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Kursker Interesse am Lausitzer Knowhow

Auf einer Messe knüpfte die Lausitzer Delegation um SPN-Landrat Harald Altekrüger (Mitte) und seinem Vorgänger Dieter Friese (2.v.r.) neue Kontakte.
Auf einer Messe knüpfte die Lausitzer Delegation um SPN-Landrat Harald Altekrüger (Mitte) und seinem Vorgänger Dieter Friese (2.v.r.) neue Kontakte. FOTO: IHK
Cottbus. Die Lausitz vollzieht aufgrund der Energiewende einen Strukturwandel. Viele Unternehmen beabsichtigen daher, neue Märkte zu erschließen. Stephan Meyer / sme1

Laut Dr. Wilfried Berg, Vizepräsident der IHK Cottbus, gäbe es dahin gehend jedoch noch "Reserven". Um regionalen Firmen neue Entwicklungschancen aufzuzeigen, organisierte die Kammer in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Spree-Neiße eine siebentägige Reise nach St. Petersburg und die russische Region (Oblast) Kursk. Die 35-Teilnehmer starke Südbrandenburger Wirtschaftsdelegation vertiefte dabei seit 2013 bestehende Beziehungen und knüpfte neue Geschäftskontakte. Viele Gespräche und Treffen auf wirtschaftlicher und politischer Ebene standen dabei auf der Agenda. Gestern wurden die Ergebnisse dieser Reise vorgestellt.

Bei der Erschließung neuer Märkte habe sich unsere Region außenwirtschaftlich bisher zurückgehalten, so Berg. Doch nicht nur Lausitzer Unternehmen haben Bedarf an internationalen Geschäftsbeziehungen. Das Interesse besteht auch auf russischer Seite. Darüber hinaus gäbe es eine positive Affinität zu Deutschland. "Das Russland will, das haben wir gemerkt", erzählt Berg. "Sie möchten gerne mit uns auf Augenhöhe zusammenarbeiten."

Die Region Kursk hat einen erheblichen Nachholbedarf bei der Modernisierung ihrer Infrastruktur. Da die Lausitz so eine Modernisierung nach der Wende bereits vollzogen hat, möchte Kursk von unseren Erfahrungen profitieren. "Und wir können auch die Produkte für diese Modernisierung liefern", ergänzt Berg. Ein Ingenieurbüro war beispielweise vor Ort und ist in Gesprächen bezüglich der Sanierung von Abwasserleitungen in Kursk. Die Leistungsfähigkeit Südbrandenburgischer Unternehmen konnte die Delegation vor Ort auf einer Wirtschaftsmesse präsentieren. An dem Gemeinschaftsstand beteiligten sich auch Firmen aus Sachsen und Berlin. Für Harald Altekrüger stand die jüngste Reise "unter einem besonderen Stern", wie er sagt. Der Landrat des Landkreises Spree-Neiße hatte einen Kreistagsbeschluss im Gepäck. Zusammen mit dem Kursker Gouverneur unterschrieb er während der Messe ein Memorandum, dass die dreijährige Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis und dem Oblast besiegelte und eine Basis für zukünftige Projekte geschaffen hat. Die Beziehungen nach Kursk starteten im Juni 2013, nach einer Anfrage des Kursker Gouverneurs an den Verein Euroregion Spree-Neiße Bober. Seitdem leistet der Landkreis Spree-Neiße Pionierarbeit im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der russischen Region. Nun sollen "neue Ideen entwickelt werden, um weiter am Ball zu bleiben". Weitere Reisen mit konkreten Inhalten sind geplant.

Während der Reise wurden ebenfalls die Sanktionen der Europäischen Union gegenüber Russland angesprochen. Diese würden laut Dieter Friese (Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft der Europäischen Grenzregionen) zufolge der deutschen Seite schaden. "Mit einer derartigen Politik lassen sich keine wirtschaftlichen Probleme zu unseren Gunsten lösen." Als Beispiel führte er unter anderem den Industriebetrieb Kirowwerk an, der jetzt Landwirtschaftsmaschinen produziere, die vorher aus der EU importiert wurden. Jene Maschinen seien ein Drittel günstiger als die europäischen und die Produktion des Kirowwerk habe sich vervierfacht. Darüber hinaus appellierten Altekrüger und Friese an die Landesregierung. Der Landrat des Landkreises Spree-Neiße wünscht sich "konkrete Verabredungen zwischen dem Land Brandenburg und dem Oblast Kursk". Und auch Friese wäre dankbar, wenn sich das Land "mehr ins Geschirr legen würde".

Zum Thema:
Bildet mit dem ukrainischen Oblast Sumy die Grenzregion Yaroslavna.Fläche: 29 997 Quadratkilometer (vgl. Brandenburg: 29 479 Quadratmeter), besteht aus zehn Städten und 22 städtischen SiedlungenBevölkerung Oblast Kursk: 1 127 081Einwohner-Verwaltungssitz Kursk: 443 000 (Stand 2016)Wirtschaftsbranchen: Eisenerzförderung, Chemieindustrie, Maschinenbau, Lebensmittelindustrie, LandwirtschaftsindustrieBildung: drei staatliche Universitäten (Staatliche Universität Kursk, Medizinische Akademie, Technische Universität (Süd-West-Universität), mit Letzterer besteht eine Partnerschaft zur BTU Cottbus-Senftenberg