Seit den Achtzigerjahren leben die meisten Cottbuser Vietnamesen hier. Damals, berichtet der designierte Vereinsvorsitzende Nguyen The Hung, seien sie als Vertragsarbeiter gekommen. Hung selbst hat von 1988 bis 1991 im Tagebau Cottbus Nord gearbeitet, andere der rund 400 Cottbuser Vietnamesen im Textilkombinat Forst oder im Technik-Kombinat Cottbus. „Nach der Wende gab es dann ohnehin wenig Arbeitsplätze, und so haben sich viele von Anfang an selbstständig gemacht“ , sagt Hung. Er selbst arbeitete ab 1991 zunächst in einem Restaurant, ohne dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung - auch da ist er kein Einzelfall. Inzwischen darf er unbefristet bleiben, handelt mit Lebensmitteln für Restaurants und Imbisse, ist in der Lausitz herumgekommen und hat so die vielen Kontakte geknüpft, die ihm jetzt bei der Vereinsarbeit helfen. Auf 1000 Mitglieder könne der Verein anwachsen, hofft Hung.
Im September 1999 hat er erstmals in Eigenregie das vietnamesische Mondfest organsisiert. Das war mit viel Aufwand verbunden, feste Helfer fand er noch nicht. „Der Mond ist für viele vietnamesische Kinder der beste Freund“ , erklärt Hung. „Er gibt der Landschaft eine geheimnisvolle sanfte Schönheit, die jeder Kinderseele entspricht.“ Darum sei es ein großes Kinderfest, das der Verein für den 6. Oktober neu auflegen will.

Exotische Feiern regelmäßig geplant
Traditionelle Feiern aus der alten Heimat, darauf wollen sich die Mitglieder konzentrieren. Und geben damit den Lausitzern noch mehr Feieranlässe. Das vietnamesische Neujahrsfest, das Tetfest, richtet sich beispielsweise nach dem Mondkalender, und findet Ende Januar, Anfang Februar statt. Ein Vorteil hat dabei das Feiern in der Ferne. „In Vietnam ist Feuerwerk verboten, da darf es nur der Staat veranstalten“ , erläutert Hung. In Cottbus könnte zum Feuerwerk ein zweites Mal auf ein glückliches neues Jahr angestoßen werden.
Optischer Jahreshöhepunkt soll das Drachenfest im Januar mit einem großen Kostüm für den Drachentanz werden. Aber auch an der Karnevalssaison wollen die Mitglieder gern teilnehmen und zu kulturellen Ereignissen in Cottbus und Umgebung wie dem Stadtfest ihren Beitrag leisten. Vorteil des Vereins ist für Hung, dass nun mehr Menschen an einem Strang ziehen. „Jetzt sind die Mitglieder in die Pflicht genommen, jeder hat seine Aufgabe.“ Die Veranstaltungen könnten so regelmäßig stattfinden, hofft der Vorsitzende. „Die meisten Mitglieder sind selbstständig. Allein etwas auf die Beine zu stellen, ist schwierig“ , so Hung.

Sprachkurs mit RAA in Arbeit
Ein Nachteil sei Hung zufolge, dass viele in Deutschland geborene Kinder mit vietnamesischen Elternteilen selten noch deren Muttersprache sprechen. Ein Sprachkurs, den der neue Verein gemeinsam mit der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule Brandenburg (RAA) ausarbeitet, soll dem entgegenwirken. 20 Kinder vietnamesischstämmiger Eltern seien bereits angemeldet. Der Kurs, der bis Ende September zustande gekommen sein soll, stehe aber allen Kindern offen. Später soll ein Deutschkurs in Cottbus die Deutschkenntnisse von Vietnamesen verbessern. „Aber es sind noch viele Fragen zu klären“ , so Hung. „Welche Räumlichkeiten gibt es in Cottbus? Wir müssen auch einen Lehrer finden.“
Der neue Zusammenschluss ist zudem als Bürgerverein gedacht. So wollen sich die Mitglieder untereinander bei Sprachproblemen, Amtsgängen oder Wirtschaftsfragen wie Recht und Steuern unterstützen. Auch sportlich wollen sich die Deutsch-Vietnamesen häufiger begegnen. Tischtennis- und Fußballturniere sind geplant. Ende August steht in Leipzig ein Turnier von Fußballmannschaften aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg an.

Für ein gutes Zusammenleben
„Der Verein fördert ein gutes Zusammenleben zwischen Vietnamesen und Deutschen“ , ist Nguyen Thi Thu Hang (37) überzeugt. „Und die Mitglieder helfen sich. Beispielsweise lernen wir jetzt zusammen Deutsch und Vietnamesisch. Und in einem Sprachkurs können unsere Kinder Vietnamesisch schreiben lernen.“ In einer speziellen Funktion sieht sie sich im Verein noch nicht - „die werden noch verteilt.“ Auch die zehnjährige Trang Anh Nguyen ist Mitglied geworden. „Damit ich gut meine Sprache schreiben und sprechen kann“ , erklärt sie. An Cottbus gefalle ihr besonders, dass es hier nette Menschen gebe. „Am liebsten schlendere ich mit meinen Freunden durch die Stadt.“
Händler Do Hai, 36, erklärt, dass der Verein schon einige Zeit inoffiziell existiert. „Wir haben nur keinen Namen gehabt, waren noch nicht anerkannt. Aber wir waren da schon eine große Familie. Cottbus ist unser Zuhause. Wir wollen den anderen Bürgern zeigen, wie wir hier leben, mit ihnen zusammenleben. Ihnen zeigen, dass wir keine Fremden sind, sondern Cottbuser.“ Auch der Vorsitzende Hung fühlt sich abseits des Vereins längst wohl in der Stadt. „Wir haben hier keine Probleme, kommen sehr gut mit den übrigen Cottbusern aus“ , sagt er. Für die Stadt wünscht er sich einen starken Oberbürgermeister, der wirtschaftlich etwas bewegen könne.

Hintergrund Vietnamesen im Land
 1977 waren nach Angaben des statistischen Bundesamtes 2604 Vietnamesen in Deutschland gemeldet. 1981, mit Ankunft der Vertragsarbeiter in der DDR, stieg die Zahl sprunghaft auf 13 815 an. 2005 lebten den Angaben zufolge 83 446 vietnamesische Staatsangehörige sowie 1278 eingebürgerte Vietnamesen in Deutschland.