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Laune der Mode im Stadtmuseum

Dagmar Pfeifer hat 500 Hutnadeln aus einer privaten Sammlung in die Sonderausstellungsräume des Stadtmuseums geholt.
Dagmar Pfeifer hat 500 Hutnadeln aus einer privaten Sammlung in die Sonderausstellungsräume des Stadtmuseums geholt. FOTO: Elsner
Cottbus. Die Sonderausstellung "Diva Hutnadel" mit mehr als 500 Objekten bietet einiges an Schauwert. Die Sonderausstellung läuft den ganzen Sommer über. Ulrike Elsner

Sie ist eine echte Diva und verdankt ihre Existenz einer Laune der Mode im ausgehenden 19. Jahrhundert. Der Hutnadel, einem inzwischen fast vergessenen historischen Accessoire ist eine Sonderausstellung gewidmet, die bis zum 20. September im Cottbuser Stadtmuseum gezeigt wird. Gezeigt werden in zwei Ausstellungsräumen neben rund 500 Hutnadeln aus einer privaten Sammlung sowie Cottbuser Hutschachteln, Hüte und anderes modisches Beiwerk. Zudem erfahren die Besucher Wissenswertes zu Formen, Herstellung und Verbreitung sowie über die Rolle der Hutnadel in der bildenden Kunst, in Literatur und Film.

Schon Anfang der 1920er-Jahre mit dem Aufkommen von Bubikopf und kleineren Hüten verschwindet die Hutnadel wieder. Allerdings ist auch manch Kurioses mit diesem Accessoire verbunden. "Als übergroße Hutnadeln zu Behinderungen im Alltag oder sogar zu Verletzungen in Straßenbahnen geführt hatten, wurden zulässige Höchstmaße gesetzlich festgelegt", berichtet Steffen Krestin, Leiter der Städtischen Sammlungen.

Die Ausstellung ist eine Leihgabe der Sammlerin Barbara Weinhold sowie der Städtischen Museen Jena und auf Anregung von Museumsmitarbeiterin Dagmar Pfeifer zustande gekommen.

Barbara Weinholds Sammelleidenschaft war geweckt worden, als sie vor etwa 14 Jahren im Antikladen ihres Mannes in Weimar eine Hutnadel entdeckte. Das Objekt mit barocker Perle löste regelrechte Jagdgefühle in ihr aus. Die Vielfalt der Stücke ist beeindruckend. Die meisten Nadelköpfe sind aus Glas gefertigt. Auch die zylinderförmigen Zwischenprodukte werden gezeigt. Feinste handwerkliche Arbeiten bestechen durch ihre schillernden Farben und fantasievollen Motive. Manches dient dabei mehr dem Schmuck als dem Fixieren der Hüte wie beispielsweise die Trachtennadeln aus dem Alpenland. Aber auch Hutnadeln aus der Cottbuser Sammlung sind zu sehen.

"Diva Hutnadel" fügt sich ein ins Sonderausstellungskonzept des Hauses, das sich laut Krestin sowohl an den Cottbuser Sammlungen und bedeutsamen Jubiläen und Ereignissen als auch an allgemeinen natur- und kulturgeschichtlichen Themen orientiert.

"Diva Hutnadel" ist eine perfekte Sommerausstellung, weil auch viele Cottbuser die Ferienzeit mit dem Wunsch nach Unterhaltung und leichten Themen verbinden. Selbst die britische Krimiautorin Agatha Christie hat der Hutnadel ein Denkmal gesetzt, indem sie ihre Eignung zur Mordwaffe entdeckt hat. Dabei hatte die Modeerscheinung Hutnadel durchaus einen praktischen Zweck. Den Damen sei es darum gegangen, die immer größer und mondäner werdenden Hüte auf dem Dutt sicher zu befestigen, erläutert der Museumschef. "Und gutbürgerlich war zu dieser Zeit ein großer Hut." Allerdings ist die Methode, Kleidungsstücke mit einer Nadel zu befestigen, schon uralt. So stammen die ältesten Formen einer Fibel genannten metallenen Gewandnadel nach dem Prinzip der Sicherheitsnadel aus der Bronzezeit und wurden bis ins Hochmittelalter verwendet.

Zum Thema:
Das Stadtmuseum, Bahnhofstraße 22, ist den Sommer über (bis zum 30. September dienstags bis freitags, jeweils von 10 bis 18 Uhr und am Wochenende von 13 bis 18 Uhr geöffnet.