| 17:49 Uhr

Sanierung in Sicht
Lausitzer Bahnüberführungen bröckeln vor sich hin

Cottbus. Die Deutsche Bahn investiert jetzt kräftig in marode Überführungen. Der Lausitz kommt das zugute.

Die Meldung verbreitete sich im Herbst vergangenen Jahres wie ein Lauffeuer – die Brücken im Schienennetz der Deutschen Bahn bröckeln vor sich hin, bei mehr als tausend von ihnen im gesamten Bundesgebiet lohne sich die Sanierung nicht mehr, war aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundes-Grünen zu entnehmen. Besonders schlimm sei es in Brandenburg, jede zehnte der insgesamt rund 800 Bahnbrücken sei baufällig. Kein Wunder also, dass sich die Lausitz über einige der Bröckelbauten freuen durfte.

Gleich zwei Brücken in Cottbus waren es, die auf gleich mehreren aufwendig programmierten interaktiven Karten im Internet als nicht mehr reparierbar angezeigt wurden, dazu kam eine in Saßleben bei Calau (OSL), eine in Finsterwalde (EE), gleich zwei in Doberlug-Kirchhain (EE), eine in Senftenberg (OSL) und eine in Ruhland (OSL) – ein grausiges Bild für Bahnfahrer zwischen Cottbus und Halle, Frankfurt (Oder), Lübbenau und Senftenberg, Berlin und Dresden.

Die RUNDSCHAU hat sich noch einmal mit den vermeintlichen Bröckelbauten der Bahn beschäftigt und nachgefragt: Ist es wirklich so schlimm um die Lausitzer Überführungen bestellt wie die Meldungen aus dem vergangenen Jahr vermuten ließen?

Nein, zeigen die Informationen der Deutschen Bahn. Für gerade einmal zwei baufällige Brücken gibt es noch keinen Instandsetzungsplan. Das hat Gründe: die als marode gezählte Bahnbrücke in Saßleben etwa wird gar nicht genutzt. Konkreter: Ein Teil der Brücke ist tatsächlich baufällig, gleichzeitig aber auch nicht in Betrieb. Der Teil der Bahnüberführung, der tatsächlich genutzt wird, ist stabil, heißt es vonseiten der Bahn. Eine Erneuerung sei deshalb gar nicht notwendig.

Bei einer Bahnüberführung über die Sachsendorfer Straße in Cottbus sieht es anders aus: Sie muss einem Gutachten zufolge gar nicht abgerissen werden, kann aller Wahrscheinlichkeit saniert werden. Wann das aber passieren wird, sei unklar und hänge von der weiteren Zustandsentwicklung des Bauwerks ab. Für einen Abriss wäre die Brücke ohnehin reichlich jung. Laut Bahn wurde sie 1991 gebaut, hat also gerade einmal 27 Jahre auf dem Buckel. Über der Straße der Jugend laufen derweil seit Längerem aufwendige Brücken-Erneuerungsarbeiten.

Durchschnittlich halten Bahnbrücken 70 Jahre bis ein ganzes Jahrhundert aus, erklärt Bahn-Sprecher Gisbert Gahler. Einige Brücken überstünden sogar fast zwei Jahrhunderte.

In Finsterwalde sind die meisten Arbeiten bereits abgeschlossen, die neue Brücke soll im laufenden Jahr in Betrieb gehen, heißt es aus dem zuständigen Fachbereich der Bahn. Bis 2025 sollen auch die Bahnbrücken in Doberlug-Kirchhain erneuert werden – im Zuge des Ausbaus der Strecke Berlin-Dresden, wie die Bahn ankündigt. In Senftenberg laufen die Planungen für die Brückenerneuerung, vermeldet die Bahn, in Ruhland steht Ende des Jahres eine neue Brücke im Zuge der Erneuerung des Bahnhofs.

Klar ist: Derzeit legt die Bahn nur an einem Bruchteil der laut Untersuchung von 2017 80 maroden Bahnbrücken in Brandenburg Hand an. Die Erhaltung der Verfügbarkeit habe bei der Auswahl neu zu bauender Brücken Priorität, erklärt die Deutsche Bahn. Auch das reale Alter einer Brücke spiele eine Rolle, ebenso die Finanzierbarkeit.

Kontrolliert würden Bahnbrücken in engen Intervallen, jede Gefährdung von Bahnreisenden oder anderen Verkehrsteilnehmern durch eine baufällige Brücke müsse immer vermieden werden, so die Deutsche Bahn.

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