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Lausitzer Dampflok nach Unglück auf Gleis zurück

Rettungsaktion und Kraftakt in einem: Spezialisten der Pressnitztalbahn hieven die entgleiste Dampflok mit Hydraulikhebern auf ein eigens errichtetes Behelfsgleis. Die Dampflok 231019 ging vor knapp 60 Jahren in Dienst.
Rettungsaktion und Kraftakt in einem: Spezialisten der Pressnitztalbahn hieven die entgleiste Dampflok mit Hydraulikhebern auf ein eigens errichtetes Behelfsgleis. Die Dampflok 231019 ging vor knapp 60 Jahren in Dienst. FOTO: R. Kwasniok
Chemnitz/Cottbus. Das Fahrzeug entgleiste in Chemnitz und soll Anfang September nach Cottbus zurückkehren. Ursache und Schaden sind weiterhin unklar. Peggy Kompalla

Es war ein besonderes Erlebnis für die Besucher des Heizhausfestes in Chemnitz - eine Rundfahrt quer durch Sachsen mit der Dampflok 231019 des Lausitzer Dampflok Clubs. Doch die Ausfahrt endete mit einem kleinen Drama, bei dem glücklicherweise kein Mensch zu Schaden kam, wie der Verein betont. Dafür geriet die Lok vom Gleis und beschädigte einen Transporter.

Roland Kwasniok vom Club erzählt, was sich am vergangenen Freitag zutrug: "Bei der Rückkehr von der Sonderfahrt am Abend sollte die Lok in den Bahnsteig einfahren. Aber der Zug kam nicht zum Stehen." So rutschte die Lok mit den Waggons im Schub über das Gleisende hinaus mitten in einen Kleintransporter, der dort geparkt hatte. Das Fahrzeug war zu dem Zeitpunkt unbesetzt, nach der Kollision allerdings ein Totalschaden. Die Lok hatte keine Gleise mehr unter den Rädern.

Die Ursache für das Unglück ist bislang unklar und wird weiterhin untersucht. Roland Kwasniok erklärt nur so viel: "Das Gleis wird selten befahren und war schmierig. Als die Lok einfuhr, hat es zudem aus allen Wolken geschüttet. Gegen 21.11 Uhr herrschte ein schweres Unwetter." Der Zug sei mit Schritttempo unterwegs gewesen und sollte auf Wunsch des Veranstalters so weit wie möglich an den Gleisabschluss fahren, da der Bahnsteig ziemlich kurz ist. Die Reisenden sollten auf diese Weise bequem im Bereich des Bahnsteigs aussteigen können. Die Lok war zu dem Zeitpunkt mit erfahrenem Personal des Lausitzer Dampflok Clubs besetzt. Dazu gehörten ein Lokführer, zwei Heizer und ein Lotse mit Streckenkenntnissen, der vom Veranstalter gestellt wurde.

Erst fünf Tage nach dem Unglück gelang es Spezialisten der Pressnitztalbahn aus dem Erzgebirge, die Tonnen schwere Lok am Mittwoch zurück aufs Gleis zu hieven. Dieser Kraftakt zog nach dem Fest erneut zahlreiche Eisenbahn-Fans aufs Gelände des Sächsischen Eisenbahnmuseums in Chemnitz.

Wie Roland Kwasniok erzählt, kamen bei der Aktion Hydraulikheber, ein Kran und ein eigens errichtetes Behelfsgleis zum Einsatz. "Nur so konnte die Lok aufs Gleis zurückgezogen werden werden." Jetzt steht sie in Chemnitz im Lokschuppen. "Ein Gutachter hat bereits das Laufwerk vermessen und Schäden festgestellt", erklärt Roland Kwasniok. Zumindest gebe es für die Lok eine Laufbescheinigung. "Damit darf sie bewegt werden." Nun bereiten die Lausitzer Eisenbahner die Rückfahrt vor. "Das geht aber nur als Nottransport." Das bedeutet, die Dampflok wird ins Schlepp genommen - dafür kommt die Rangierlok V60 zum Einsatz. Die beiden Lokomotiven werden dann mit maximal 30 Kilometern in der Stunde nach Cottbus tuckern. "Das wollen wir Anfang September über die Bühne bringen", sagt Kawsniok.

In Cottbus gibt es für die verunglückte Dampflok dann eine Generaluntersuchung. "Dann muss das Fahrgestell genau untersucht werden." Auch deshalb sei bislang nicht absehbar, welches Ausmaß die Schäden haben. Ein Weiterbetrieb ist nicht möglich. Die Anstrengungen des Clubs liegen nun darin, den Rücktransport vorzubereiten.