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| 21:22 Uhr

Landratswahlen
Nach der Wahl ist vor der Wahl

Harald Altekrüger (CDU) und seine Frau Roswitha verfolgen am Sonntagabend in der Gaststätte Hartnick in Siewisch die Ergebnisse der Landratswahl. Im Bild mit  Klaus-Peter Schulze (MdB) sowie Evelyn Schulze.
Harald Altekrüger (CDU) und seine Frau Roswitha verfolgen am Sonntagabend in der Gaststätte Hartnick in Siewisch die Ergebnisse der Landratswahl. Im Bild mit Klaus-Peter Schulze (MdB) sowie Evelyn Schulze. FOTO: Michael Helbig
Harald Altekrüger (CDU) fühlt sich durch das Bürgervotum gestärkt. Steffen Kubitzki (AfD) allerdings auch. Von Andrea Hilscher

Beiden Kandidaten ist die Erleichterung anzusehen, als gegen 19.30 Uhr das vorläufige Endergebnis feststeht: Harald Altekrüger (CDU) ist alter und neuer Landrat des Spree-Neiße-Kreises und kann mit Freunden und Familie im Gasthaus in Siewisch bei Drebkau erst mal entspannt durchatmen. „Ich hatte mit einem Vorsprung gerechnet, war mir aber nicht sicher, was das Quorum angeht“, sagt der 62-Jährige.

Am Ende wird er von 23 670 Einwohnern des Kreises gewählt - mehr als genug, um den Vorschriften Genüge zu tun. „Darüber freue ich mich sehr“, sagt Altekrüger. „Das Vertrauen der Bürger ist viel wert.“ Ein wenig habe vielleicht geholfen, dass in Guben, Forst und Drebkau gleichzeitig die Stichwahl der Bürgermeister angesetzt war. „Trotzdem können wir mit der Wahlbeteiligung sehr zufrieden sein.“ Bei seiner ersten Kandidatur vor acht Jahren hatte letztlich der Kreistag entscheiden müssen, bei den vorangegangenen Wahlen waren nicht genügend Stimmen zusammengekommen.

„Jetzt will ich Schritt für Schritt all das anpacken, was anliegt.“ Die interkommunale Zusammenarbeit sei ihm wichtig, die Frage der Gesamtschule und der Schülerbeförderung. „In Sachen Strukturentwicklung ist zwar schon viel passiert, aber da müssen wir noch kräftig rudern“, sagt der CDU-Mann, der erst vor zwölf Jahren seiner Partei beigetreten ist.

Für die kommenden Jahre setzt er auf eine enge Zusammenarbeit mit den Landräten in Südbrandenburg, nennt dabei besonders die Kollegen Christian Jaschinski (Elbe-Elster, CDU)) und Siegurd Heinze (Oberspreewald-Lausitz, parteilos, für CDU). Beide waren bereits am 22. April in ihrem Amt bestätigt worden.

Auch den Vertretern der AfD steht Harald Altekrüger offen gegenüber. „Ich rede auch mit Menschen, die eine andere Auffassung haben und scheue die Auseinandersetzung nicht.“ Es sei wichtig, sich mit den Anhängern der AfD auseinanderzusetzen. „Diese Diskussionen müssen wir führen.

Ebenso wie er sieht sich allerdings auch Steffen Kubitzki (54) von der AfD durch das Wahlergebnis gestärkt. „Ich konnte gegenüber der letzten Wahl nochmal zehn  Prozent zulegen, das ist einfach toll.“ Natürlich, so gibt er zu, hätte er auch er manchmal von einem kleinen Wunder geträumt. „Aber ich muss auch ehrlich sagen, dass ich erst mal froh bin, dass der Wahlkampf vorbei ist.“ Anstrengend sei es gewesen, „aber immer fair.“ Auch deshalb gratuliert der dem Wahlgewinner „ganz ehrlich und aus vollem Herzen“. Dennoch, so Kubitzki, solle sich Altekrüger an den Gedanken gewöhnen, dass Kubitzki ihn in den nächsten Jahren sehr genau beobachtet. „Ich habe in den Talkrunden sehr genau zugehört, was der Landrat alles versprochen hat. Daran werde ich ihn messen.“ Auf jeden Fall sei er gespannt, wann der angekündigte Bürgerbus zum ersten Mal in seinem Heimatort anhalten wird.

Die Kritik, er selbst habe als Neuling zu wenig Ahnung von Kommunalpolitik, will sich der Mann aus Turnow-Preilack zu Herzen nehmen. „Ich habe jetzt Zeit, all das zu lernen, was ich im Kreistag wissen muss.“ Er will kommunalpolitisch fit werden. Gemeinsam mit anderen Parteimitgliedern lässt er sich daher jetzt schulen, will sich auch privat weiterbilden.

„Und wenn ich dann in acht Jahren wieder antrete, bin ich so alt wie der Amtsinhaber heute.“ Dann könne er sich durchaus gute Chancen ausrechnen, sagt er, hat aber dabei auch alle anderen Wahlen im Blick, die in den kommenden Jahren in Brandenburg anstehen.

Bei der Wahl vor 14 Tagen hatte der Amtsinhaber (Slogan „dynamisch weiter“) mit 39,97 Prozent der Stimmen einen deutlichen  Vorsprung vor seinem Herausforderer Steffen Kubitzki, der 28,89 Prozent der Stimmen geholt hatte. Die Kandidaten von Linken und SPD landeten vor zwei Wochen auf den hinteren Plätzen. waren auf den hinteren Plätzen.

Altekrüger, der für weitere acht Jahre Landrat des Kreises ist, will trotz seines Alters – er ist 62 Jahre – über die volle Wahlperiode bis  2027 sein Amt ausfüllen. Kraft für seine 12-Stunden-Tage schöpft er in seinem Zuhause in Koschendorf, einem kleinen Dorf zwischen Leuthen und Drebkau. Hier lebt er mit seiner Frau Roswitha, mit der er sich im Heimatverein des Ortes engagiert.

Aufregung bis zuletzt: Steffen Kubitzki verfolgt bei der AfD-Wahlparty in Grießen die einlaufenden Ergebnisse.
Aufregung bis zuletzt: Steffen Kubitzki verfolgt bei der AfD-Wahlparty in Grießen die einlaufenden Ergebnisse. FOTO: LR / Silke Halpick