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| 05:34 Uhr

Spree-Neiße
Land lehnt Plan für Kolkwitzer Schule ab

Der Start einer Gesamtschule Kolkwitz in diesem Jahr ist ausgeschlossen. Das Bildungsministerium sieht die Vorbereitungszeit als zu kurz an.
Der Start einer Gesamtschule Kolkwitz in diesem Jahr ist ausgeschlossen. Das Bildungsministerium sieht die Vorbereitungszeit als zu kurz an. FOTO: Michael Helbig/mih1
Spree-Neiße. Landrat spricht von „bitterem Tag“, Staatssekretär bezeichnet „aktuelle Eile“ als „nicht angemessen“.

Das brandenburgische Bildungsministerium lehnt den Antrag des Spree-Neiße-Kreises zur Genehmigung einer Gesamtschule in Kolkwitz zum Schuljahr 2018/2019 ab. Wie aus einem Schreiben von Staatssekretär Dr. Thomas Drescher an Landrat Harald Altekrüger (CDU) hervorgeht, seien die nötigen Vorbereitungen in diesem Zeitraum „nicht mehr mit der erforderlichen Sorgfalt“ einzuleiten. „Ein verantwortungsvolles Verwaltungshandeln, welches auch und besonders bei der Errichtung einer Schule von herausgehobener Bedeutung ist, ließe sich nicht mehr sicherstellen“, erklärt der Staatssekretär. Zudem erwähnt er „Mängel und Widersprüche“ in der Begründung für den Bedarf. Die Folgen für andere Schulstandorte seien nicht zureichend dargestellt und abgewogen. Die „aktuelle Eile“ in diesem Prozess bezeichnet der Staatssekretär als „nicht angemessen“.

Landrat Harald Altekrüger erklärt dazu: „Ich bin tief enttäuscht und geschockt von dieser Potsdamer Hiobsbotschaft.“ Besonders für die vielen betroffenen Kinder und Eltern sowie für Elterninitiativen und die Kreisverwaltung sei dies „ein bitterer Tag“. Darüber hinaus widerspricht Harald Altekrüger der Darstellung des Staatssekretärs. „Die notwendigen Schülerzahlen sind vorhanden, und mögliche Auswirkungen auf andere Schulstandorte wurden in den Analysen berücksichtigt.“ Dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) wirft der Landrat vor, in Bezug auf die vermeintliche Stärkung des ländlichen Raums nur mit Lippenbekenntnissen zu arbeiten.

Der Kreistag hatte am 13. Dezember entschieden, dass neben der Grundschule in Kolkwitz eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe entstehen soll. Als Übergangslösung sah der Plan Module oder auch Container vor. Das Investitionsvolumen sollte insgesamt mehr als 20 Millionen Euro betragen.

Bereits im Oktober 2017 stellte der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) mit Bedauern fest: Die Stadt Cottbus und der Landkreis kämen bei den Plänen zur Schulentwicklung nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Das Projekt einer neuen Schule in Kolkwitz konterkariere den Beschluss, im Cottbuser Stadtteil Schmellwitz eine Oberschule einzurichten.

Landrat Harald Altekrüger äußert sich nun „mehr als betrübt“ über das Schreiben des Staatssekretärs, zumal die Genehmigung für die Cottbuser Schule zeitgleich erfolge. Er hält grundsätzlich am Plan für Kolkwitz fest – nun aber für das Schuljahr 2019/2020.

Im Schulentwicklungsplan des Landkreises heißt es, bei den weiterführenden Schulplätzen fehle es an einem regional ausgewogenen Angebot. „Davon sind insbesondere die Stadt Drebkau, die Gemeinde Kolkwitz und die Stadt Welzow betroffen.“

Nicht überrascht vom ablehnenden Brief des Staatssekretärs zeigt sich jedoch der Vorsitzende der Spree-Neiße-SPD, Ulrich Freese. Von Anbeginn habe das beauftragte Planungsbüro schließlich einen anderen Standort als Kolkwitz für die Gesamtschule vorgeschlagen, wie es auch die Analysen der zuständigen Kreisverwaltung nahelegten. „In unverantwortlicher Weise hat Landrat Harald Altekrüger bei Schülern und Eltern Hoffnungen geweckt, die sich absehbar nicht erfüllen ließen“, erklärt Ulrich Freese.

Ihm pflichtet der SPD-Fraktionschef im Kreistag bei, Andreas Petzold: „Immer wieder“ wiesen die Sozialdemokraten in den Ausschüssen nach seinen Worten darauf hin, dass mit dem Bau einer Gesamtschule in Kolkwitz und einer Oberschule im Cottbuser Stadtteil Schmellwitz die Oberschulen in Burg und Peitz in akute Gefahr geraten würden, samt negativer Folgen für den Schulstandort in Vetschau. Die Fraktionen von CDU und Linken, die dem Projekt in Kolkwitz trotz aller Bedenken zugestimmt haben, müssten nun die Verantwortung gegenüber Eltern und Schülern übernehmen, fordert Andreas Petzold.