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| 02:51 Uhr

Lausitzer Mittelstand will angreifen

Ludwig Klaus, Bundesforum Mittelstand (l.) mit Michael Stein (Kraftwerks Service) und Birgit Dürsch (PepComm).
Ludwig Klaus, Bundesforum Mittelstand (l.) mit Michael Stein (Kraftwerks Service) und Birgit Dürsch (PepComm). FOTO: hil
Cottbus. Die Lausitz steht – wieder einmal – vor einem Strukturwandel. Perspektiven für die Zeit nach der Braunkohle sind gefragt. Das wurde deutlich auf einem Diskussionsforum des Bundesforums Mittelstand in Cottbus. Andrea Hilscher und Sven Hering

Der Titel der Veranstaltung ist kämpferisch: "Mission Zukunft Lausitz - Mittelstand greift an". Unter diesem Motto hatte das Bundesforum Mittelstand Unternehmer aus der Region eingeladen, die auf der Suche nach neuen Perspektiven sind und vielleicht schon erste Erfahrungen mit neuen Produkten oder neuen Märkten gemacht haben. Die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen wurden dabei ebenso unter die Lupe genommen wie Möglichkeiten, im Raum Mittelamerika oder der Karibik aktiv zu werden. Denn ohne dieses "aktiv werden" wird es wohl nicht gehen, ist Michael Stein, Chef der KSC Kraftwerks Service Cottbus Anlagenbau, überzeugt. "Der Abbau von Braunkohle ist zumindest infrage gestellt, und die Betriebe der Region müssen sich umstellen. Dabei sollten sie nicht auf Hilfe von der Politik warten, sondern sich selber umschauen, nach neuen Produkten und neuen Märkten. Jeder sollte seines Glückes Schmied sein."

Weniger gute Erfahrungen hat Michael Stein mit der deutschen Bürokratie gemacht: "Aus Mangel an geeigneten Bewerbern wollten wir in Görlitz gern Azubis aus Polen einstellen. Sehr gute Leute. Aber die Bürokratie war so aufwendig, dass wir es letztlich aufgegeben haben."

Auch der Massener Unternehmer Hans-Günter Richter sitzt derzeit vor einem Berg an Formularen: Er hat Fördergelder beantragt, um in der Dominikanischen Republik ein Softwaremodul zur Marktreife zu bringen. Ein Erfolg versprechendes Produkt, bei dem es um das Management von Zutaten in Großküchen geht. "Bisher wird die Hälfte aller zubereiteten Lebensmittel in der Dom Rep weggeworfen, weil die Möglichkeiten zur Mengenberechnung fehlen." Für sechs Krankenhäuser liefert sein Betrieb jetzt die entsprechende Software. "Aber sich durch die Förderanträge zu quälen, ist so aufwendig, dass es viele Firmen abschreckt", sagt Richter.

Dabei ist gerade Mittelamerika ein Zukunftsmarkt, sagt Axel Hübner, Mitglied der Geschäftsführung des Bundesforums Mittelstand. Neben dem Massener Unternehmen ist seinen Angaben zufolge auch die Firma LKT an einem Engagement dort interessiert. Der Nachholbedarf bei Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung sei groß. Auch das Thema erneuerbare Energien gewinne eine zunehmende Bedeutung. Hübner nutzt deshalb zum Beispiel die Zentralamerikatage, um potenzielle Geschäftspartner zusammenzubringen. Das Bundesforum Mittelstand sei Partner gerade für kleinere und mittlere Betriebe. "Diese sind alleine in der Regel nicht in der Lage, diese neuen Märkte zu erschließen", so Hübner, der den Mittelstand trotzdem animiert, sich um diese neuen Geschäftsfelder zu kümmern. Der Markt sei interessant und lukrativ.

Eine weitere Umstellung, auf die sich Lausitzer Firmen einstellen müssen, ist die "Produktion on demand", also das Herstellen auf Bestellung. Oliver Stecklina, Projektleiter für das Innovationszentrum "Moderne Industrie Brandenburg" an der BTU Cottbus zeigt interessierten Unternehmen gern, wie sich Betriebsaufläufe automatisieren und optimal vernetzen lassen. "Bei vielen Betrieben gibt es zwar schon entsprechende Technik, genutzt wird sie aber kaum."