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Laute Nächte in Cottbus Nord

Wer ohne Genehmigung mit Knallkörpern zündelt, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 200 Euro rechnen.
Wer ohne Genehmigung mit Knallkörpern zündelt, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 200 Euro rechnen. FOTO: skatzenberger/Fotolia
Cottbus. Wenn ein lautes Knallen in Verbindung mit dem verschmorten Geruch von verbranntem Schwarzpulver die Abendluft erfüllt, fühlen sich viele Menschen unweigerlich an die Silvesternacht erinnert. In Neu Schmellwitz und auch anderen Cottbuser Stadtteilen, entsteht dieser Eindruck jedoch häufiger. Jenny Theiler

Vor allem Stadtteile mit einer verstärkten Plattenbaudichte scheinen ungewöhnlich oft für die lästigen Knallereien ausgesucht zu werden, die den Cottbusern nachts den Schlaf rauben. Offenbar prädestiniert für - vornehmlich nächtliche - pyrotechnische Spielereien, scheint das Schmellwitzer Neubaugebiet zwischen Neue Straße, Hopfengarten und Zuschka zu sein. Die Wohnscheiben werden zu einem Schalltrichter, durch den sich das ohrenbetäubende Knallen über einen Großteil des Wohngebietes ausbreitet - eine lästige Angelegenheit für die Anwohner, die das Problem allerdings sehr oft stillschweigend hinnehmen.

Die grundlosen Knallereien sind jedoch keineswegs nur eine Schmellwitzer Angelegenheit. Laut Polizeisprecher Torsten Wendt bleiben auch andere Ortsteile vom nächtlichen Scheppern nicht verschont. Über ein vermehrtes Bölleraufkommen in der letzten Zeit sei jedoch, auch nach Angaben des Ordnungsamtes, nichts bekannt. "Manchmal knallt es nur einmal pro Nacht, manchmal auch fünfmal in einem Abstand von zehn Minuten", berichtet ein Anwohner aus dem Hopfengarten.

Trotzdem sich so viele Schmellwitzer durch den sporadisch auftretenden Lärm gestört fühlen, greifen nur die wenigsten zum Telefon, denn die Zeugenangaben sind meistens zu vage, um der Polizei sachdienliche Hinweise liefern zu können. "Wir sind über jeden Hinweis, der eine Straftat aufdecken könnte, immer sehr erfreut", erklärt Torsten Wendt. "Aber dennoch wird es keine Böllerstreife geben", so der Polizeisprecher, denn die Ermittlungsgrundlagen sind nicht greifbar. Die Lärmattacken können oftmals kaum lokalisiert werden und auch die Täter sind in der Nacht ohne Augenzeugen schwer zu fassen. "Es bringt doch nichts, die Polizei zu rufen, die schicken doch sowieso niemanden her", beklagt sich eine Anwohnerin aus der Neuen Straße und ähnliche Reaktionen sind in Neu Schmellwitz weit verbreitet.

Anna Schippel (20) wohnt seit zehn Monaten in der Nähe der Endhaltestelle Neu Schmellwitz. "Mir sind die Böller von Anfang an aufgefallen und ich habe das Gefühl, dass es sich direkt an den Schienen abspielt", berichtet die BTU-Studentin. Sogar bei geschlossenen Fenstern sei der Lärm extrem zu hören. Mittlerweile machen sich einige Hobbypyromanen nicht einmal mehr die Mühe auf die Abendstunden zu warten, denn auch an Sonntagnachmittagen wurde das störende Knallen bereits bemerkt. Die Polizei geht in diesem Zusammenhang von Fußballfans aus, die für jedes erzielte Tor einen Böller zünden.

Ein weiterer potenzieller Böllerplatz ist der Skaterpark an der Haltestelle Neue Straße. Julian Galuschki (22) wohnt seit drei Jahren in unmittelbarer Nähe und ist sich sicher, dass Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, die bis in die späten Abendstunden auf dem Platz unterwegs sind, die Knallkörper abbrennen. "Besonders schlimm ist es am Wochenende und in den Ferien", bemerkt der Student. Auch Josie Engel (23) hat schon beobachtet, wie in der Nacht auf dem Gelände der Pestalozzi-Schule, Böller angezündet wurden. Die Polizei wird in solchen Situationen dennoch sehr selten informiert. "Die brauchen viel zu lange, bis sie da sind", so die Studentin. Da scheint der Griff zu den Ohrstöpseln wohl doch am effektivsten zu sein.

Zum Thema:
Das illegale Abbrennen von Feuerwerkskörpern, wie Bengalos oder Böllern, wird nicht als Straftat, sondern als Ordnungswidrigkeit geahndet. In Brandenburg liegt das Bußgeld zwischen 25 und 200 Euro. Wer außerhalb der Silvesternacht ein Feuerwerk organisieren möchte, braucht eine Zustimmung vom Grundstückseigentümer und die Genehmigung durch das Ordnungsamt. Mit der Feuerwehr werden die Umstände geprüft. Die Kosten hierfür liegen bei 50 Euro. Gestattet sind nur zugelassene Feuerwerkskörper. Alternativ können ausgebildete Pyrotechniker engagiert werden, die sich um die bürokratischen Vorkehrungen kümmern.