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| 18:13 Uhr

Um Passanten aufzurütteln und zu informieren
Langfinger-Test in Cottbus: Polizei zeigt Tricks der Taschendiebe

 Roland Hartmann von der Bundespolizei zeigt, wie leicht Diebe an Handtaschen wie hier bei dieser Mutter mit Kind herankommen können.
Roland Hartmann von der Bundespolizei zeigt, wie leicht Diebe an Handtaschen wie hier bei dieser Mutter mit Kind herankommen können. FOTO: LR / Silke Halpick
Cottbus. Eine Handtasche, die offen steht, eine Geldbörse in der Hosentasche: Auf Weihnachtsmärkten und im Kaufhausgetümmel kann Leichtsinn teure Folgen haben. Die Polizei Cottbus schickte ihre „Taschendiebe“ auf den Weihnachtsmarkt, um Passanten auf Nachlässigkeiten aufmerksam zu machen und zu informieren. Von Silke Halpick

Ob beim Bummel über den Weihnachtsmarkt oder im Kaufhausgetümmel: Auch Taschendiebe sind unterwegs und auf der Suche nach leichter Beute. „Das sind Profis, die ihr Handwerk beherrschen und sich meist die Arbeit im Team teilen“, warnt  Corina Heinze von der Bundespolizei. Im Auftrag des Cottbuser Präventionsrates war sie in den vergangenen Wochen mit ihrem Team auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt und hat Besucher vor möglichen Gefahren gewarnt.

Einen Aufkleber „Vorsicht Taschendiebe“ bekommt beispielsweise auch Stefanie Pfaff auf ihre weit aufstehende Handtasche geheftet. „Mir wurde vor zwei Jahren tatsächlich schon ein Handy geklaut“, erzählt sie. Das sei sehr ärgerlich gewesen, vor allem wegen der vielen privaten Bilder, die sie auf dem Gerät gespeichert hatte. Dass die Polizei ihr jetzt einige Verhaltenstipps gibt,  findet sie „gut“.

„Die Menschen, die wir ansprechen, sind freundlich und hören uns zu“, berichtet Janett Sittig. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Roland Hartmann schlendern beide als Paar getarnt durch die Sprem oder über den Altmarkt und versuchen sich als Langfinger. „Taschendiebe erkennt man nicht“, sagt sie. Schließlich gehöre zum Job die Tarnung, um so unauffällig wie möglich auszusehen. Mit den folgenden neun  beliebten Tricks kann man konfrontiert werden:

Rolltreppen-Trick: Einer der Täter löst den Nothalt der Rolltreppe aus. Das ruckartige Anhalten ermöglicht dem zweiten Dieb, an die Wertsachen des Vordermanns unbemerkt heranzukommen.

Antanz-Trick: Hier geraten vor allem bereits alkoholisierte Personen in den Fokus. Der Täter tanzt überschwänglich das Opfer an und kann beim Zusammenstoß Portemonnaie oder Handy aus der Jackentasche stehlen.

Drängel-Trick: Ein oder mehrere Täter rempeln Personen im Gedränge an. Meist befindet sich einer vor dem Opfer und bleibt plötzlich stehen. Während es zum Auflaufen kommt, kann der zweite Taschendieb die Wertsachen aus dem Rucksack holen.

Spenden-Trick: Dem Opfer wird ein Pappschild mit der Bitte um eine Spende vorgehalten. Während dieses bereitwillig nach Kleingeld im Münzfach der Geldbörse sucht, zieht der Täter – abgedeckt durch das Pappschild – die Banknoten aus dem Scheinfach.

Beschmutzer-Trick: Der wird häufig beim Geldabheben in der Bankfiliale angewandt. Das Opfer wird „versehentlich“ mit Ketchup, Eis oder Cola bekleckert. Beim wortreichen Reinigungsversuch verschwindet das gerade abgehobene Geld aus der Tasche.

Stadtplan-Trick: Der Taschendieb zeigt sich ortsunkundig und fragt mit einem Stadtplan in der Hand nach dem Weg. Während das Opfer den Stadtplan in die Hand nimmt, um sich zu orientieren, öffnet der Dieb unbemerkt die Handtasche.

Restaurant-Trick: Enge Sitzreihen beispielsweise im Restaurant nutzen die Taschendiebe, um unbemerkt die Taschen der über den Stuhl gehängten Jacken zu durchsuchen. Die Täter sitzen dabei meist mit dem Rücken zum Opfer.

 Supermarkt-Trick: Ein Täter lässt sich eine bestimmte Ware im Regal erklären oder herausholen. Während der Hilfeleistung wird vom zweiten Dieb die Tasche im Einkaufswagen durchsucht.

Zug-Trick: Auf dem Bahnhof bietet der Täter an, die Reisetasche in den Zug zu tragen. Dabei provoziert er einen Stau, damit der Mittäter aus der Umhänge- oder Handtasche des Opfers die mitgeführten Wertgegenstände herausholen kann.

„Cottbus ist kein Taschendiebstahl-Schwerpunkt“, stellt Heinze klar. Das zeigen auch die Zahlen: Im vergangenen Jahr gab es laut Kriminalstatistik in der Stadt lediglich 69 angezeigte Taschendiebstähle. In Großstädten wie Berlin sieht das schon anders aus.  Bei großen Menschenansammlungen sei immer Vorsicht geboten, so Heinze.