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Landeskirche diskutiert Trauung Homosexueller

Gleichgeschlechtliche Paare werden bisher in evangelischen Kirchen der Lausitz nicht getraut.
Gleichgeschlechtliche Paare werden bisher in evangelischen Kirchen der Lausitz nicht getraut. FOTO: fotolia
Cottbus. Sollen gleichgeschlechtliche Paare im kirchlichen Leben und in der Liturgie der Ehe zwischen Mann und Frau gleichgestellt werden? Diese Frage wird aktuell in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) diskutiert. Ein Vertreter der Landeskirche bereist die Gemeinden, um deren Meinung einzuholen. Nicole Nocon

Die evangelische Kirche in Brandenburg gibt gleichgeschlechtlichen Paaren ihren Segen. "Pfarrer unserer Landeskirche können homosexuelle Paare, die das wünschen, segnen, sofern der Pfarrer und sein Gemeindekirchenrat dies befürworten. Getraut werden können schwule und lesbische Paare derzeit noch nicht", erklärt Ulrike Menzel, Superintendentin des Kirchenkreises Cottbus.

Nun strebt die EKBO an, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zwischen Mann und Frau vollends gleichzustellen und homosexuelle Paare auch kirchlich zu trauen und die Eheschließungen im Kirchenbuch einzutragen. Ein entsprechender Beschluss zur Gleichstellung von schwulen und lesbischen Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft wurde mit großer Mehrheit bei der Landessynode im Frühjahr 2015 auf den Weg gebracht. Umgesetzt wird der Beschluss allerdings nur mit Zustimmung der Kirchengemeinden vor Ort. Deshalb bereist Probst Christian Stäblein, der Stellvertreter des Bischofs und theologischer Leiter des Konsistoriums Berlin, derzeit die Gemeinden der Landeskirche, um den evangelischen Christen der EKBO den Beschluss der Synode zu erläutern und um zu hören, was Gemeindeglieder zur Trauung von gleichgeschlechtlichen Menschen denken und sich von ihrer Kirche wünschen. Die Ergebnisse sollen dann bei der nächsten Landesynode im Frühjahr ausgewertet werden.

"Von vielen wird das Vorhaben begrüßt, von manchen wird es kritisch gesehen", weiß Ulrike Menzel. Bis vor wenigen Jahrzehnten sei es undenkbar gewesen, sich als Kirche diesen Beschluss vorzunehmen. "Manche sagen, es gebe gute Gründe gegen die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen. Andere sprechen davon, dass sich die Kirche über Jahrhunderte schuldig gemacht hat an schwulen und lesbischen Menschen", sagt die Superintendentin. Auch wenn an sie persönlich bislang noch kein homosexuelles Paar mit der Bitte um ihren Segen herangetreten sei, könne sie die Trauung zweier geleichgeschlechtlicher Partner sehr gut mit sich und ihrem Glauben vereinbaren. "In der Bibel gibt es Äußerungen, die zum Beispiel gegen eine sexuelle Partnerschaft von Männern sprechen. Man muss aber bedenken, dass der Text der Bibel vor einem völlig anderen kulturellen Hintergrund entstanden ist. Auch unsere heutige Ehe, in der Frauen und Männer gleichberechtigt auf einer Stufe stehen, wäre in der Entstehungszeit der Bibel völlig undenkbar gewesen", erläutert Ulrike Menzel. Ihr ist bewusst, dass im Kirchenkreis Cottbus nicht alle Pfarrer und Gemeindeglieder, ihre Auffassung zur Segnung und Trauung homosexueller Paare teilen. Einige Gemeinde lehnen auch deren Segnung ab.

Zum Thema:
Am Freitag, 22. Januar, ist Probst Christian Stäblein in der Kirchengemeinde Werben zu Gast. Das öffentliche Diskussionforum für den Kirchenkreis Cottbus beginnt um 19 Uhr Am Anger 2 in Werben.Am Mittwoch, 17. Februar, macht der Probst dann Station in Lübben. Das Abendforum der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde beginnt um 19 Uhr in der Paul-Gerhardt-Straße 2.