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Leben in Internaten ist kein Zuckerschlecken

Hereinspaziert: Doreen Hufnagel leitet das Niedersorbische Internat.
Hereinspaziert: Doreen Hufnagel leitet das Niedersorbische Internat. FOTO: Wolfgang Rakel
Cottbus. Für viele Kinder und Jugendliche ist es die einzige Möglichkeit, täglich die Schule zu besuchen, ohne dabei stundenlange Fahrzeiten auf sich zu nehmen: ein Platz im Internat. Auch in Cottbus gehört dies für zahlreiche Schüler zum Alltag. Die RUNDSCHAU stellt das Leben im Internat vor. René Wappler

Das kleinste Internat in Cottbus, gemessen an der Zahl der Plätze, ist das Wohnheim des Niedersorbischen Gymnasiums. 2002 entstand in der Nähe des Schulgebäudes das Internatshaus, finanziert durch die Stiftung für das Sorbische Volk. Seitdem bietet die Einrichtung Platz für 42 Schüler. Doreen Hufnagel, Leiterin des Hauses, beschreibt es als "kleines, familiäres Internat", da aufgrund der geringen Bewohnerzahl Schüler und Erzieher sehr eng zusammenleben. Gelebt wird hier nach den Bräuchen der Sorben, das zeigt sich vor allem bei den außerschulischen Veranstaltungen. Von Vogelhochzeit über Ostereiermalen bis hin zur sorbischen Kirmes ist alles dabei. "Wir organisieren die Veranstaltungen mit den Schülern und auch mal mit den Eltern zusammen", erklärt Hufnagel. Daneben stehen auch immer wieder Bowlingabende und Filmprojekte auf dem Monatsplan. "Als nächstes drehen wir einen Horrorfilm. Das haben sich die Schüler gewünscht." Finanziert werden die Veranstaltungen und Projekte von der Domowina und dem WITAJ-Sprachzentrum, die damit die Wissensvermittlung über Geschichte und Traditionen des Sorbischen Volkes fördern wollen.

Derzeit sind 25 Schüler im Internat untergebracht. Die geringe Belegung zieht sich schon über mehrere Jahre. Da die meisten Schüler des Gymnasiums aus Cottbus und Umgebung kommen, sei es für sie immer noch günstiger, den Bus oder andere Verkehrsmittel zu nutzen. Der Platz im Internat kostet laut Hufnagel im Monat 137,50 Euro, da er zum Teil von der Stiftung des sorbischen Volkes mitfinanziert wird. Dafür wird den Kindern eine Rundumbetreuung geboten, sodass sie stets Beschäftigung finden. Der Alltag beginnt im Wohnheim morgens um 6.30 Uhr, wenn die Kinder von den Erziehern geweckt werden. Anschließend wird gemeinsam gefrühstückt, bevor es in die Schule geht. Nachmittags sollen sich die Schüler dann zunächst während der Betreuungszeiten um ihre Hausarbeiten kümmern. Hierbei sei laut Hufnagel zu beobachten, dass die Schüler sich vor allem gegenseitig helfen. Für die verbleibende Freizeit wird ihnen dann eine Vielzahl von Möglichkeiten geboten. So ist das Internat zum Beispiel mit einem Fitnessraum und einer Fernsehecke ausgestattet. Oft seien die Kinder aber auch einfach in der Stadt unterwegs. "Hauptsache sie sind abends zu den vereinbarten Zeiten zurück", erklärt Hufnagel.

Für die Schüler der Sportschule Cottbus bietet sich meist nicht so viel Freizeit. Der Tag beginnt hier früh um sechs, wenn die Schüler aufstehen und frühstücken. Da sie neben der Schule oft auch mehrere Trainingseinheiten am Tag absolvieren, kommen sie meist erst nach 19 Uhr zu Ruhe, erklärt Tobias Friedrich, Leiter des Internats. Nicht selten haben sie da aber ihre Hausarbeiten noch gar nicht erledigt. Die verbleibende Freizeit können sie dann in den Gemeinschafts- oder Freizeiträumen des Internats verbringen. "Wir veranstalten dort zum Beispiel Diskos oder Filmabende" erläutert Friedrich. Die besondere Belastung entstehe für die Schüler dadurch, dass sie zusätzlich an den Wochenenden Wettkämpfe in ihrer jeweiligen Sportart austragen. So sei es laut Friedrich nicht selten, dass die Kinder und Jugendlichen auch am Wochenende oder sogar in den Ferien im Internat bleiben. "Einige Trainer sagen, Ferienzeit ist die beste Trainingszeit" sagt Friedrich.

Derzeit beherbergt das von ihm geleitete Haus der Athleten, so der Name des Wohnheims, fast 350 Schüler. Ursprünglich stand der Sportschule nur ein Gebäude mit weitaus weniger Zimmern und Betten zur Verfügung. Doch aufgrund der hohen Nachfrage wurde 2008 das zweite Haus dazu gemietet. Für einen Platz zahlen Eltern hier 200 Euro, wobei die tatsächlichen Kosten weit über 800 Euro liegen. Auch hier übernimmt ein externer Träger den Großteil des Betrags, in dem Fall der Sportstättenbetrieb. Dementsprechend sind auch die Anforderungen an die Sportler. "Ohne eine sportliche Leistungsempfehlung kommt man hier in der Regel nicht rein" beschreibt Friedrich das Auswahlverfahren der Sportschule.

Dafür werde den Schülern ein Standort mit idealen Trainingsbedingungen geboten. "Die Nähe der Sportstätten zum Internat gibt es meines Wissens in der Form sonst nirgendwo in Deutschland" sagt Friedrich. Ebenso können sich die Kinder und Jugendlichen ihr Wohnheim zum Teil nach ihren Vorstellungen einrichten. So durften sie bei der farblichen Gestaltung einiger Räume und Flure mitbestimmen, was eine erstaunliche Wirkung erzielte. "Seitdem haben wir hier zu 99 Prozent keine Schmierereien mehr an den Wänden" erklärt Friedrich.

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