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| 15:15 Uhr

Cottbus
Dem Dampflokclub geht der Dampf aus

Die Zukunft des Dampflokclubs ist ungewiss. Die Fahrten werden immer teurer, das Interesse immer weniger.
Die Zukunft des Dampflokclubs ist ungewiss. Die Fahrten werden immer teurer, das Interesse immer weniger. FOTO: Daniel Reitmann
Cottbus. Zwei Zugmaschinen des Lausitzer Vereins stehen in der Werkstatt. Die Reparaturen kosten Millionen. Gleichzeitig lässt das Interesse der Besucher an Nostalgiefahrten nach.

Der Name ist ein Versprechen. Lausitzer Dampflokclub. Kurz LDC. Doch was bleibt davon übrig, wenn die Dampflok davon abgezogen wird?

Diese Frage müssen sich die Ehrenamtler des Clubs dieser Tage leider immer wieder stellen. Denn beide vereinseigenen Dampfrösser stehen in der Werkstatt – das eine in Meiningen, das andere in Chemnitz. Um sie wieder auf die Schiene zu bekommen, werden Millionen fällig. Ein Kraftakt. Eine Rückkehr nach Cottbus? Ungewiss. Zumindest aus heutiger Sicht. Noch dazu kämpft der Club mit zurückgehenden Fahrgastzahlen.

Roland Kwasniok ist beim LDC für die Organisation der Nostalgiefahrten verantwortlich. Das sind die Erlebnistouren mit den historischen Maschinen unter Dampf. Früher ein Erfolgsgarant. Heute wird es immer schwieriger, die Züge voll zu bekommen.

Kwasniok ist unsentimental: „Machen wir uns nichts vor, die Nostalgiefahrten scheinen ein Auslaufmodell zu werden.“ Trotzdem will sich der Dampflokclub von seiner Leidenschaft nicht abbringen lassen. Kwasniok betont deshalb im nächsten Atemzug: „Wir vom LDC und unsere Partner werden uns dagegen stellen, solange es geht.“ So rückten die Veranstalter immer enger zusammen. Die Lausitzer haben in dem Dresdner Tschechien-Spezialisten Flügelradtouristik einen guten Partner gefunden, mit dem sie erfolgreich Fahrten organisiert haben. „Ab 2019 wird es einen gemeinsamen Jahresplan geben“, berichtet Roland Kwasniok. „Der Einsatz der Fahrzeuge wird weiter optimiert und die Anzahl der Fahrten von Jahr zu Jahr gekürzt.“ Sprich: Die Veranstalter – allesamt Vereine mit bahnliebenden Ehrenamtlern – machen lieber gemeinsame Sache, als sich unnötig Konkurrenz.

Sie alle kämpfen mit demselben Problem: Steigende Fahrpreise und sinkende Fahrgastzahlen. Kwasniok erklärt, warum der Club mehr Geld für die Touren nehmen muss. „Die Preise für Kohle, Diesel, Trasse, Station und Service steigen. Dazu kommt die Anmietung von Loks für die Fahrten.“ Die eigenen sind außer Dienst. „Da kommen allein für die reine Miete je nach Lok zwischen 3500 und 8000 Euro Miete zusammen“, sagt er. Damit nicht genug: „Die Lok muss aber auch nach Cottbus und wieder zurück kommen. Allein für die Überführung kommen schnell mal 1000 Euro zusammen. Dabei haben wir noch nicht einmal etwas gemacht.“ All das führe dazu, dass die Fahrpreise steigen. „Und es gibt immer weniger Menschen, die dies bezahlen wollen oder können.“

Die havarierte Dampflok 23 1019 bleibt bis auf Weiteres in Chemnitz. Roland Kwasniok erklärt: „Das Schicksal der Lok wird sich womöglich erst 2019 oder 2020 entscheiden.“ Bislang könnten keine festen Zusagen getroffen werden. Bislang gehe es immer noch um die Klärung der Geldsumme. Dafür wurde ein Gutachter eingeschaltet. Erst im zweiten Schritt gehe es um die Schuldfrage.

Das historische Gefährt der Baureihe 23 war beim Heizhausfest in Chemnitz im August 2017 über das Gleisende hinausgefahren und wurde dabei stark beschädigt. „Eine erste Untersuchung hat gezeigt, dass der Rahmen bei der Kesselauflage einen Riss aufweist“, erklärt er. Das sei ein untrügliches Zeichen, dass die Reparatur aufwendig wird. „Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, haben wir die Lok in Hilbersdorf stehen gelassen.“ Dort ist die Dampflok in guten Händen, schließlich befindet sich in dem Chemnitzer Ortsteil das Sächsische Eisenbahnmuseum, in dem auch das Heizhausfest stattgefunden hatte.

„Wir konzentrieren uns jetzt mit unseren Bemühungen auf die Dampflok 03 2204“, sagt Roland Kwasniok. Die Zugmaschine steht seit dem Jahr 2012 in Meiningen – das Bahnwerk ist auf die Wartung und Reparatur von Dampflokomotiven spezialisiert. Die Schnellzug-Dampflok wartet seither auf ihre Hauptuntersuchung. Kostenpunkt: rund 1,3 Millionen Euro. Aber auch hier ist der leidenschaftliche Eisenbahner realistisch: „Wenn wir keine großzügigen Unterstützer – also Geldgeber – finden, werden beim LDC wohl auch in Zukunft keine eigenen Dampfloks mehr fahren.“

Aber auch ohne eigenes Dampfross gelte ein Versprechen: „Unsere Sonderzugfahrten sind und bleiben ein Erlebnis.“