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Lettischer Schokoladendieb wehrt sich heftig gegen Festnahme

Cottbus. Der Amtsrichter Peter Merz drückt immer wieder den Knopf am Mikrofon. Seine Worte klingen nicht zuversichtlich, eher fragend: Der letzte Aufruf zur Verhandlung wegen "Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte" verhallt im Flur, die Tür zum Verhandlungssaal geht nicht noch einmal auf. Annett Igel-Allzeit

Alle vier Zeugen sind gekommen, die Übersetzerin, die neben der lettischen Sprache zudem russisch spricht, sitzt neben dem Pflichtverteidiger, und auch der Staatsanwalt wartet. 15 Minuten - doch Ilja P. erscheint nicht.

Der 25-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt - wegen mehrerer Diebstähle - zum Teil im Zusammenhang mit Hausfriedensbruch - wurde und wird er bereits an mehreren Amtsgerichten angeklagt. Der Fall, den das Cottbuser Amtsgericht beschäftigt, passierte am 2. Juni in einem Lebensmittelmarkt im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf. Kurz vor 20 Uhr soll er im Penny-Markt versucht haben, vier Schokoladentafeln und mehrere Kinderriegel zu stehlen - Süßigkeiten im Wert von insgesamt 10,13 Euro.

Die Kassierin und ihr Mann sollen ihn gestellt und die Polizei benachrichtigt haben. Als die zwei Polizisten ankamen, wehrte sich der junge Mann heftig gegen die Festnahme, bis die Handschellen klicken konnten. Doch da zu diesem Zeitpunkt nichts gegen den jungen Mann vorlag, ließ ihn die Polizei nach Aufnahme der Tat wieder gehen.

"Die Chance war gering, dass er heute tatsächlich zur Verhandlung kommt", sagt Amtsrichter Merz. Ilja P. ist lettischer Staatsbürger, aber mit einer Adresse in Ludwigsfelde gemeldet. Ein Vernehmungsprotokoll in den Akten war auf Russisch geführt worden. Nach einem Urteil des Amtsgerichtes Eisenhüttenstadt blieb er zwar auf freiem Fuß, aber eine Bewährungszeit laufe. Bezahlt ein Angeklagter die Geldstrafen, zu denen er verurteilt wird, nicht binnen der angesetzten Frist, wird ein Vollstreckungshaftbefehl gestellt. "Wenn er dann das nächste Mal festgenommen wird, sieht die Polizei, dass er gesucht wird, und bringt ihn zur nächstgelegenen Justizvollzugsanstalt", erklärt Richter Merz.

Wegen der Schokolade und des Widerstands gegen die Polizisten am 2. Juni 2014 in Sachsendorf verurteilt ihn das Cottbuser Amtsgericht zu einer Geldstrafe von insgesamt 500 Euro - in 50 Tagessätzen zu je zehn Euro. Zu einer weiteren Verhandlung wegen eines Diebstahls mit Hausfriedensbruch soll der Lette schon im Mai eingeladen sein - diesmal nach Berlin. Die Übersetzerin hat den Termin schon bekommen. Fraglich ist auch da, ob er erscheint.