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Lausitzcamp gegen die Braunkohle startet mit Hindernissen

Protest gegen die Kohlepläne der Leag im Lausitzer Revier: Klimaschützer zeigen dem Konzern in Cottbus, dass er mit der Zerstörung von Dörfern rote Linien überschreitet.
Protest gegen die Kohlepläne der Leag im Lausitzer Revier: Klimaschützer zeigen dem Konzern in Cottbus, dass er mit der Zerstörung von Dörfern rote Linien überschreitet. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Klimaschützer zeigen der Leag in Cottbus aus Protest gegen die Abbaggerung von Dörfern rote Bänder. Eine Blockade vom Haupteingang scheitert. Veikko Rößler

Bei ihrer Auftaktveranstaltung zum Lausitzcamp haben es die Klimaschützer am Montag nicht wie geplant bis zu ihrer Blockadeaktion vor die Leag-Zentrale in Cottbus geschafft. Die Polizei ließ sie nur auf der Straßenbahn-Wendeschleife Dresdner Straße/Hermann-Löns-Straße gewähren.

Ursprünglich wollten die Kohlegegner den Haupteingang der Konzernzentrale mit ihren Fahrrädern blockieren und mit roten Bändern deutlich machen, dass die Leag mit ihren Plänen für das Lausitzer Revier längst rote Linien überschritten habe. An den Eingangsbereich der Leag, auf dem die Polizei und ein Sicherheitsdienst ebenfalls Präsenz zeigten, kamen die Demonstranten gerade mal auf Rufweite heran.

Vorangegangen war der spontanen Versammlung auf der Straßenbahn-Wendeschleife ein Katz- und-Maus-Spiel zwischen Polizei und Klimaschützern. Auf ihrem Weg vom Startpunkt am Strombad zu ihrer Aktion bei der Leag wurden die Camp-Teilnehmer gegen 8 Uhr an der Markgrafenmühle durch die Polizei zu einer Identitätsfeststellung gestoppt. Dies wiederum wollten die mehr als 20 Klimaschützer verhindern. Als Polizisten sich den Demonstranten in den Weg stellten, soll es nach Angaben der Klimaschützer vereinzelt zu Schubsereien gekommen sein. Auch zwei Fahrräder sollen leicht beschädigt worden sein. Daraufhin zogen sich die Camp-Teilnehmer zu einer spontanen Versammlung gegen Polizeigewalt zurück.

Unter dem Schutz des Versammlungsrechts, also anders als bei Aktionen, sind Demonstranten vor der Preisgabe ihrer Identität geschützt, lediglich eine Person musste als Versammlungsleiterin entsprechende Angaben machen. Dem seien die Klimaschützer umgehend nachgekommen, wie Polizeioberrat Tino Glaser als Einsatzleiter gegenüber der RUNDSCHAU bestätigte.

Nach Rücksprachen erteilte die Polizei den Klimaschützern nach einer knappen halben Stunde die Erlaubnis, mit ihrer Versammlung bis zur Ampelkreuzung vor dem Leag-Hauptsitz vorzurücken. Dort erbauten sie schließlich aus ihren Fahrrädern symbolisch eine Blockade und entrollten ihre roten Bänder. Eingerahmt von Polizeiwagen ein ungewöhnlicher Anblick - etliche Autoinsassen passierten die Kreuzung leicht irritiert oder zückten sogar ihre Handys für einen Schnappschuss.

Obwohl es die Klimaschützer nicht bis vor den Leag-Hauptsitz geschafft hatten, zogen sie ein positives Fazit ihrer Aktion. Es sei gelungen, dem Kohlekonzern eine rote Linie aufzuzeigen. "Das ist ein Symbol für die Grenzen des Braunkohletagebaus. Wenn die Bagger diese rote Linie überschreiten, werden Dörfer zerstört. Wir fordern von der Leag eine zügige Absage von Welzow-Süd II und eine klare Ansage, wie der Konzern den Strukturwandel aktiv zu gestalten gedenkt", erklärte Josephine Lauterbach, die Pressesprecherin der Tour 2017.

Um 9.36 Uhr erklärten die Klimaschützer die Versammlung schließlich für beendet. Begleitet von der Polizei ging‘s zurück ins Strombad, wo sich die insgesamt rund 40 Klimaaktivisten mit einem Frühstück für den zweiten Tagesabschnitt stärkten.

Kurz vor 11.30 Uhr starteten dann die Camp-Teilnehmer zu einer angemeldeten Radtour nach Proschim. Dabei wurde am Aussichtspunkt des Tagebaus Welzow ein Stopp eingelegt, und es wurden Gespräche mit den Anwohnern geführt. Am Abend las Fabian Scheidler aus seinem Buch "Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation."

Heute wollen die Camp-Teilnehmer von Proschim nach Schleife radeln. Zentrales Thema des zweiten Tages sind die Verockerung der Spree und Rekultivierungsmaßnahmen an ehemaligen Tagebaukippen. Als Experte ist der Naturschützer Winfried Böhmer vom Nabu eingeladen worden. Noch bis zum Sonntag sind die Klimaschützer in der Lausitz und in Polen unterwegs. Bis zum Wochenende soll die Teilnehmerzahl auf mehr als 60 steigen.

Übrigens: Als die zwei Betroffenen die Schäden an ihren Fahrrädern gleich vor Ort anzeigen wollten, kamen sie nicht viel weiter. Um die Anzeigen korrekt aufnehmen zu können, verlangten die Polizisten natürlich auch die Angaben zur Person. Dazu wiederum waren die Klimaschützer nicht bereit. Ob sie dies später auf einer Polizeiwache noch erledigen wollten, ließen sie am Montag offen.

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