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| 15:12 Uhr

Cottbus
Neue Partner, alte Sorgen

Rettungsaktion und Kraftakt in einem: Spezialisten der Pressnitztalbahn hieven die entgleiste Dampflok mit Hydraulikhebern auf ein eigens errichtetes Behelfsgleis. Die Dampflok 231019 ging vor knapp 60 Jahren in Dienst. Foto: R. Kwasniok
Rettungsaktion und Kraftakt in einem: Spezialisten der Pressnitztalbahn hieven die entgleiste Dampflok mit Hydraulikhebern auf ein eigens errichtetes Behelfsgleis. Die Dampflok 231019 ging vor knapp 60 Jahren in Dienst. Foto: R. Kwasniok FOTO: Dampflokclub
Cottbus . Der Lausitzer Dampflokclub will 2018 mit Tschechien-Spezialisten durchstarten. Die havarierte Lok bleibt derweil voraussichtlich auf lange Zeit auf dem Abstellgleis. Von Peggy Kompalla

Der Lausitzer Dampflokclub musste im Sommer auch seine letzte im Dienst befindliche Dampflok in die Werkstatt schieben. Das historische Gefährt der Baureihe 23 war beim Heizhausfest in Chemnitz über das Gleisende hinausgefahren und wurde dabei stark beschädigt. Trotzdem wird der Club seine Fahrten im neuen Jahr weitestgehend unter Dampf fortsetzen. Das versichert Roland Kwasniok. „Wir mieten Dampfloks von anderen Vereinen für die Fahrten.“ Das sei Usus. Deshalb blickt Kwasniok trotz des Malheurs zuversichtlich ins neue Jahr. Denn mit den Dresdner Tschechien-Spezialisten von Flügelradtouristik wollen die Cottbuser ihre Zusammenarbeit ausbauen. Der Club hat 2018 fünf Fahrten in das Nachbarland im Programm.

Die havarierte Dampflok 23 1019 bleibt bis auf weiteres in Chemnitz. Roland Kwasniok atmet tief durch. „Eine erste Untersuchung hat gezeigt, dass der Rahmen bei der Kesselauflage einen Riss aufweist“, erklärt er. Das sei ein untrügliches Zeichen, dass die Reparatur aufwendig wird. „Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, haben wir die Lok in Hilbersdorf stehen gelassen.“ In dem Chemnitzer Ortsteil befindet sich das Sächsische Eisenbahnmuseum und da fand ebenjenes Heizhausfest statt, bei dem es zum Unfall kam. „Es deutet Einiges darauf hin, dass der Rahmen einen Schaden genommen hat. Wenn er verzogen ist, sind wir ganz schnell bei Kosten von einer halben Million Euro“, sagt er. Ein Gutachter soll Anfang des Jahres den genauen Schaden feststellen. Roland Kwasniok ist skeptisch: „Die Lok wird auf ungewisse Zeit in Chemnitz bleiben.“ Zum einen stehen Verhandlungen mit der Versicherung aus. Zum anderen muss die Lok zur Reparatur sowieso ins Dampflokwerk Meiningen. Alles in allem kann das Jahre in Anspruch nehmen.

Roland Kwasniok weiß, wovon er spricht, schließlich haben die Thüringer Profis die zweite Dampflok des Clubs seit dem Jahr 2012 unter ihren Fittichen. Die Schnellzug-Dampflok 03 2204 fuhr damals zur Hauptuntersuchung ins Meininger Bahnwerk ein. Kostenpunkt: rund 1,5 Millionen Euro. „Bisher haben wir rund eine halbe Million investiert“, sagt der leidenschaftliche Eisenbahner. „Wir konzentrieren uns jetzt darauf, diese Lok wieder fit zu bekommen.“ Deshalb ist der Verein auf der Suche nach großzügigen Unterstützern.

Roland Kwasniok freut sich über die engere Partnerschaft zu Flügelradtouristik aus Dresden. „Wir fahren für den Verein seit Jahren viele Fahrten“, berichtet er. „Neu ist, dass wir die Tschechien-Touren nun auch ab Cottbus anbieten können.“ Das dürfte für viele Lausitzer interessant sein. Fünf Fahrten hat der Lausitzer Dampflokclub 2018 im Programm: am 24. März in die böhmische Königstadt Hradac Králové mit dem Freundschaftszug Jirka, am 19. Mai zum Stadtfest ins böhmische Jitschin mit dem Freundschaftszug Wallenstein, am 23. Juni nach Liberec, Tanwald und Harrachov, am 22. September nach Hirschberg am See / Doksy und am 8 Dezember mit dem Nikolausexpress nach Prag.

Der Dampflokclub bietet im nächsten Jahr 27 Fahrten an. Zu den Höhepunkten gehören Roland Kwasniok zufolge die Reise ins polnische Riesengebirge am 24. Februar, zum Dampfloktreffen in Dresden am 7. April, zur Dampflokparade ins polnische Wolsztyn am 28. April, nach Breslau am 5. Mai und den Pyro Games an der F 60 in Lichterfelde am 11. August. „Wir bieten bei unseren Fahrten immer mehrere Ausflüge an, um möglichst vielen Interessen gerecht zu werden“, erzählt Kwasniok. Besonders beliebt seien die Touren des Clubs bei Eisenbahnfans und zunehmend bei Familien.

Die Dampflok 23 1019 wird durch einen Gutachter in Chemnitz untersucht. Das Gefährt war im Sommer entgleist und dabei beschädigt worden. Seither steht die Lok in Sachsen.
Die Dampflok 23 1019 wird durch einen Gutachter in Chemnitz untersucht. Das Gefährt war im Sommer entgleist und dabei beschädigt worden. Seither steht die Lok in Sachsen. FOTO: Roland Kwasniok