| 02:33 Uhr

Lebendige Bergbaugeschichte

Klaus-Dieter Ortmann zeigt eine Grubenlampe aus Wales, die zu den schönsten Stücken seiner bergbauhistorischen Sammlung gehört.
Klaus-Dieter Ortmann zeigt eine Grubenlampe aus Wales, die zu den schönsten Stücken seiner bergbauhistorischen Sammlung gehört. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. 1986 war ein Schicksalsjahr für Klaus-Dieter Ortmann. Der junge Maschinist für Großgeräte aus den Harzer Kalk- und Zementwerken Rübeland wurde zum Winterkampf ins Lausitzer Braunkohlerevier geschickt. Ulrike Elsner

Der Frühling kam, und er blieb, arbeitete fortan in den Tagesanlagen des Braunkohlenwerkes Cottbus. Dass es sich in den damaligen Arbeiterwohnunterkünften ganz gut aushalten ließ, spielte dabei eine nicht geringe Rolle.

Klaus-Dieter Ortmann war und blieb ein Bergmann mit Leib und Seele. Auch 1991 noch - der Bergbau war im Umbruch, als er zur Knappschaft wechselte. Noch heute ist der 57-Jährige als Haushandwerker bei der Knappschaft Bahn See in Cottbus tätig. Und er frönt einer Sammelleidenschaft, deren Ergebnisse nicht nur gestandene Bergleute begeistern.

"Zum Lebendigen Adventskalender hat Klaus Ortmann seine Bergmannsuniform mit Federhut und Barte angelegt", berichtet Randi Michler, Pressesprecherin der Knappschaft. Auch eine kleine Ausstellung aus seiner Sammlung ist dort gezeigt worden.

Im großen Festsaal sorgen zwei Vitrinen mit einigen besonders schönen Objekten regelmäßig für Gesprächsstoff. Den soll es demnächst auch im Wartebereich für die Versicherten geben. Denn auch hier ist geplant, zwei Vitrinen mit Exponaten aus Klaus-Dieter Ortmanns Sammlung aufzustellen.

Der Grundstock dieser Sammlung war eine Grubenlampe, die der Bergmann noch zur DDR-Zeit als Auszeichnung bekommen hat. "Damals wollte ich wissen, was für Lampen es sonst noch gibt", erinnert sich der Sammler. Inzwischen hat er sie alle: Karbid-, Öl-, Benzin- und elektrische Lampen. Insgesamt gehören schätzungsweise 500 Objekte zu Klaus-Dieter Ortmanns Sammlung, darunter Bergbaugeschirr, Bierkrüge, Dokumente, Bücher, Paradeuniformen und "Kumpeltod".

"Wer über Tage gearbeitet hat, bekam einen Liter pro Monat von diesem Grubenfusel zum Preis von 1,12 Mark je halbem Liter", erinnert sich der Bergmann. Für Unter-Tage-Arbeiter gab es das Doppelte. Der Hochprozentige durfte weder verschenkt noch verkauft werden, eignete sich aber hervorragend für die Herstellung von Eierlikör und anderen Likören.

Seine Schätze findet der Sammler bei Ebay oder auf Trödelmärkten. Manchem Objekt, wie einer bestimmten Barbara-Figur oder zwei fehlenden Stücken einer Bergbau-Münzserie, ist er lange hinterhergejagt. Anderes, wie ein unter einer Dreckkruste kaum erkennbarer Theodolit (Winkelmessinstrument der Markscheider), war ein Zufallsfund.

Dem Vier-Seiten-Hof in Drehnow, den er mit seiner Frau Cornelia bewohnt, gibt Klaus-Dieter Ortmanns Sammelleidenschaft einen besonderen Charakter. "Andere Leute sammeln Gartenzwerge, bei mir sind es eben größere Objekte", gibt er zu. Und tatsächlich hat der Bohrhammer vor der Haustür vor Jahren den Argwohn der Nachbarn geweckt und sogar die Polizei auf den Plan gerufen. Die bestätigte allerdings: alles völlig harmlos.

Mittlerweile sind die Nachbarn vollends versöhnt. Wer bei der Knappschaft versichert ist, überlässt Klaus-Dieter Ortmann meist sogar seine Post. Für den Fall, dass er diesen Botendienst einmal nicht ausüben kann, hält der Sammler drei Magnete für seinen Briefkasten bereit: Auf einem steht "Bin krank", auf dem zweiten "Hab Urlaub" und auf dem dritten "Bin nicht da".

Grubenlampen, ein Tschako (Galakopfbedeckung der Bergleute) und eine Keramikfigur schmücken Ortmanns Wohnzimmerschrank.
Grubenlampen, ein Tschako (Galakopfbedeckung der Bergleute) und eine Keramikfigur schmücken Ortmanns Wohnzimmerschrank. FOTO: privat