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| 17:00 Uhr

Stimmen aus der Lausitz
„Es wurde höchste Eisenbahn“

Cottbus. Lausitzer Respekt für vierte Amtszeit von Angela Merkel und „unangemessene Nachfolge-Spekulation am Tag der Wahl“. Von Christian Taubert

Zum vierten Mal ist Angela Merkel (CDU) Bundeskanzlerin. Das nötigt Lausitzern Respekt ab, wie die RUNDSCHAU bei einer Umfrage am Dienstag in der Region erfuhr. Das Pro und Kontra zur Groko wird aber auch deutlich. „Es wurde höchste Eisenbahn, dass außer der Diätenerhöhung im Bundestag etwas passiert und es endlich eine neue Regierung gibt“, sagte Friedhart Vogel, Superintendent i.R. des Kirchenkreises Hoyerswerda. Angela Merkel habe sich aus seiner Sicht zu einer starken Frau entwickelt, zu der es in der Union zurzeit keine Alternative gebe. Aber Vogel, der Ehrenbürger von Hoyerswerda ist, sieht auch die Gefahr, dass nach so vielen Jahren an der Macht „alles im Alleingang entschieden wird“. Er sehe allerdings auch, dass potenzielle Nachfolger mit der neuen Regierung und in der CDU in Stellung gebracht worden seien.

Friedhart Vogel: Es wird höchste Eisenbahn für die neue Regierung Merkel.
Friedhart Vogel: Es wird höchste Eisenbahn für die neue Regierung Merkel. FOTO: Catrin Wuerz

Als „völlig unangemessen“ sieht es der Bürgermeister von Luckau, Gerald Lehmann (parteilos), an, dass am Tag der Wahl von Angela Merkel über die Übergabe des Staffelstabes und ihre Nachfolge spekuliert werde. „Das ist eine ganz persönliche Entscheidung“, erklärt der Rathauschef der Stadt im Dahme-Spreewald-Kreis und fügt hinzu, dass er zufrieden damit sei, „dass die Regierung endlich steht und arbeiten kann“. Die Bundeskanzlerin hat nach Einschätzung von Lehmann immer wieder ihre Fähigkeiten bewiesen, Deutschland gut regieren zu können. Dazu sei mit ihrer Hilfe so manche Krise in Europa zu einer Lösung geführt worden.

Für Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (r.) ist es am Tag der Wahl der Kanzlerin unangemessen über Nachfolger zu spekulieren.
Für Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (r.) ist es am Tag der Wahl der Kanzlerin unangemessen über Nachfolger zu spekulieren. FOTO: Birgit Keilbach

Das ist auch für den Präsidenten des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Brandenburg, Olaf Schöpe, unstrittig. Dennoch betont der Cottbuser Hotelier, dass er es mit Barack Obama halte und acht Jahre Amtszeit genug seien. „Das ist genügend Zeit, um sich zu entfalten, Ideen zu entwickeln, aber auch, um zu verschleißen“. Mit dem Koalitionsvertrag der neuen Großen Koalition werden „zu wenige Impulse für die Entwicklung des Landes gesetzt“, sagt Schöpe. „Zukunftsvisionen fehlen völlig.“ Dem Dehoga-Präsidenten komme es mit Blick auf geplante Sozialleistungen vor, als hielte sich eine Zweckgemeinschaft an der Macht, die schon jetzt dem Wähler gefallen wolle. „Aber das geht nur, weil zurzeit der Konjunkturmotor brummt. Aber was geschieht in schlechteren Zeiten“, fragt Olaf Schöpe.

Das treibt auch den Präsidenten der Handwerkskammer Cottbus, Peter Dreißig, um. Der Koalitionsvertrag sei wahrlich kein Glanzstück, denn er biete den Unternehmen nur wenig Perspektive. So hätten die Regierungsparteien ihre Wahlversprechen einer umfassenden Steuerentlastung nicht ernst genommen. Peter Dreißig verweist auch darauf, dass Experten das umlagebasierte Rentensystem für künftig unbezahlbar halten, aber Korrekturen seien nicht eingeleitet worden. Der HWK-Präsident rügt, dass es für Energieverbraucher keine Entlastungen für die steigenden Stromkosten gebe. „Das dünne Eis, auf dem sich auch unsere Handwerksbetriebe bewegen, wird durch diesen Koalitionsvertrag abgeschmolzen“, erklärt Dreißig. „Die Arbeit verteuert sich weiter. Auf uns kommen schwierige Zeiten zu.“