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| 18:15 Uhr

Cottbus
Letzter Check für Ostsee-Pläne

Zwölf Aktenordner füllen die überarbeiteten Pläne für den Gewässerausbau des Cottbuser Ostsees. Das wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren startete im Jahr 2014 und soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. Dann kann der Wasserhahn aufgedreht werden.
Zwölf Aktenordner füllen die überarbeiteten Pläne für den Gewässerausbau des Cottbuser Ostsees. Das wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren startete im Jahr 2014 und soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. Dann kann der Wasserhahn aufgedreht werden. FOTO: LR / Peggy Kompalla
Cottbus. Mit der Anhörung am Mittwoch steht das Planverfahren kurz vorm Abschluss. Trotzdem gibt es Kritik. Die kommt aus Teichland, Frankfurt (Oder) und Berlin. Von Peggy Kompalla

Einige Stuhlreihen bleiben leer am Mittwoch bei der Anhörung im wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren in der Cottbuser Messehalle. Dabei geht es um viel – den Ausbau des Cottbuser Ostsees. Die Karten sind längst gelegt. So scheint es. Die größte Kritik ist ausgeräumt. Doch das Cottbuser Zukunftsprojekt löst nicht nur Vorfreude aus. Bedenken bleiben. Besonders in der direkten Nachbarschaft, aber auch bei den Spree-Anrainern weiter im Norden.

Das Verfahren wird vom Landesbergamt geleitet. Das Bergbauunternehmen Leag stellt seine überarbeiteten Pläne vor. Dazu gab es im Vorfeld 19 private Einwendungen sowie zwei von Verbänden und Bürgerinitiativen. Darüber hinaus gingen bei der Landesbehörde 36 Stellungnahmen ein. Am Mittwoch haben alle Seiten die Gelegenheit, Fragen und Kritik direkt an den Projektträger zu richten. Die Behörde hat dafür den ganzen Tag Zeit eingeräumt. Das wird nicht nötig. Nach fünf Stunden ist alles gesagt.

Die größte Skepsis am Projekt Ostsee herrscht in gut 90 Kilometern Entfernung. Die Frankfurter Wasserbetriebe (FWA) fürchten um die Trinkwasserversorgung der 65 000-Einwohner-Stadt Frankfurt (Oder). Der Grund: Die hohen Sulfatwerte in der Spree, aus der die FWA das Trinkwasser gewinnen. Rechtsanwältin Dr. Maren Wittzack widerspricht am Mittwoch den Versicherungen, dass die Sulfatwerte durch den Ostsee nicht steigen werden. „Das Vorhaben führt zu einer Erhöhung der Sulfatbelastung“, betont sie. „Das darf nicht zugelassen werden.“ Damit stellt sie offen die Flutung des Sees in Frage. Es seien nicht Prognosen gefragt, sondern Grenzwerte und ein Monitoring.

Ähnliche Bedenken äußert Jens Burgschweiger von den Berliner Wasserbetrieben. „Uns fehlen die Betrachtungen der Sulfat-Hot-Spots und wie sie eliminiert werden können“, sagt er. Hot Spots sind Schwerpunkte. Ingolf Arnold, Chefgeologe bei der Leag, antwortet: „Wir kennen diese Hot Spots. Aber wenn wir einmal den Hahn aufdrehen, hat dort keiner mehr etwas zu suchen. Das ist lebensgefährlich. Das müssen wir akzeptieren.“ Gerade deshalb sei eine rasche Flutung so wichtig. Denn damit würde das stärker sulfathaltige Kippenwasser vom frischen Spreewasser eingeschlossen. Arnold betont: „Die Kunst wird darin bestehen, die Fracht so langsam aus dem See abzugeben, dass es auch verträglich ist.“ Dafür sei die Lausitzer Flutungszentrale des Bergbausanierers LMBV das wichtigste Steuerungsinstrument. Zudem könnten damit die Grundwasserstände geregelt werden. Darüber machen sich die Teichländer Sorgen.

Jörg Huschmann von der Bürgerinitative Achtung Ostsee fordert deshalb, dass das Wasser aus dem See nicht über den Schwarzen Graben, sondern über eine Rohrleitung abgeführt wird – insbesondere angesichts der Tatsache, dass der Graben nur auf 3,6 Kilometer Länge ausgebaut werden soll. „Man kann doch nicht einfach irgendwo aufhören, den Graben für den Abfluss auszubauen. Dann kommt es zum Rückstau. Das wäre wie auf der Autobahn, wenn es plötzlich von drei auf eine Spur geht.“ Wilfried Ott aus Maust sieht das genauso: „Der Schwarze Graben bietet gar nicht die nötige Fließgeschwindigkeit, noch dazu die Verkrautung. Damit würde Maust überfluten.“

Die Stadt Cottbus zeigt sich zufrieden. Schließlich ist das Bergbauunternehmen mit seinen überarbeiteten Plänen bereits auf wesentliche Forderungen der Stadt eingegangen. Trotzdem bleiben offene Fragen. Die nehmen sich allerdings vergleichsweise klein aus. Wie wird gesichert, dass Sandow bei erhöhten Wasserständen des Hammergrabens keine nassen Füße bekommt? Welche Auswirkungen hat die Tatsache, dass am Großen Spreewehr nur fünf statt der erwarteten sieben Kubikmeter Wasser in der Sekunde in den Hammergraben abgegeben werden können? Darüber hinaus fordert die Stadt die Renaturierung der verlegten Tranitz. Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU) betont: „Von Cottbus müssen gute Botschaften ausgehen.“ Deshalb nimmt ihm an dem Tag Hubert Mader aus Willmersdorf die Worte aus dem Mund: „Zum 1. November sollte das Wasser endlich laufen. Damit die Leute, dass hier etwas passiert.“ Nach der Anhörung am Mittwoch stehen die Zeichen auf Grün.