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Lebenswerk inspiriert von Pückler

Arbeitseinsatz des Jugendklubs "Ludwig Leichhardt" am Bezirksmuseum Cottbus 1988 im Tertiärwald.
Arbeitseinsatz des Jugendklubs "Ludwig Leichhardt" am Bezirksmuseum Cottbus 1988 im Tertiärwald. FOTO: Ursula Striegler
Cottbus. Liebe zu den Pflanzen, wissenschaftliche Neugier und eine gehörige Portion Pücklerscher Gestaltungswille haben bei der Anlage des Cottbuser Tertiärwalds Pate gestanden. Vor 30 Jahren, genauer: im April 1987, haben die Geologen Ursula und Rolf Striegler auf einem rund anderthalb Hektar großen Gelände am Rande des Tierparks mit der wissenschaftlich belegten Nachgestaltung der Flusslandschaft der Ur-Elbe begonnen, die vor zehn Millionen Jahren die Niederlausitz prägte. Ulrike Elsner

Die Grundlage dazu bildeten Fossilien aus der Blättertongrube Wischgrund bei Lauchhammer.

Der Standort war ideal. Im Überschwemmungsgebiet zwischen zwei parallel zum Spreedamm verlaufenden Wällen fand der Sumpfwald, auf den Erhebungen Buchen- und Eichenwald, dazwischen der Hartholz-Auwald ideale Wachstumsbedingungen. Voraussetzung waren jedoch viel Fantasie und Enthusiasmus der Akteure, denn vorerst bestimmten wuchernde Goldrute und Brennnesseln das Bild.

Die Konzeption gründete sich auf akribische Zählungen der in Wischgrund zutage geförderten Blattfossilien. "Zuerst haben wir kleine Eichen gepflanzt", erinnert sich Ursula Striegler. Die ersten Sumpfzypressen waren eine Schenkung des Botanischen Gartens Dresden. "Das hat uns beflügelt", erinnert sich die Geologin. Ziel war die Schaffung einer Außenanlage des Museums, die zu den für 1990 geplanten Arbeiterfestspielen eröffnet werden sollte.

Amberbäume, Kopfeiben und andere Arten kamen hinzu. Die Pflanzungen im Tertiärwald zu versorgen, war nicht unproblematisch. "Anfangs mussten wir zum Wasserholen mit zwei Eimern rund hundert Meter zur Spree laufen", erinnert sich Ursula Striegler. Erst nach der Wende wurde eine Pumpe installiert. Gießen, Unkraut jäten, all das geschah in der Freizeit, auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. Unterstützt wurde das Paar von Museumsmitarbeitern. Auch der Jugendklub "Ludwig Leichhardt" beteiligte sich mit zwei Einsätzen an den Arbeiten.

Doch den zarten Bäumchen drohte immer wieder Gefahr. Damhirsche aus dem Tierpark konnten als Verursacher abgebrochener Äste ausgemacht und an weiteren Ausbrüchen gehindert werden. Auch ein Zirkuselefant richtete beim Spaziergang mit einem Tierpfleger Schaden an.

Doch die Bäume wuchsen heran. Nach der Wende wurden Strieglers anfangs von zwei Zivildienstleistenden unterstützt, später gab es ABM-Stellen. "Unser wichtigster Unterstützer war der Gartenbaumeister Rudi Schaepe", sagt Ursula Striegler. Die Bundesgartenschau 1995 in Cottbus war ein Glücksfall für den Tertiärwald, auch wenn die Geologen immer auf der Lauer liegen mussten, damit der Anlage kein Schaden zugefügt wurde. Einen Hauptweg mitten durch die Pflanzung konnten sie genauso verhindern wie das Zuschütten einer Senke. Dass sich am Ende ein Gärtner aus Süddeutschland mit ihrem Werk schmückte, nehmen die beiden gelassen. Denn ab 1992 wurde viel gepflanzt, auch für größere Bäume war jetzt Geld da.

Mit dem heutigen Zustand des Tertiärwalds ist Rolf Striegler zufrieden. Wichtigste Aufgabe ist jetzt die Beseitigung jener Gehölze, die nicht in die Anlage passen. Wenn der Winter vorbei ist, trifft sich der zuständige Arbeitskreis des Naturwissenschaftlichen Vereins Niederlausitz wieder jeden Donnerstag. Zum jetzigen Bestand gehören 22 Amber-, 29 Tupelo- und 13 Eisenholzbäume, 27 Schwarzkiefern, sieben Kuchenbäume und 230 Sumpfzypressen. Schmunzelnd konstatiert Rolf Striegler: "Der Tertiärwald ist das größte Sumpfzypressenvorkommen Mitteleuropas."

25. März, 13 Uhr: "30 Jahre Tertiärwald", Vortrag von Ursula Striegler im Stadtmuseum

Führung durch den Tertiärwald mit Dr. Oliver Niemzig.
Führung durch den Tertiärwald mit Dr. Oliver Niemzig. FOTO: Iris Zachow
Ursula und Rolf Striegler
Ursula und Rolf Striegler FOTO: NVN