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Bildung
Gefangen im Dornröschenschlaf

Ursula und Rolf Striegler geben die Hoffnung auf ein neues Naturkundemuseum nicht auf.
Ursula und Rolf Striegler geben die Hoffnung auf ein neues Naturkundemuseum nicht auf. FOTO: Hilscher / LR
Cottbus. Seit vielen Jahren kämpfen die Geologen Rolf und Ursula Striegler für ein Naturkundemuseum in Cottbus.

Generationen von Cottbuser Grundschülern erinnern sich an Ausflüge ins einstige Naturkundemuseum der Stadt. Sachkundeunterricht mit Fuchs und Igel, Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Lausitzer Bergbaulandschaft, erste Kontakte mit faszinierenden geologischen Fundstücken – all das haben Besucher früherer Jahrzehnte bei einem Museumsbesuch entdecken können. „Bildung im besten Sinne“, sagt Rolf Striegler (75), ehemaliger Kustos des Naturkundemuseums. Gemeinsam mit seiner Frau, der Geologin Ursula Striegler (73), kämpft er unermüdlich für eine Wiedereröffnung des 2005 geschlossenen Hauses.

Fehlender Brandschutz und hoher Sanierungsbedarf sprachen damals gegen eine Weiterführung des Hauses am Amtsteich: Die umfangreiche Sammlung – immerhin 400 000 biologische und 60 000 geologische Objekte sind größtenteils eingelagert. Ein kleiner Teil der Exponate hat im neuen Stadtmuseum Platz gefunden. „Aber dort steht nur wenig Raum zur Verfügung, früher konnten wir auf 200 Quadratmetern ausstellen“, so Ursula Striegler.

Immer wieder haben sie und ihr Mann in den vergangenen Jahren Anlauf genommen, die einst international bekannten Objekte aus ihrem Fundus wieder zugänglich zu machen. Auch vom Naturschutzbund BUND bekamen die Strieglers Unterstützung. „Leider hatten wir keinen Erfolg“, bedauert Rolf Striegler. Bereits bei seinem Amtsantritt hatte Oberbürgermeister Holger Kelch klargestellt, dass es unter seiner Ägide kein weiteres Museum in Cottbus geben würde.

Auch Steffen Krestin, Leiter der Stadtgeschichtliche Sammlungen, sieht derzeit kaum Chancen für ein neues Naturkundemuseum. „Unter den jetzigen Rahmenbedingungen macht eine Komplexlösung, wie wir sie im Stadtmuseum haben, durchaus Sinn.“ Krestin verweist auf geologische Würdigungen der Erdzeitalter Tertiär und Quartär in seinem Haus. „Wir informieren Besucher auch über den Tertiärwald, die Entstehung der Braunkohle, nutzen biologische Exponate und geben der Naturkunde in Sonderausstellungen Raum.“

Die Strieglers träumen von mehr. „Wir haben niemals unter Besuchermangel gelitten“, sagt Rolf Striegler. In Spitzenzeiten seien bis zu 9000 Menschen jährlich gekommen, um sich die geologischen und biologischen Objekte anzuschauen. „Gerade in einer Stadt, die sich so gern mit ihrem berühmten Sohn Ludwig Leichhardt schmückt, wäre ein Naturkundemuseum wünschenswert.“ Leichhardt sei es schließlich immer wichtig gewesen, die Systematik der Tiere, Pflanzen und Gesteine darzustellen. „In einem Naturkundemuseum könnte man wunderbar neben der Entstehung unserer Braunkohlelandschaft auch das Leben und Wirken von Leichhardt würdigen.“

Der Naturwissenschaftliche Verein würde sich laut Striegler um die Gestaltung der Ausstellung in einem wiedereröffneten  Haus am Amtsteich kümmern, den Einlass könnte das benachbarte Landesmuseum im Dieselkraftwerk übernehmen. „Das hat schon einmal wunderbar geklappt.“ Die Künstlerinnengruppe Endmoräne hatte das geschichtsträchtige Haus mit dem morbiden Charme vor zwei Jahren für ihre Sommerwerkstatt ausgewählt. Seitdem liegt es wieder im Dornröschenschlaf.

Nach Auskunft der Stadtverwaltung gibt es zahlreiche Wünsche, wie das Haus genutzt werden kann. So habe auch das Dieselkraftwerk entsprechende Ideen. Welche Nutzung wie finanziert werden kann, müsse allerdings noch geprüft werden.