Wenn nur immer so viele gekommen wären!“, sagt einer vom Verein, denn manchmal waren es nur wenige, die Notiz von den Eröffnungen nahmen.

Doch von Wehmut keine Spur, auch nicht bei Jörg Sperling, Matthias Körner und Manfred Reuter, die die 180. und nun letzte Ausstellung organisiert haben. „Wir machen dicht, und vom Kulturamt der Stadt ist heute keiner da“, stellt Sperling allerdings fest. Kultur hat’s schwer in Cottbus, unangepasste zumal. Das hat sich in den drei Jahrzehnten immer wieder bestätigt. „Eigentlich hatten wir vor dreieinhalb Jahren den Tiefpunkt und hätten schließen müssen“, sagt er. Doch Manfred Reuter, er lebt und arbeitet längst in Berlin, habe gesagt, 30 Jahre Galerie Haus 23 wäre ein besserer Punkt zum Aufhören. Seiner Initiative sei es zu verdanken, dass es nun diesen Abschluss gibt.

30 + 3 Künstler stellen aus

So wurden 30 + 3 Künstlerinnen und Künstler eingeladen – von Eckhard Böttger bis Dieter Zimmermann. Und so sind die verschiedensten künstlerischen Umsetzungsformen zu entdecken – von der sensiblen Fotografie über Zeichnungen, Malerei und Skulpturen bis zu bearbeiteten Baumstämmen. Doch vielleicht ist eine Galerie, wie sie immerhin drei Jahrzehnte lang in der Cottbuser Marienstraße 23 existierte, nicht mehr der Zeit angemessen. „Wer hat von den Jüngeren denn noch Lust in eine Galerie zu gehen?“, fragt Manfred Reuter. „Vielleicht ist es auch gut, wenn mal nix ist“, spitzt er auf die generelle Frage zu, wie Kunst wahrgenommen wird. „Wo etwas endet, entsteht auch Freiraum für etwas anders – was auch immer“, sagt er.

Erinnerungen an die Eröffnung

Doch natürlich gehen während der letzten Vernissage die Gedanken zur ersten zurück. „Ich war bei der Eröffnung dabei – am 15. September 1989“, erzählt Uta Jacob. Mit ihrem Mann sei sie vorher in Riga gewesen. „Nach drei Wochen hatte sich so viel in der Stadt verändert, wir dachten, wir wären länger weg gewesen“, erzählt sie. Vom Neuen Forum war die Rede, die ganze Stimmung hatte sich verändert. „Die Galerie habe ich in loser Folge immer wieder besucht. Sie ist ein Ort, der gut tut“, sagt sie noch immer.

Plattform für junge Künstler

Die Karte für die als Atelierfest ausgegebene Eröffnung trug damals als Stempel ein Signet von Hans Scheuerecker – auf der Einladungskarte für die letzte Vernissage wieder zu entdecken. Statt einer Fotografie des Hauses nun der Grundriss. „Die Galerie hat davon gelebt, dass sich Künstler hier engagiert haben“, sagt Jörg Sperling. Und sie war eine Plattform für junge Künstler. Birgit Dworak, in der letzten Ausstellung mit ihren Fotografien vertreten, gibt ein bisschen Zuversicht für die Zukunft des Kunst- und Kulturfördervereins Cottbus. „In der nächsten Mitgliederversammlung wollen wir beraten, ob und in welcher Form er bestehen bleiben kann“, sagt sie.

Auch wenn es am Freitagabend noch keine roten Punkte an den Ausstellungsobjekten gab, wie es in Verkaufsgalerien sonst üblich ist – Kunst will gekauft werden. Zu einem entspannten Rundgang durch die Galerie sind die Öffnungszeiten Donnerstag bis Samstag jeweils von 18 bis 21 Uhr geeignet. Dann ist ein unverstellter Blick auf die Arbeiten der 33 beteiligten Künstler möglich. Und zu Finissage und Abschlussfest am 14./15. September sind alle noch einmal eingeladen. „Dann darf geweint werden“, sagt Jörg Sperling.