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| 02:33 Uhr

Leichhardt wird zum Romanhelden

Kramt bei der Recherche für seinen Roman ganz tief in Archiven: Klaus Kilian beim RUNDSCHAU-Redaktionsbesuch.
Kramt bei der Recherche für seinen Roman ganz tief in Archiven: Klaus Kilian beim RUNDSCHAU-Redaktionsbesuch. FOTO: Elsner
Cottbus. Ludwig Leichhardt folgte dem Mythos des letzten unbekannten Kontinents in die australischen Kolonien des britischen Empires. Durch sein rätselhaftes Verschwinden ist der Forscher aus der Lausitz dabei selbst zu einem Mythos geworden, der bis heute nichts von seinem Reiz eingebüßt hat. Einer, den Leichhardts Schicksal nicht loslässt, ist der Hamburger Autor Klaus Kilian. Ulrike Elsner

Vor etwa fünf Jahren haben sie sich kennengelernt, und seitdem ist Klaus Kilian regelmäßiger Gast des Cottbuser Ludwig-Leichhardt-Arbeitskreises. "Es ist toll, wie intensiv sich die Gruppe über einen so langen Zeitraum mit dem Leben und Werk Leichhardts beschäftigt", lobt der Autor. Die Leichhardtfreunde werden dieses Kompliment ehrlichen Herzens erwidern. Denn Klaus Kilian ist genauso wie sie vom "Leichhardt-Virus" infiziert, der sie alle immer weiter forschen lässt. Was den Autor an dem berühmten Australienforscher fasziniert, sind - wie er selbst sagt - "sein Wagemut, mit dem er sich über alle Schwierigkeiten hinweggesetzt hat, und sein Optimismus".

Klaus Kilian hat drei Jahre in Australien gelebt und dort als Journalist bei einer deutschen Zeitschrift gearbeitet. "Im Herzen bin ich immer noch Australier", bekennt der 67-Jährige, der sich nach seinem Abschied vom Berufsleben intensiv mit dem Schicksal des Mannes beschäftigt, der 1848 im australischen Outback verschwunden ist.

Ziel der Recherche ist eine Romantrilogie, deren erster Teil "Dubios" der Kolonialzeit des Erdteils und Ludwig Leichhardt gewidmet ist. Der Roman ist als E-Book erschienen und soll vor allem Jugendlichen den fünften Kontinent näherbringen. "Ich schreibe für die 50 000 Schüler und Studenten, die jährlich nach Australien gehen", räumt Klaus Kilian ein. Auch aus diesem Grund sei der Preis mit 3,99 Euro relativ niedrig. Das Konzept geht auf. "Ich freue mich über die zahlreichen Reaktionen insbesondere von jungen Lesern", teilt der Autor der RUNDSCHAU zu Jahresbeginn mit.

Der für Mitte des Jahres angekündigte zweite Teil beschäftigt sich mit der Zeit vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Giftgas-Anschlag in Tokio 1998. Teil 3 soll schließlich in die Neuzeit führen und die Kämpfe um Australiens reiche Rohstoffvorkommen zum Inhalt haben.

In "Dubios" erhalten fünf Australien-Experten eine Einladung nach Genf: Mit moderner IT-Technik, Datenanalyse und Profiling sollen sie das Leichhardt-Mysterium klären. Lösen sie das Geheimnis, so wartet auf jeden von ihnen eine Prämie von einer Million US-Dollar. Dabei werden Fragen aufgeworfen wie: Wurde ein Mordkomplott gegen Leichhardt geschmiedet oder wollte er selbst verschwinden? Und: Wer ist im Besitz der verschollenen Aufzeichnungen des Forschers?

Für die Recherche hat der Hamburger keine Mühen gescheut. Er sagt: "Ich schreibe gerne Bücher, um selbst etwas zu lernen." Seine Quellen reichen von der Angelzeitung, die sich mit dem Flusssystem Australiens befasst, bis zu Gerichtsprotokollen und den Passagierlisten der Schiffe, die während der Kolonialzeit 160 000 Häftlinge, darunter viele Schwerverbrecher, in die damalige Sträflingskolonie gebracht haben.

Der Autor glaubt, dass es sich bei den nachträglich für die Ost-West-Durchquerung des Kontinents angeheuerten zwei Arbeitern um Sträflinge, mehr noch: um mehrfache Mörder, handelte. "Der Expedition wurden diese Leute untergeschoben", sagt Klaus Kilian. Außerdem habe Leichhardt in seinen Tagebüchern selbst über vergiftetes Mehl im Proviant berichtet.

All das sind Zutaten für beste Spannungsliteratur. Wenn dabei aber das Interesse für einen Mann geweckt wird, der zu den bedeutendsten Entdeckern der Welt gehört: umso besser.

www.kilian-autor.de