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| 15:44 Uhr

Israels Ex-Botschafter in Cottbus
Langes Hoffen auf eine Zwei-Staaten-Lösung

Avi Primor mit seinem Buch in Cottbus.
Avi Primor mit seinem Buch in Cottbus. FOTO: Simone Wendler
Von Simone Wendler. Der Ex-Botschafter Avi Primor sprach in der Cottbuser Oberkirche über Israel und den Nahost-Konflikt. Von Simone Wendler

Die Cottbuser Oberkirche war in der Vorwoche eine von vier Stationen in Brandenburg, die Avi Primor in diesen Tagen besucht. Mehr als 100 Besucher nutzen die Veranstaltung von Friedrich-Ebert-Stiftung und Deutsch-Israelischer Gesellschaft, um den ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland eineinhalb Stunden live im Gespräch zu erleben.

Avi Primor ist inzwischen 83 Jahre alt und lebt in der Nähe seiner Geburtsstadt Tel Aviv. Doch von seinem profunden politischen Wissen und seiner warmherzigen, humorvollen Art, die ihn zwischen 1993 und 1999 zum vielleicht bekanntesten Botschafter seines Landes in Deutschland machte, hat er nichts verloren. Und Primor ist noch immer ein mitreißender Erzähler, der Zuhörer schnell in seinen Bann zieht..

„70 Jahre Israel, Land der Vielfalt, Land der Kontroversen“, so der weit gesteckte Titel des Abends. Primor begann seinen Einstiegsvortrag mit der Vorgeschichte der Gründung des Staates Israel, seiner eigenen Familiengeschichte und kam dann schnell auch durch Fragen des Publikums in der aktuellen Situation des Nahen Ostens an.

Primor vertritt dabei seit Jahren eine klare Position, die ihm in seinem Heimatland nicht nur Zuspruch beschert: „Wir werden irgendwann Frieden schließen müssen, weil wir keine Alternative haben und die Palästinenser auch nicht.“

Bei der Staatsgründung hatte Israel 600 000 Einwohner, heute seien es 8,7 Millionen. „Wir werden nicht mehr weggehen“, sagt Primor. Israel auszulöschen, werde auch nicht gelingen. Die Gründung eines palästinensischen Staates und eine Teilung Jerusalems, die dabei eine offene Stadt bleiben sollte, sei deshalb die einzige Lösung.

Seit seiner Gründung befinde sich Israel im Kriegszustand, bedauerte er, weil die Araber den Teilungsplan der Vereinten Nationen für das britische Mandatsgebiet nicht akzeptiert hätten. 70 Jahre später fällt seine Bilanz zwiespältig aus: „Wir haben das Land aufgebaut und entwickelt, nur eines haben wir nicht erreicht, Frieden mit unseren Nachbarn.“

Wenn sich die Verhältnisse in Israel nicht deutlich veränderten, um eine Zwei-Staaten-Lösung zu erreichen, dann könnte nur Druck aus dem Ausland, vor allem aus den USA, helfen. „Wir sind so stark von den USA abhängig, wenn die einen Frieden erzwingen wollen, könnten wir nicht nein sagen.“

Zuhörer fragten nach dem Einfluss streng religiöser Juden im Land, nach einer möglichen Rolle Deutschlands und der EU bei Friedensbemühungen, nach Antisemitismus in Europa und dem Verhältnis zum Iran. Er wisse nicht, ob der Iran Israel vernichten wolle, sagt der ehemalige Botschafter, aber es habe dafür keinen wirklichen Grund. Primor zweifelt auch daran, dass es die Möglichkeit dazu hätte: „Es ist ein offenes Geheimnis, dass Israel Atomwaffen hat.“

Die Situation des Antisemitismus in Europa beurteilt er differenziert. Hier lebende Moslems würden Juden angreifen, auch wenn sie keine Israelis sind, das halte er für ein Problem. Bei den Nichtmoslems sehe er dagegen ein Schwinden von antijüdischen Einstellungen.

Pfarrerin Johanna Melchior will mit Blick auf die jüngsten Auseinandersetzungen an der Grenze zum Gazastreifen wissen, warum es Israel nicht gelingt, die internationale Meinung besser im eigenen Sinne zu beeinflussen. In Israel gebe es viele Leute, die an Propaganda glaubten, doch die habe nur eine begrenzte Wirkung. Es werde versucht, vieles mit Sicherheitsproblemen zu begründen und gesagt, wir müssen uns nur besser erklären. „Es gibt aber Dinge, die man nicht erklären kann“, so Primor, zum Beispiel die Besetzung des Westjordanlandes.

Trotz der aktuellen Situation im Nahen Osten gibt Avi Primor seine Hoffnung auf eine Zwei-Staaten-Lösung nicht auf. Das wird auch in Gesprächen in kleiner Runde nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung deutlich.

Da zitiert er Ben Gurion, den ersten Ministerpräsidenten Israels: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“