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Leag fährt Ausbildung zurück

Fräsen und Drehen gehört zu den Grundfertigkeiten, die in den Leag-Ausbildungswerkstätten eingeübt werden.
Fräsen und Drehen gehört zu den Grundfertigkeiten, die in den Leag-Ausbildungswerkstätten eingeübt werden. FOTO: hil
Cottbus. Heinz-Wilhelm Müller, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Cottbus, muss derzeit die Gefühle im Eiltempo wechseln: Mal freut er sich über das gestiegene Angebot an freien Stellen auf dem Ausbildungsmarkt, dann wieder muss er akzeptieren, dass ausgerechnet einer der wichtigsten Ausbilder der Region seine Angebote deutlich zurückfährt: Der Wandel hat die Lausitz fest im Griff. Michael von Bronk, Vorstandsmitglied der Leag, hat das Thema Ausbildung über viele Jahre hinweg begleitet. Andrea Hilscher

"Sowohl bei der Veag wie auch bei Vattenfall und jetzt bei der Leag waren die Unternehmen sich immer ihrer Verantwortung für die Region bewusst", so von Bronk. Über Jahre hinweg habe man immer deutlich über den eigenen Bedarf hinweg ausgebildet, um jungen Menschen eine Perspektive zu bieten. Von Bronk: "Erst seit den 2000er-Jahren konnten wir Azubis in Größenordnungen übernehmen." Seit 2003 hat der Energieversorger fast 2900 Jungfacharbeiter aus den eigenen Reihen eingestellt. "Damit konnten wir natürlich auch die Demografie in unserem Unternehmen positiv beeinflussen, den Altersbaum verjüngen", so von Bronk. Ein zweistelliger Millionenbetrag sei in die Hand genommen worden, um ältere Kollegen in Altersteilzeit zu schicken und einen vorzeitigen Generationswandel einzuleiten.

"Jetzt aber hat sich die Situation verändert", sagt der Leag-Vorstand. "Die von der Bundesregierung beschlossene Sicherheitsbereitschaft für zwei Kraftwerksblöcke in Jänschwalde bedeutet, dass wir unsere Leistung von 8000 MW um 1000 MW reduzieren." Damit sei ein Verlust von 500 bis 600 Arbeitsplätzen verbunden. "Und es ist logisch, dass wir dann auch die Kapazitäten der Ausbildungsstätten reduzieren."

Noch aber herrscht in den Werkstätten am Kraftwerk Jänschwalde Hochbetrieb. Angehende Industriemechatroniker, Elektroniker und Mechatroniker stehen an den modern ausgerüsteten Lehrwerkbänken und arbeiten sich in die Feinheiten ihres künftigen Berufes ein. Michelle Laartz (21) ist im ersten Lehrjahr, nimmt gerade am Hydraulik-Lehrgang teil. "Macht Spaß", sagt sie. "Ich wollte schon immer etwas Handwerkliches machen, habe mich vorher ausführlich informiert und bin jetzt sehr zufrieden." Sie ist eine der Nachwuchskräfte, wie sie sich Arbeitgeber und Vermittler wünschen. Offen, motiviert, gut vorbereitet.

"Leider haben wir auch zahlreiche junge Menschen, die schon um die 25 sind und noch keinerlei Ausbildungserfahrung haben", sagt Heinz-Wilhelm Müller von der Arbeitsagentur Cottbus. "Ihre Lebensperspektive ist Hartz IV." Um daran etwas zu ändern, sucht die Agentur nach Wegen, unwillige Bewerber zu motivieren. "Aber wir brauchen auch wohlwollende Arbeitgeber, die nicht nur die besten Kandidaten nehmen sondern auch mal den dritt- oder viertbesten", so Müller. Sonst stünden die Chancen schlecht, in der Lausitz alle freien Ausbildungsstellen zu besetzen.

Derzeit gibt es in Südbrandenburg 2352 Bewerber - 6,8 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Demgegenüber ist die Zahl der freien Ausbildungsplätze deutlich gewachsen - um 8,5 Prozent auf aktuell 3129.

Zum Thema:
Noch bis zum 31. März läuft bundesweit die Aktion "Woche der Ausbildung". In Cottbus können Eltern sich heute, 18.30 Uhr im Berufsbildungszentrum BIZ über unterschiedliche Ausbildungswege informieren. Am 30. März gibt es um 10 Uhr ein Infoangebot speziell für Flüchtlinge (Dolmetscher ist anwesend).Besonders schwer zu besetzen sind Lehrstellen im Bereich Küche und Gastronomie, Bäcker, Fleischer, Landwirt, Berufskraftfahrer, Fliesenleger, Anlagenmechaniker. Beton- und Stahlbauer.