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| 19:06 Uhr

Tagebaufolgen
Leag zahlt für Lausitzer Seen-Rettung

Cottbus/Spree-Neiße. Mit drei Millionen Euro Kosten rechnet der Bergbaubetreiber für Klein-, Groß- und Pinnower See. Von Daniel Schauff

Ständig hätten ihn die Leute gefragt, wie es denn nun weitergehe. Ständig habe seine Verwaltung hinhalten müssen. Ständig habe es geheißen: „Ihr tut ja nichts.“ „Ich bin froh, dass ich den Bürgern jetzt endlich etwas sagen kann“, sagt Peter Jeschke. Jeschke ist Bürgermeister in Schenkendöbern, zur Großgemeinde gehört das Örtchen Pinnow, zu Pinnow der Pinnower See. Dessen Anrainer tragen seit Jahren tiefe Sorgenfalten im Gesicht. Der Pegel sinkt und sinkt. Und lange war nicht klar, woran es liegt. Jetzt hat sich das Blatt gewendet.

Die Arbeitsgruppe aus Ministerium, Berbau- und Umweltamt und Leag stellte am Donnerstag die Maßnahmen zur Seenrettung vor.
Die Arbeitsgruppe aus Ministerium, Berbau- und Umweltamt und Leag stellte am Donnerstag die Maßnahmen zur Seenrettung vor. FOTO: LR / Daniel Schauff

Der Tagebaubetreiber Leag hat am Donnerstag erstmals eingestanden, dass der Tagebau Jänschwalde für den sinkenden Wasserstand im Pinnower See verantwortlich ist, zumindest einen Anteil daran hat. Wie dem Pinnower See geht es auch dem Großsee, dem Kleinsee. Die Verantwortung übernimmt die Leag für alle Sorgen-Seen zwischen Jänschwalde und Guben. Und die Leag zahlt. Von drei Millionen Euro spricht Ingolf Arnold, Geotechniker beim Bergbaubetreiber. Mit dem Geld will die Leag die Seen retten, Brunnen bauen, Wasser einleiten.

Bis jetzt hatte die Leag jede Verantwortung für die niedrigen Wasserstände in den Tagebau-nahen Seen von sich gewiesen. Ihren Daten zufolge liege keins der Gewässer im Grundwasser-Absenkungstrichter für den Tagebau. Damit widersprach das Unternehmen den Erkenntnissen des brandenburgischen Landesumweltministeriums: Das hatte einen Zusammenhang zwischen Tagebau und sinkendem Pegel bereits im Dezember 2017 festgestellt – allerdings auch betont: Der Bergbau sei nur einer von vielen Gründen für den niedrigen Wasserstand. Alle Seen in Brandenburg würden seit den 1980er-Jahren Wasser verlieren, vermutlich auch bedingt durch den Klimawandel. Der Wasserverlust in den Seen im östlichen Spree-Neiße-Kreis sei nur damit aber nicht zu erklären.

Erkennbar werde der tagebaubedingte Wasserverlust ab 2010. Der Pegelstand von vor acht Jahren ist nun der Richtwert, den die Leag mit der Wassereinspeisung wieder erreichen soll. Das ist ein Ergebnis aus der Arbeitsgruppe, in der unter anderem das Bergbau- und das Umweltamt mit der Leag und weiteren Akteuren nach Lösungen für den Seen-Notstand gesucht hat.

Lange warten müssen See und Anrainer nicht auf die Rettung: Das Ziel sei es, 2021 die Wasserstände von 2010 wieder erreicht zu haben, sagt Thomas Koch, Geohydrologe bei der Leag. Im Frühjahr 2019 soll die Einspeisung bereits beginnen, literweise Wasser pro Sekunde in die Seen fließen. Alle anderen Varianten, darunter Abdichtung der Seenböden oder der Bau einer Dichtungswand südlich der Seen, seien entweder zu teuer, zu uneffektiv oder zu gefährlich für die Wasserqualität. Die werde sich voraussichtlich nicht verschlechtern, sagt Kurt Augustin, Leiter der Abteilung Wasser- und Bodenschutz beim Landesumweltministerium. Im Gegenteil: Das Beispiel Pastlingsee zeige, dass sich die Qualität des Wassers bei der Einspeisung über Brunnen sogar verbessern könne. Der Pastlingsee – unweit der betroffenen Seen im Umland, hatte bis 2015 so viel Wasser verloren, dass ein massives Fischsterben eingetreten war. Die Leag hat die Einspeisung von Wasser übernommen, der Zustand des Sees hat sich seitdem verbessert.

Ähnliche Aussichten gibt es nun auch für die übrigen Seen im Umkreis – nach langem Hin und Her. 20 Jahre lang will die Leag die Technik mindestens verwenden, um den Wasserstand der Seen zu halten.