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Leid lindern bei Rheuma, Asthma, Burnout

Ergotherapeutin Mandy Düsterhöft ist eine wichtige Stütze für Dr. Dieter Sikorski.
Ergotherapeutin Mandy Düsterhöft ist eine wichtige Stütze für Dr. Dieter Sikorski. FOTO: hil
Cottbus. Vor wenigen Jahren noch war der enge Zusammenhang zwischen körperlichen Beschwerden und psychischen Belastungen schambehaftet. Dass sich daran einiges geändert hat, zeigt sich im Carl-Thiem-Klinikum: Ab sofort können sich Patienten in einer psychosomatischen Abteilung ganzheitlich behandeln lassen. Andrea Hilscher

Noch riecht es leicht nach frischer Farbe, in einigen Räumen der neuen psychosomatischen Abteilung am Carl-Thiem-Klinikum regiert noch das fröhliche Provisorium. "Aber das wird sich alles schnell finden", freut sich Dr. Dieter Sikorski, der als ehemaliger Chefarzt nun aus dem Ruhestand heraus die Leitung der neuen Abteilung übernommen hat. Ab sofort stehen in den liebevoll renovierten Räumen des Altbaus 20 stationäre und zwölf tagesklinische Plätze unter dem Dach der Psychiatrischen Klinik bereit, um Patienten mit den unterschiedlichsten Beschwerden zu helfen.

Dieter Sikorski, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, ist glücklich über diese neue Möglichkeit. "Seit berühmte Fußballer offen zu ihren Depressionen stehen und Burnout in aller Munde ist, trauen sich die Menschen endlich, über den Zusammenhang zwischen ihren körperlichen Beschwerden und psychischen Belastungen zu sprechen - und sich entsprechend behandeln zu lassen." Überraschend: Neben Erschöpfungszuständen stehen in Sikorskis Abteilung auch sehr viel handfestere Krankheitsbilder auf der Agenda. "Rheuma, Asthma oder chronische Magenerkrankungen werden sehr stark von der Psyche beeinflusst."

Ein klassischer Fall aus der Praxis: Eine junge Frau (23) leidet regelmäßig unter starken Magenbeschwerden, Krämpfen und Kopfschmerzanfällen, die sich nur schwer mit Medikamenten eindämmen lassen. "Im Gespräch haben wir herausgefunden, dass die junge Frau in ihrer Kindheit zwar sehr viel Liebe erfahren hat, es in der Partnerschaft der Eltern aber große Krisen gegeben hat", so der Facharzt. Die junge Frau habe als Partnerersatz für die Mutter herhalten müssen, konnte sich nicht eigenständig entwickeln und hat nie gelernt, ihren eigenen Ärger auszuleben.

"In der Therapie können wir diese Zusammenhänge analytisch aufarbeiten und ihr helfen, selbstständiger und selbstbewusster zu werden", ist Dieter Sikorski überzeugt. "Am Ende des Weges kann diese Frau beschwerdefrei leben." Bis es soweit ist, könne es aber einige Zeit dauern. "Wir reden hier nicht von einigen wenigen Wochen, diese Veränderungen brauchen Zeit."

Neben tiefenpsychologisch orientierter Gruppentherapie und Analyse stehen in der neuen Abteilung auch Ergotherapie, Entspannungstechniken und eine Psychoedukationsgruppe auf dem Behandlungsplan. "Die Patienten sollen lernen, sich selbst wahrzunehmen, ihre Grenzen klar zu definieren und mit anderen Menschen Konflikte zu regeln", sagt Dieter Sikorski. Wenn sie dazu bereit seien, gebe es erstaunlich schnelle und deutliche Behandlungserfolge. Eine Berufsschullehrerin aus seiner Praxis habe ihr Leben lang um Anerkennung gekämpft, die ihr in ihrer Kindheit vorenthalten wurde. Im Beruf hat sie quasi rund um die Uhr gearbeitet, bis zur völligen Erschöpfung. In der Therapie hat sie gelernt, ihre Ansprüche an sich selbst herunterzuschrauben und Freude zu empfinden, wenn sie einfach schöne Dinge zu ihrem Vergnügen unternimmt. Heute ist sie wieder voll arbeitsfähig und zufrieden mit sich und ihrer Umgebung. "Aber auch Asthma- und Rheumapatienten leiden nach einer Behandlung deutlich seltener unter Krankheitsschüben, die Anfälle sind nicht mehr so schwer und die Patienten brauchen weniger Medikamente", sagt Dieter Sikorski. Gerade Rheumapatienten seien oft aggressionsgehemmt, müssten lernen, ihren Ärger nicht in sich hineinzufressen.

Daher werden die Ärzte der psychosomatischen Abteilung künftig auch Patienten der anderen Fachkliniken des CTK helfen, um chronische Leiden zu lindern.