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| 12:08 Uhr

Lebensabend der großen Damen

Eine Erfrischung gefällig? Die beiden Cottbuser Elefantendamen Sundali (l.) und Karla erhalten an heißen Tagen von Tierpflegerin Karin Lehnert eine kalte Dusche.
Eine Erfrischung gefällig? Die beiden Cottbuser Elefantendamen Sundali (l.) und Karla erhalten an heißen Tagen von Tierpflegerin Karin Lehnert eine kalte Dusche. FOTO: dpa
Cottbus. Elefanten können in Cottbus entspannt alt werden, so das Urteil von Fachleuten. Sollten Karla und Sundali sich irgendwann verabschieden, hält sich der Tierpark alle Optionen offen. Andrea Hilscher

Die Elefantendamen im Tierpark sind um die 50, den größten Teil ihres Lebens haben sie in Cottbus verbracht. Die Welt um sie herum hat sich rasant verändert, und mit ihr auch die Ansprüche an eine artgerechte Tierhaltung. Ein Fachmagazin hat dem Tierpark kürzlich bescheinigt, dass die Seniorinnen hier einen entspannten Lebensabend genießen, unter ausgesprochen guten Bedingungen. Grund genug, um einmal nachzufragen, wie es Sundali und Karla eigentlich geht - und welche Zukunft die Elefantenhaltung in Cottbus langfristig haben kann. Tierparkchef Jens Kämmerling erklärt, worauf es bei einer artgerechten Haltung der Dickhäuter überhaupt ankommt.

Die Anfänge: Bis in die 1970er-Jahre wurden Elefanten aus Asien nach Europa gebracht, die zahm und umgänglich waren - weil ihnen zuvor mit oft unschönen Methoden der Willen gebrochen wurde. Jens Kämmerling: "Darauf war die Haltung ausgerichtet: Die Tierpfleger hatten direkten Kontakt zu den Tieren, wenn sie sie rein- oder rauslassen, füttern oder bürsten mussten."

Veränderungen: In den 1980er-Jahren wurde klar, dass nicht unbegrenzt Elefanten aus Asien importiert werden können, die europäischen Tierparks mussten über eigene Zuchtprogramme nachdenken und die Haltungsbedingungen überdenken: Es galt, sichere Gehege und Ställe auch für dominante Kühe und Bullen zu entwickeln und möglichst natürliche Familienstrukturen zu entwickeln und zu erhalten: Die Pfleger reduzierten den direkten Kontakt zu den Tieren, agierten von außen durch Schutzgitter. Die Elefanten selbst erhielten mehr Platz, wurden zumeist auch nachts gemeinsam in Laufställen untergebracht.

Warum Sundali und Karla trotzdem noch getrennt schlafen: Die beiden Damen vertragen sich zwar gut, doch in dem relativ kleinen Elefantenhaus könnte es nachts stressig werden: Sundali stünde unter ständiger Anspannung, ob die etwas dominantere Karla sie bedrängen würde. Jens Kämmerling: "In getrennten Boxen können beide Tiere nachts entspannen. Besucher können das hautnah miterleben, wenn sie abends ins Elefantenhaus gehen. Mit welcher Gelassenheit die Tiere dort fressen und agieren, ist sehenswert."

Haben die beiden trotzdem genug Auslauf? Sundali und Karla kommen morgens sehr früh nach draußen, werden abends zumeist als Letzte reingeholt. Ihr Gelände, früher ein unbeschattetes Gehege, wurde auf 2500 Quadratmeter erweitert, bietet ihnen Baumschatten, eine Suhle und viele Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Kämmerling: "Sie bohren tiefe Löcher bis zum Grundwasser, bekommen täglich frische Äste, sie werden geduscht, besanden sich und bekommen dann eine Bürstenmassage."

Wie lange leben Elefanten? Sundali und Karla haben gute Chancen, die 60 zu erreichen. Sie leiden nicht unter größeren gesundheitlichen Problemen. Sundali wird ein wenig von Arthrose geplagt, beide müssen regelmäßig zur Fußpflege.

Wer kümmert sich um die Damen? Da Karla keinen Draht zu Männern hat, arbeiten nur Frauen im direkten Kontakt mit den Elefanten: Karin Lehnert, Yvonne Weigelt und Heike Jandke haben das Vertrauen der Tiere gewonnen, müssen nicht auf Dominanzbekundungen zurückgreifen, um sich durchzusetzen - Beobachter registrieren ein entspanntes Miteinander.

Und was, wenn einer der Elefanten stirbt? Klar ist, dass der überlebende Elefant nicht über Jahre hinweg allein in Cottbus gehalten werden darf. "Aber", so Jens Kämmerling, "es wäre auch ein Unding, ein so altes Tier einfach wegzugeben." Kämmerling will sich alle Optionen offenhalten - von kleineren baulichen Erweiterungen, falls ein neues Tier mit einziehen würde, bis hin zu einem neuen Elefantenhaus und dem Aufbau einer ganz neuen Dickhäutergruppe. "Man kann nicht absehen, wie sich die Elefantenhaltung in fünf oder zehn Jahren entwickelt, aber wir wollen für alle Varianten offenbleiben."

Zum Thema:
Seit 47 Jahren werden in Cottbus Elefanten gehalten. Als erster Elefant kam die damals einjährige Sundali 1969 nach Cottbus, kurz darauf zog die vierjährige Karla in den Tierpark ein. 1979 wurde die zweijährige Preya zu den älteren Kühen gestellt, vertrug sich aber kaum mit ihnen. 1995 wurde Preya daher in den Zoo Münster abgegeben. Das Elefantenhaus wurde 1979 gebaut, ist acht Meter hoch. Die Elefantenboxen messen jeweils rund 30 Quadratmeter. Der Asphaltboden wird der besseren Verträglichkeit wegen teilweise mit Stroh eingestreut.