| 02:38 Uhr

Lauf auf Bärenbrücker Höhe fällt aus

Gut 500 Läufer wurden zum Crosslauf auf der Bärenbrücker Höhe in diesem Jahr erwartet.
Gut 500 Läufer wurden zum Crosslauf auf der Bärenbrücker Höhe in diesem Jahr erwartet. FOTO: Helbig/mih
Cottbus. Es ist ein bislang einmaliger Vorgang. Der traditionsreiche Frühjahrs-Crosslauf auf der Bärenbrücker Höhe fällt nach 22 Jahren ohne Unterbrechung in diesem Jahr zum ersten Mal aus. Veranstalter Vattenfall will möglichst vielen Lausitzern die Möglichkeit einräumen, am Austragungstag die Großdemo gegen die geplante Klimaabgabe in Berlin zu besuchen. Der Sport zeigt Verständnis. Sven Hering

Es geht um die Zukunft einer Wirtschaftsregion und Heimat - mit diesen Worten ruft die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) am 25. April zu einer Großdemonstration nach Berlin auf. Dort soll gegen die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) für eine Klimaabgabe für Kohlekraftwerke und deren mögliche Auswirkungen auf die Lausitzer Region demonstriert werden. Was diese Veranstaltung mit dem zeitgleich geplanten Frühjahrs-Crosslauf auf der Bärenbrücker Höhe zu tun hat? Auf den ersten Blick nicht viel. Und trotzdem hat Vattenfall als Veranstalter den Lauf abgesagt. Eine offizielle Begründung gibt es auch. Vattenfall als Veranstalter halte es für wichtig, dass den betroffenen Lausitzern die Möglichkeit gegeben wird, in möglichst großer Zahl am Protest in Berlin teilzunehmen, heißt es in einer Erklärung. Die aktuellen Strommarktpläne des Bundeswirtschaftsministeriums könnten einschneidende Konsequenzen für die gesamte Region haben. Die Gewerkschaft warnt in diesem Zusammenhang vor dem Verlust Zehntausender Arbeitsplätze und einem sozialen Blackout in den deutschen Braunkohlerevieren.

"Ein alternativer Veranstaltungstermin ist aufgrund der Kurzfristigkeit und mit Rücksicht auf den bereits durchgeplanten Veranstaltungskalender im Laufsport nicht möglich", so Vattenfall-Sprecherin Susann Thomanek. Der Frühjahrs-Crosslauf soll deshalb im nächsten Jahr wie gewohnt mit der dann 23. Auflage fortgesetzt werden.

Unabhängig von der offiziellen Erklärung ist die Absage des Laufes natürlich auch ein Zeichen. Ohne das Energieunternehmen hätte der Sport in der Region ein massives Problem. "Vattenfall und die Betriebe, die von dem Unternehmen profitieren, unterstützen in vielfältiger Form den Kinder- und Jugendsport", sagt Tobias Schick, Geschäftsführer des Stadtsportbundes in Cottbus. Die Unternehmen würden einen Teil der Wertschöpfung in Form von Sponsoring an die Region zurückgeben. "Ich habe deshalb absolutes Verständnis für die Entscheidung, den Lauf abzusagen", ergänzt Schick. "Man muss nicht Freund der Braunkohle sein, um zu verstehen, welche Bedeutung dieser Wirtschaftszweig für unsere Stadt und damit auch für den Sport hat", so der Stadtsportbund-Geschäftsführer. Zumal alternative Wirtschaftsmodelle für die Lausitz fehlten.

Auch Günter Sägebrecht vom LC Cottbus, der sich bei der Freizeitsportveranstaltung auf der Bärenbrücker Höhe vor allem um die Zeitmessung kümmert, hegt keinen Groll gegen den Veranstalter. "Es geht schließlich um die Zukunft der Region", sagt er. Mit gut 500 Läufern habe er in diesem Jahr kalkuliert. Zwar sei versucht worden, einen alternativen Termin zu finden. Doch die Laufsportkalender für das Jahr sind längst geschrieben.

So bleibt den Freizeitsportlern eine Alternative für den kommenden Samstag - ein Demonstrationsmarsch durch die Hauptstadt.