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| 17:56 Uhr

Papierkunst im Dieselkraftwerk
Ein Aufrollversuch im Cottbuser Dieselkraftwerk

 Blick in die Ausstellung „Papier ist (un)geduldig“.
Blick in die Ausstellung „Papier ist (un)geduldig“. FOTO: BLMK
Cottbus. „Papier ist (un)geduldig“ heißt eine Ausstellung im Landes­kunstmuseum. Jörg Sperling stellt die Rollomalerei vor.

Wenn es um Rollos geht, denken viele sicherlich an den Schutz vor Sonne und Einblicken. In der aktuellen Ausstellung „Papier ist (un)geduldig“ im Landeskunstmuseum im dkw stehen Rollos ebenfalls im Fokus – allerdings sind Einblicke hier erwünscht und erlaubt.

Die Präsentation stellt ein Kunstphänomen ins Zentrum: die Rollomalerei. Deren Entwicklung – zum Teil quer zu den staatlichen Verlautbarungen in der DDR – wird im Zusammenspiel mit Künstlerplakaten und -büchern aus der Sammlung umrissen. Sie begann Ende der 1970er-Jahre und schälte sich als ein besonderes Kunstereignis heraus. Cottbus spielte eine Doppelrolle: Zum einen war es den Malern Hans Scheuerecker und Matthias Körner zu verdanken, dass mehrere Faltrollo-Ausstellungen Ende der 1980er-Jahre stattfanden. Zum anderen konnten die Rollos nach der Wende 1991 im Kunstmuseum Einzug halten. Sie wurden seither gesammelt und bilden heute eine landesweit einmalige Kollektion.

 Andreas Küchler: „Und Morgen kommt Hanns Isegrimm da wird`s schlimm“, 1985, Mischtechnik auf Faltpapierrollo.
Andreas Küchler: „Und Morgen kommt Hanns Isegrimm da wird`s schlimm“, 1985, Mischtechnik auf Faltpapierrollo. FOTO: Sammlung BLMK / VG Bild-Kunst Bonn 2019

Als ein Hauptwerk aus jener Zeit darf Andreas Küchlers Rolloarbeit „Und morgen kommt Hanns Isegrimm, da wird‘s schlimm“ (1985) gelten. Im seinem Schaffen lässt sich die Malerei auf dem DDR-typischen Papierrollo als Zusammenfassung des Frühwerkes betrachten, wo es partienweise turbulent, aber auch märchenhaft versponnen zugeht. Küchlers Bildwelten sind voller Anzeichen. Anders als damals sozialistisch propagiert, fügt sich nichts mehr zukunftsgewiss. So sprechen die Bilder häufig von menschlichen wie weltlichen Bedrängnissen. Mit der melancholischen, pierrotähnlichen Gestalt erfindet er ein Alter Ego, das sein Werk durchwandert. Sie zeigt sich im glühbirnenerhellten Heim, das keinen Schutz mehr zu bieten vermag: Jagdflugzeuge stürzen durch die Luft, Kometen kreisen, der Andrang der Welt scheint bedrohlich. Dem unheilschwangeren Moment, in welchem sich die Figur sogar auflöst, entspricht die skizzenhaft auf das spröde Papier gebrachte Malerei. Sie kommt in ihrem heftigen, neoexpressiven Stil mit schwarzen Umrissen und wenigen Farbakzenten aus.

Bis zum 4. August präsentiert das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst im Dieselkraftwerk die Ausstellung „Papier ist (un)geduldig“. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag jeweils 10 bis 18 Uhr.

(red/pos)