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| 17:22 Uhr

Aus dem Cottbuser Landgericht
Ermittler folgten Spur der Drogen

 Polizeibeamte haben im Einbauschrank des Angeklagten aus Cottbus Kokain gefunden. Er sagt, er habe es dort für einen Freund aufbewahrt.
Polizeibeamte haben im Einbauschrank des Angeklagten aus Cottbus Kokain gefunden. Er sagt, er habe es dort für einen Freund aufbewahrt. FOTO: dpa / Christian Charisius
Zeugen in Gerichtsprozess schildern den Weg vom Crystal-Labor in Dresden über eine Ferienwohnung in Finsterwalde bis zu einem Einbauschrank in Cottbus.

Die Spur der Ermittler zieht sich von einem Crystal-Meth-Labor in Dresden über eine Ferienwohnung in Finsterwalde bis zu einem Einbauschrank in einer Cottbuser Wohnung. in diesem Schrank hat der 45-jährige Ronny N. mehr als 200 Gramm Kokain gehortet.

Als Angeklagter betritt Ronny N. am Dienstag den Saal des Cottbuser Landgerichts. „Guten Morgen“, ruft er, bevor ihm die Polizeibeamten die Handschellen abnehmen.

Mehrere Zeugen hat der Vorsitzende Richter geladen. Ihre Aussagen deuten auf die verschlungenen Wege hin, die Polizeiarbeit manchmal nehmen kann. So berichtet ein Beamter vom Zollfahndungsamt aus Dresden: Ursprünglich habe sich ein Ermittlungsteam zu einer Tätergruppe gebildet, die ein Crystallabor in der sächsischen Landeshauptstadt aufbauen wollte. Von den Verdächtigen habe im Dezember 2017 ein Mann namens Tino  L. drei Kilogramm Crystal erhalten. Der Beamte vom Zollfahndungsamt erinnert sich vor Gericht: „Im Jahr 2018 wurden die Personen festgenommen, aber er verschwand erst mal von der Bildfläche.“ Erst später habe sich herausgestellt, dass er in einer Ferienwohnung am Rand von Finsterwalde untergetaucht sei.

Polizei observiert Verdächtige

Offenbar führte eine Observation die Polizeibeamten daraufhin auf die Spur von Ronny N. aus Cottbus, der sich als Angeklagter vor dem Landgericht verantworten muss. Wie der Dresdener Zollfahnder berichtet, besuchte Tino L. den Cottbuser mehrmals in dessen Wohnung, wobei er sogar einen eigenen Schlüssel dabei hatte. Darüber hinaus hätten beide Männer mehrmals miteinander telefoniert. „Allerdings ist mir unbekannt, ob Herr L. ihm irgendwas geliefert oder was von ihm bekommen hat“, sagt der Zollfahnder.

Im Januar 2019 hoben Beamte die Ferienwohnung von Tino L. in Finsterwalde aus. Dabei fanden sie 150 Gramm Kokain, 900 Ecstasy-Tabletten, zwölf Gramm Crystal und 170 000 Euro in bar. Staatsanwalt Olaf Jurtz aus Cottbus erklärte daraufhin, dass es sich um einen „großen Schlag“ gegen den Rauschgifthandel in der Region handele. Der 30-jährige Tino L. wurde festgenommen. Es folgte eine Anklage vor dem Landgericht in Dresden.

Ebenfalls im Januar 2019 durchsuchten Polizeibeamte die Wohnung von Ronny N. in Cottbus, nachdem sie ihn monatelang observiert und sein Telefon überwacht hatten. Laut der Anklage der Staatsanwaltschaft entdeckten sie in seiner Wohnung mehr als 200 Gramm Kokain, weitere Drogen und 5121 Euro in bar.

Dreckig und verstaubt

Eine Zeugin sicherte bei diesem Einsatz Beweise. So fotografierte sie nach eigenen Worten den Einbauschrank im Flur der Wohnung, in dem Ronny N. das Kokain gelagert hatte. „Im Schrank hat man solche szenetypischen Tütchen gesehen“, erklärt sie bei ihrer Aussage im Cottbuser Landgericht. „Ich erinnere mich auch, dass es recht dreckig und verstaubt in der Wohnung war.“

Eine weitere Kriminalbeamtin sagt, der Angeklagte habe sich bei seiner Festnahme in der Wohnung kooperativ verhalten. „Er hat alle Fragen beantwortet.“ Das Kokain habe in einer blauen Schüssel gelegen, verstaut im Einbauschrank. Auch sie stellt fest, die Wohnung sei „nicht sehr sauber“ gewesen. „Man konnte sich nirgends hinsetzen.“

Die Anklage wirft Ronny N. vor, er habe illegal Betäubungsmittel in seiner Wohnung gelagert, um diese gewinnbringend weiter zu verkaufen. Der Beschuldigte stellt den Konflikt anders dar. Demnach stellte er seine Wohnung als Depot für seinen Freund Tino L. zur Verfügung, den er „seit Jahren“ kenne. Zugleich habe er ihn darauf hingewiesen, dass dort keine Geschäfte stattfinden würden.

Erklärung des Angeklagten

„Ich will das hier gar nicht weiter beschönigen“, heißt es in der persönlichen Erklärung des Angeklagten, die sein Rechtsanwalt Ulrich von Klinggräf bei einem Verhandlungstermin im Juli vorlas. „Er hatte mir als Gegenleistung für das Einlagern zugesichert, mich am Kokain im Eigenbedarf bedienen zu können.“

Die Verhandlung am Cottbuser Landgericht wird in den nächsten Wochen mit weiteren Prozessterminen fortgesetzt.