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Lausitzcamp startet mit Demo vor Leag-Zentrale

Teilnehmer des Lausitzcamps entrollen am 22. Mai ein Plakat vor der Leag-Zentrale in Cottbus
Teilnehmer des Lausitzcamps entrollen am 22. Mai ein Plakat vor der Leag-Zentrale in Cottbus FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Das jährliche Camp der Kohlegegner in der Lausitz ist am Montagmorgen mit einer Demo vor der Leag-Zentrale in Cottbus gestartet. Bleibt es diesmal bei friedlichen Protesten? bob

Mit etwa einer Stunde Verspätung trafen die Teilnehmer des Klimacamps am Montagmorgen vor der Zentrale des Tagebaubetreibers Leag ein. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entrollten sie Transparente und spannten ein rotes Band. Sprecherin Josephine Lauterbach: "Das ist ein Symbol für die Grenzen des Braunkohletagebaus. Wenn die Bagger diese rote Linie überschreiten, werden Dörfer zerstört. Wir fordern von der Leag eine zügige Absage von Welzow-Süd II und eine klare Ansage, wie der Konzern den Strukturwandel aktiv zu gestalten gedenkt."

Grund für die Verspätung war eine Polizeikontrolle, wie Polizeisprecher Ralph Meier auf Nachfrage bestätigte. Die Camp-Teilnehmer zeigten sich mit der Kontrolle nicht einverstanden und meldeten eine Spontan-Demo an, wie Meier erläutert. Insgesamt sei aber alles friedlich verlaufen. Campteilnehmer sprachen bei Twitter von "massiven Behinderungen durch die Polizei". "Die Polizei hat heute völlig willkürlich gehandelt und hatte die Absicht, einen friedlichen Protest zu unterbinden", bekräftigt Josephine Lauterbach.

Die Leag reagierte in einer Pressemitteilung auf die Proteste. Im Zusammenhang mit den geplanten Veranstaltungen und Aktionen des Camps müsse Sicherheit oberste Priorität haben, damit weder Leag-Mitarbeiter noch Teilnehmer und Besucher des Zeltlagers oder andere Beteiligte zu Schaden kommen. "Tagebaue und Kraftwerke sind versorgungswichtige Produktionsanlagen, deren Störung nicht nur Schaden für den Betreiber, sondern für Verbraucher in ganz Deutschland verursachen kann. Wir möchten, dass die Teilnehmer und Besucher des Lausitzcamps die deutlich gekennzeichneten Grenzen unseres Betriebsgeländes respektieren und sich nicht durch zu große Nähe zu den Betriebsanlagen und Maschinen selbst in Gefahr bringen", erklärt Uwe Grosser, Vorstand Bergbau der Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG. Darum sei den Organisatoren des Lausitzcamps ein Infoblatt mit Sicherheitshinweisen übermittelt worden.

Der Appell des Unternehmens nimmt Bezug auf die Ereignisse im Vorjahr. Damals hatten Aktivisten über mehrere Tage Fördergeräte, Band- und Gleisanlagen besetzt, um so die Kohle-Versorgung für das Kraftwerk Schwarze Pumpe abzuschneiden und es zum Stillstand zu zwingen. Als ihnen das nicht gelang, stürmte ein Teil von ihnen gewaltsam das Kraftwerksgelände.

Nach dem Protest in Cottbus brach die Gruppe nach Proschim auf. das Klimacamp soll in diesem Jahr mobil stattfinden. Mit dem Rad fahren die Teilnehmer Orte des Protestes in der Lausitz ab. Proschim, Gosda, Gubin, Jänschwalde sind Stationen auf dem Weg. Marvin Kracheel, aus dem Organisations-Team: "Die Fragen, die wir während der Tour immer wieder stellen wollen, sind: Was hat die Braunkohle der Region gebracht? Was kann hier entstehen, wenn sich die Regierungen nicht weiter an die Braunkohle klammern und welche Vorreiter dieser Transformation gibt es bereits in der Lausitz und überregional?" Der Kohleausstieg müsse sozial-ökologisch und transparent gestaltet sowie die Menschen vor Ort aktiv eingebunden werden.